Absurdes Theater Bedeutung, Erklärung und Definition.
Das Absurde Theater ist eine Richtung des Theaters des 20. Jahrhunderts, die die Unsinnigkeit der Welt und den darin verlorenen Menschen darstellen will.
Grundzüge des Absurden Theaters
Der Begriff des Theater des Absurden wurde in den sechziger Jahren von Martin Esslin geprägt, der in seiner gleichnamigen Monographie (New York, 1961) Werke verschiedener Dramatiker aufgrund zahlreicher gemeinsamer Charakteristika im Zusammenhang betrachtet. Der Begriff Absurdes Theater oder auch Neues Theater wurde von der Kritik zur Bezeichnung einer im Paris der fünfziger Jahre aufkommenden literarischen Strömung übernommen.
Das Theater des Absurden grenzt sich bewusst vom so genannten klassischen Theater ab, welches – auf Aristoteles' Poetik zurückgehend – in Form und Inhalt an streng definierte Regeln gebunden ist (daher auch die Bezeichnung Antitheater). In den Stücken der „absurden Dramatiker“ lösen sich die vom klassischen Theater geforderten Einheiten der Zeit, der Handlung und des Ortes auf. An ihre Stelle treten alogische Szenarien, absurde Handlungen und wahllos verknüpft erscheinende Dialogreihen.
Die Stücke der Dramatiker Arthur Adamov, Samuel Beckett, Eugène Ionesco und Jean Genet können als eine moderne Form des Mythentheaters bezeichnet und in Zusammenhang mit den Themen- und Fragestellungen der Psychoanalyse betrachtet werden (Blüher, 1982). Zweifel an den herkömmlichen rationalistischen Kultur- und Denksystemen gelten als Auslöser für die Entstehung dieser neuen Ausdrucksform und somit als Fortführung der Bestrebungen des Surrealismus. Besonders deutlich wird dieser Aspekt in den Arbeiten Ionescos, der seine Stücke selbst als dramaturgische Gestaltung der obsessionellen Antagonismen seines eigenen Unterbewussten beschreibt.
Das absurde Theater kann aber auch als einfacher Ausdruck einer Weltsicht des Absurden begriffen werden. Berührungspunkte gibt es hier mit der existentialistischen Absurditätsphilosophie, die in Frankreich in den dreißiger und vierziger Jahren durch die Arbeiten von Jean-Paul Sartre (1905–1980) und Albert Camus (1913–1960) populär wurde. Beide Strömungen thematisieren mit unterschiedlichen Mitteln die Konsequenz über die Erkenntnis der Lebensabsurdität. Sie sind im Kontext der Krisensituation Europas nach dem 2. Weltkrieg zu betrachten.
Ängsten und Obsessionen werden in den Werken der Avantgarde in Form eines semiotischen Theaters Ausdruck verliehen. Beeinflusst von den Forderungen Antoine Artauds (Le Théâtre et son double, 1938) sind die Dramatiker bestrebt, Gestik, Dekor und Bühnenelementen eine dem Dialog gleichgestellte Rolle zuzuweisen. Sprache wird als formelhaftes, sinnentleertes Kommunikationsmittel entlarvt:
Estragon - Puis-je vous aider?
Pozzo - Si vous me demandiez, peut-être ?
Estragon - Quoi ?
Pozzo - Si vous me demandiez de me rasseoir.
Estragon - Ca vous aiderait ?
Pozzo - Il me semble.
Estragon - Allons-y. Rasseyez-vous, monsieur, je vous prie.
Pozzo - Non non, ce n’est pas la peine (Un temps. A voix basse.) Insistez un peux.
Estragon - Mais voyons, ne restez pas debout comme ca, vous alles attraper froid.
Pozzo - Vous croyez ?
Estragon - Mais c’est absolument certain.
Pozzo - Vous avez sans doute raison. (Il se rassied.) Merci mon cher. Me voilà réinstallé. (Beckett, En attendant Godot)''
Das Vermischen von tragischen und komischen Elementen ist ebenfalls kennzeichnend für das Neue Theater. Beckett versieht En attendant Godot mit dem Untertitel „Une-tragi-comédie“ und spielt damit auf die seit dem 17. Jahrhundert diskutierte Trennbarkeit der klassischen Genres an. Absurde Handlungen und Dialoge gipfeln in seinen Stücken nicht selten in Situationskomik, die – eingebettet in die tragische Lage der Charaktere – die tragische Wirkung der Stücke verstärken. Bezüge bestehen zu den Stummfilmen von Charlie Chaplin, der Commedia dell'arte und der Music Hall.
Die Vorläufer
Die Pioniere
Die Nachfolger
Die Deutschsprachigen
Die bekanntesten Stücke
Literatur: Die Stücke
