Agglutinierender Sprachbau Bedeutung, Erklärung und Definition.
Ein agglutinierender Sprachbau ist in der Sprachtypologie von Humboldt und Schlegel eine Unterart des synthetischen Sprachbaus. In einer sog. agglutinierenden Sprache wird die grammatische Funktion durch das Anbringen von Affixen kenntlich gemacht. Der Name stammt von dem lateinischen Verb agglutinare, "zusammenkleben".
In einer agglutinierenden Sprache wird eine Bedeutungseinheit, beispielsweise Person, Zeit, Kasus, durch ein einzelnes Affix ausgedrückt. Darin liegt der Unterschied zu den fusionalen Sprachen, welche verschiedene grammatische Kategorien in einem Affix fusionieren, oder im Laufe ihrer Entwicklung mehrere Affixe durch teilweise drastische Änderung zusammengequetscht haben. Auch ist es wichtig, dass sich die einzelnen Morpheme nicht gegenseitig beeinflussen.
Beispiele:
- Die finnische Wortform taloissani "in meinen Häusern" kann folgendermaßen zerlegt werden: talo ("Haus") + i (Plural) + "ssa" (Inessiv, "in") + ni (zeigt Besitz durch eine 1. Person Singular an, "mein").
- Die türkische Übersetzung von "in meinen Häusern" erfolgt ganz ähnlich. Über ev "Haus", evler "die Häuser", evlerim "meine Häuser" gelangt man schließlich zu evlerimde.
Manchmal wird der Name agglutinierende Sprachen auch als Synonym für synthetische Sprachen verwendet, wodurch auch flektierende Sprachen und fusionale miteinbezogen werden, obwohl dies technisch inkorrekt ist.
Gute Beispiele für agglutinierende Sprachen sind die uralischen Sprachen, Mongolisch, Türkisch, Baskisch, Japanisch, Koreanisch, die dravidischen Sprachen, Inuktitut, Swahili, Malaiisch und Esperanto, und in einem gewissen Rahmen auch Deutsch und Holländisch. In früherer Geschichte auch die meisten Sprachen des Irans und des Nahen Osten, wie Sumerisch, Elamitisch, Hurrianisch, Urartu, Hethitisch, Guti, Lullubi, Kassitisch.
Die agglutinierenden Sprachen sind bisher nicht vollständig nach Sprachfamilien gruppiert, wenn auch Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind, wie auch möglicherweise Japanisch und Koreanisch. Vielmehr hat sich diese Eigenschaft bei einer Vielzahl separater Sprachen durch konvergente Evolution entwickelt.
Agglutinative Sprachen neigen zu einer hohen Zahl an Affixen/Morphemen pro Wort und zu großer Regularität. Beispielsweise kennt das Japanische nur 3 (nicht sehr) irreguläre Verbenen, und das türkische sogar nur eins.
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