Arabischer Antisemitismus Bedeutung, Erklärung und Definition.
"Arabischer Antisemitismus" wird eine besondere Form der Judenfeindlichkeit genannt, die von Arabern ausgeht und sich antisemitischer Klischees und Argumentationsmuster bedient. Diese sind aber nicht in arabischen Ländern, sondern in Europa entstanden und wurden von dort in die arabisch-islamische Welt exportiert.
Der Begriff "Arabischer Antisemitismus" wurde von europäischen, nordamerikanischen und israelischen Beobachtern des Zeitgeschehens geprägt. Er kennzeichnet eine Bereitschaft unter Arabern und Muslimen, europäischen Antisemitismus zu übernehmen und im Kampf gegen das Existenzrecht Israels und aller Juden weltweit zu aktivieren.
Die Verknüpfung arabischer Judenfeindlichkeit mit dem Begriff des Antisemitismus weist bereits darauf hin, dass es sich hierbei um einen Ideologie-Import handelt. Denn Antisemitismus ist im engeren Sinn keine arabische oder islamische, sondern eine europäische Judenfeindlichkeit. Deren Vorurteilsstrukturen und sozialpolitische Ausgrenzungsstrategien wurden seit etwa 1870 mehr und mehr rassistisch begründet.
Daher weisen arabische Menschen den Begriff, den sie mitunter als Vorwurf gegen alle Araber auffassen, zunächst einmal als falsch und unbegründet zurück. Das betrifft vor allem die rassistische Komponente: Araber könnten Juden schon deshalb nicht als "Rasse" ablehnen, da sie ja selbst "Semiten" und damit potentielle Opfer von Antisemitismus seien.
Dieses Argument erinnert zutreffend an die Herkunft des Begriffs "Semiten". Dieser bezeichnete in der frühen Sprachforschung des 18. Jahrhunderts eine gemeinsame Sprachfamilie, die Hebräisch und Arabisch umfasste. Jedoch war "Antisemitismus" als Gegenbegriff zu "Semitismus", den Wilhelm Marr 1870 prägte, ausschließlich gegen Juden gerichtet. Diese wurden als "Semiten" definiert. Das Semitische verstanden Antisemiten nicht als sprachliches, sondern als rassisches Merkmal. So konnten sie ihren Rassismus gegen alle europäischen Juden richten, deren Muttersprache Deutsch, Jiddisch oder eine andere indo-europäische Sprache war.
Thema des Artikels ist also vor allem das Verhalten der arabisch-islamischen Welt zum Judentum und europäischen Antisemitismus. Dabei ist der eigene, regionale und kulturelle historische Hintergrund zu beachten. Nur so lässt sich die Besonderheit des arabischen Antisemitismus erkennen.
Ein prinzipieller, gegen alle Juden gerichteter und religiös begründeter Antijudaismus hat im christianisierten Europa eine fast 2000 Jahre alte Tradition. Dies war in der islamischen Welt von Beginn an anders. Mohammed hat den Ein-Gott-Glauben vom Judentum erhalten und selbst als wahren Glauben Abrahams, des biblischen Stammvaters Israels und Urvaters "vieler Völker" (Genesis 12, 3) aufgefasst. Das Judentum gilt wie das Christentum im Quran als Buchreligion, die ihre Wahrheit von Gott erhielt, sie aber später verzerrte. Der Islam versteht sich nicht als Gegensatz, sondern als überbietende Vollendung der geoffenbarten Wahrheiten von Judentum und Christentum, sieht sich also als Bewahrer ihrer besten Traditionen.
Darum wurden Juden und Christen im Herrschaftsbereich des Islam nie von vornherein als "Ungläubige" betrachtet, sondern als "dimmis" (Schutzbefohlene), deren Religion es zu achten und zu schützen gelte.
Juden waren in muslimischen Gesellschaften, obwohl sie nicht dieselben Rechte wie die Muslime hatten, als vielfältig geschützte Minderheit anerkannt. Sie wurden teilweise gerade dann aufgenommen, wenn sie von Christen aus Europa vertrieben wurden.
Es gab auch keine allgemeine Tradition von antijüdischer Gewalt, Vertreibungen, Pogromen wie in Europa seit dem Aufstieg der Kirche. Wohl gab es Phasen lokal begrenzter Judenverfolgungen. Aber religiöse Intoleranz bedrohte Juden unter Muslimen insgesamt weit weniger als unter Christen. Dem Islam war und ist der Gedanke einer Zwangsbekehrung, Vertreibung oder gar Vernichtung aller Juden als Glaubens- oder Volksfeinden von Haus aus fremd.
Allerdings erhoben beide benachbarte Religionen wie das Christentum einen Absolutheitsanspruch, der sich - ebenfalls von ihren Anfängen an - ausdrücklich von der jeweiligen Vorläuferreligion abgrenzte. Volle Anerkennung als gleichberechtigte Bürger haben Juden auch in islamischen Ländern nie erhalten. Besonders ihr Erwählungsglaube galt den Muslimen immer als Kennzeichen von Lüge, Abfall und Götzendienst. Sie bestanden ebenfalls auf privilegierter Überlegenheit des wahren Gläubigen in dieser wie in der nächsten Welt. Darin lag ein Konfliktpotential, das in Zeiten politischer Spannungen verschärfend wirken konnte und gewirkt hat.
Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte der europäische, besonders der britische Kolonialismus und Imperialismus die arabischen Länder. Damit ging ein Kultur- und Ideologie-Import einher, der den sich formierenden europäischen Antisemitismus einschloss.
Seit etwa 1900 entstand, parallel zu anderen antikolonial motivierten Nationalismen, der Panarabismus, der alle Araber als Angehörige derselben Völkerfamilie zu vereinen sucht. Der Erste Weltkrieg gab dieser Tendenz einen enormen Auftrieb. Denn in seinem Gefolge zerfiel das Osmanische Reich, das sich mehr als 500 Jahre hatte halten können. Großbritannien und Frankreich nutzten das entstandene Machtvakuum, um arabische Gebiete zu besetzen: die Franzosen Syrien, die Briten den Irak. Diese verwalteten seit 1918 im Auftrag des Völkerbundes das Mandatsgebiet Palästina, in das seit etwa 1880 immer mehr europäische Juden einwanderten. Unter den Bedingungen kolonialer Herrschaft prallten Zionismus und Panarabismus nun aufeinander und verstärkten sich gegenseitig.
Im geschwächten, aber ungebrochenen deutschen Nationalismus fand das Emanzipationsstreben der Araber einen politischen Verbündeten. Wie sie schienen die Deutschen von imperialistischen Großmächten "eingekreist" und unterdrückt zu werden. So wurde der Panarabismus zwischen den Weltkriegen von einer starken Sympathie für Deutschland, seine Machtansprüche und seine Kultur inspiriert.
Seit 1920 begannen arabische Nationalisten im Irak, in Syrien und Palästina gegen die jüdische Einwanderung zu kämpfen, die ihrem angestrebten Großarabien im Weg stand. 1923 beschloss der Völkerbund die Teilung Palästinas. Briten und Franzosen steckten ihre Einflusszonen ab und gründeten Jordanien. Das restliche Palästina blieb britisches Mandatsgebiet. Die britische Rückendeckung für den Zionismus begünstigte die vierte Einwanderungswelle (Alijah) von vor allem polnischen und russischen Juden.
Im Zuge der Bekämpfung dieser neuen Tatsachen übernahmen die Panarabisten - zeitlich parallel zum Aufstieg der Nazis in Deutschland - spezifisch antisemitische Klischees. 1927 wurden die "Protokolle der Weisen von Zion", ein 1897 in Paris entstandenes antisemitisches Pamphlet, erstmals ins Arabische übersetzt und in Ägypten veröffentlicht. Von da aus gelangte es in andere arabische Länder. Seither bildet es einen stets wiederkehrenden Bezugspunkt für die Gleichsetzung von Zionismus mit einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung.
Eine Schlüsselfigur für die Vermittlung des NS-Antisemitismus nach Palästina wurde Amin al-Husseini. Dieser Panarabist wollte Großsyrien mit Palästina als Südprovinz vereinen und führte 1920 dazu antizionistische Aufstände an. Er scheiterte, wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt und floh nach Syrien, wurde aber schon 1921 amnestiert. Nun trug Husseini entscheidend zum Entstehen eines palästinensischen Nationalismus bei. 1923 wurde er zum sogenannten "Großmufti" von Jerusalem ernannt.
Seit 1930 gab es auch in Syrien und Irak profaschistische Organisationen, die sich an Deutschland orientierten. Sie übernahmen nationalsozialistische Elemente wie Führerprinzip und Einheitspartei, nicht aber den Überlegenheitsanspruch der "Arier", der sich ja auch gegen sie richtete. Vor allem der Antisemitismus gelangte nun ungefiltert in die arabische Welt und fiel dort auf teilweise fruchtbaren Boden.
Im März 1933 nahm der Mufti Kontakt zur Regierung Adolf Hitlers auf, dessen Machtantritt er emphatisch begrüßte. Er wollte Islam und Nationalsozialismus ideologisch einander annähern, um die Ausbreitung faschistischer Regime in Arabien zu fördern und die zionistische Einwanderung nach Palästina zu stoppen. Dazu hoffte er auf Unterstützung der Achsenmächte. Für die Nazis war diese Allianz ein wichtiger Schritt, um ihren Plan der Vernichtung des "Weltjudentums" auch im Nahen Osten umsetzen zu können. Sie sicherten dem Mufti zu, es sei das Recht der Palästinenser und Araber, die "jüdische Frage" in Palästina und anderen arabischen Staaten in Übereinstimmung mit ihren Interessen zu lösen: und zwar "mit denselben Methoden, mit denen diese Frage nun in den Achsenstaaten gelöst wird".
Schon 1933 drohten die Nazis Ägypten mit einem Importstopp für ägyptische Baumwolle, um auch dort antisemitische Propaganda und anti-britische Politik zu fördern. Dabei half ihnen die ägyptische "Muslimbruderschaft", eine 1926 gegründete, stetig wachsende Gruppe von Islamisten. - 1936 gründete Husseini das Arabische Hochkommitee. Dieses forderte ein Verbot der jüdischen Siedlungsaktivitäten und rief zum Generalstreik gegen die britische Verwaltung auf. Daraus entwickelte sich der Arabische Aufstand, in dessen Verlauf über 400 jüdische Siedler getötet wurden. Die Muslimbruderschaft unterstützte den Aufstand mit eigenen Einheiten und einem Aufruf zum "Djihad". Damit erreichte sie, dass nun auch in Ägypten jüdische Geschäfte boykottiert und Juden aus Ämtern und Positionen gedrängt wurden. In Palästina drangsalierten „Mufti-Banden“ Juden, aber auch Palästinenser derweil mit Kleiderordnungen (das Tragen der Kufiya, des sogenannten Palästinensertuchs wurde per Todesdrohung dekretiert) und Scharia-Gerichten.
Als Leiter des 1942 gegründeten "Zentralinstituts für Islam" in Berlin übernahm er Hitlers Weltsicht und setzte englisch-amerikanischen Kapitalismus und russischen "Bolschewismus" mit dem "Weltjudentum" gleich, das es zu zerstören gelte. Dies wurde das wichtigste Bindeglied zwischen islamistischer und nationalsozialistischer Ideologie. 1943 verhinderte der Mufti außerdem eine geplante Ausreise von 4500 Juden, meist Kindern, aus Bulgarien nach Palästina, indem er die deutsche und italienische Regierung zum Eingreifen veranlasste. So wirkte er aktiv am Judenmord mit.
Nach der Erfahrung des nazistischen Völkermords besonders am europäischen Judentum trat der offene, politische Ziele verfolgende Antisemitismus in Europa zurück. Der arabische Antisemitismus aber blieb und gewann Auftrieb. Einige Nazis tauchten in Ägypten unter und wieder auf: So durfte der ehemalige SS-Standartenführer Leopold Gleim dort eine Geheimpolizei nach dem Muster der Gestapo aufbauen und die ägyptischen Juden überwachen. Louis Heiden übersetzte Hitlers „Mein Kampf“ ins Arabische und verbreitete das Buch im arabischen Militär.
Da Juden nirgends in Europa willkommen waren und etwa in Polen bereits 1946 wieder Pogrome erleiden mussten, wurde die Gründung eines eigenen Staates für die Überlebenden der Shoa zur unabweisbaren Existenzfrage. Mit der Gründung des Staates Israel 1948 gewann jedoch auch der jüdisch-arabische Konflikt in und um Palästina eine neue Qualität. Die darauf folgende Serie von Kriegen - 1948 arabisch-israelischer Krieg, 1956 Suezkrise, 1967 Sechs-Tage-Krieg, 1973 Yom-Kippur-Krieg, 1982 Libanonkrieg - sowie die Erste und Zweite Intifada der Palästinenser verstärkten die Judenfeindlichkeit in den arabischen Zivilgesellschaften. Dabei haben sich die ursprünglichen Gegensätze von Panarabismus und Zionismus einerseits differenziert, andererseits verhärtet und gesteigert.
Der Islamismus wuchs nun neben dem eher säkularen Panarabismus zur Massenbewegung heran. 1948 hatte die Muslimbruderschaft allein in Ägypten schon 500000 Mitglieder. Mit zahlreichen Ablegern, unter anderen der Hamas, nahm sie fortan auf die Entwicklung in vielen arabischen Ländern Einfluss. Diese bildeten Zellen einer strikt anti-israelischen „Internationale“, die die antisemitische Vorkriegspropaganda nahezu ungebrochen fortsetzte. Sie leiteten aus dem Glauben an den einzigen Gott ein striktes Führerprinzip auf Erden ab, strebten das Kalifat, die Abschaffung der Demokratie und aller Parteien, die Zerstörung Israels und darüberhinaus des "Weltjudentums" an.
Doch der Modernierungsdruck erzeugte auch Gegentendenzen. 1954 wurde Gamal Abdel Nasser ägyptischer Staatspräsident. Nach der Suezkrise lehnte er sich an die Sowjetunion an, ohne aber ihr System zu kopieren. Bis 1961 führte er die Staatsunion mit Syrien, die großarabischen Träumen zeitweise Auftrieb gab. Nach einem Mordanschlag verbot er die Muslimbruderschaft, ließ viele ihrer Führer inhaftieren und einige hinrichten. Damit verlor diese an Bedeutung.
Unter Anwar as-Sadat kam es 1978 zum historischen Teilfrieden Ägyptens mit Israel, unter Jitzhak Rabin 1993 zum Osloer Friedensabkommen zwischen Israel und der Palästinenserführung unter Yassir Arafat, so dass die Lösung des Nahostkonflikts zeitweise möglich erschien. Doch seit die Verhandlungen in Camp David 2000 scheiterten, spitzte sich der Konflikt erneut zu.
Die ungelöste Jerusalemfrage, Wahlerfolge von Benjamin Netanjahu und Ariel Sharon, verweigerte und verschleppte Teilabzüge Israels, neue jüdische Siedlungen in besetzten Gebieten, palästinensische Selbstmordanschläge gegen israelische Zivilisten, Korruption, Uneinigkeit, Festhalten unrealistischer Ziele und gewaltsamer Methoden in der palästinensischen Führung, tägliche mörderische Zusammenstöße mit Israels Besatzungsregime und fehlender Druck seitens der USA haben die Umsetzung des Osloer Friedensprozesses nachhaltig verhindert.
(Hier fehlt die Rolle, die der arabische Antisemitismus dabei spielte: z.B. in Form des Anspruchs auf ganz Jerusalem - Tempelberg -, der islamistischen Orientierung der Al-Aksa-Brigaden, des Anspruchs auf Rückkehrrecht für arabische Israelis... oder so ähnlich)
Mit dem Sturz des Schah von Persien und der Gründung des islamischen, von Ayatollahs (religiösen Würdenträgern) beherrschten Staates Iran wurde 1979 ein alter, inner-islamischer Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten erneut politisch akut. Erstere fanden das Einigungsband aller Araber eher in der Hingabe an die Scharia, das aus dem Quran (Koran) abgeleitete theokratische Rechtssystem , letztere eher in einem modernen - nicht notwendigerweise demokratischen - Staatswesen nach westlichem Muster.
Die USA, die auf den Schah als Sachwalter ihrer Interessen in der Nahostregion gesetzt hatten, suchten neue Bündnispartner. Saddam Hussein, neuer Herrscher des Irak und Führer der panarabischen sunnitischen Baath-Partei mit Hitler und Stalin als Vorbildern, wurde nun ihr Protegee. Er durfte sich Technologie und Rüstungs-Knowhow aus zahlreichen Ländern, nicht zuletzt auch der Bundesrepublik Deutschland, zusammenkaufen. Er nutzte dies, indem er den Iran überfiel und seine Ölfelder zu erobern suchte. Das Resultat war ein 10 Jahre dauernder verlustreicher Krieg, in dessen Verlauf auch Giftgas gegen Kurden und Iraner eingesetzt wurde.
Zugleich unterstützten die USA auch das wahabitische Königshaus Saudi-Arabiens. Dieses bot radikalen Gotteskriegern mit Fördergeldern Kompensation, um die innere Opposition gegen die Zusammenarbeit mit den "Ungläubigen" zu besänftigen. So kam es zum Aufbau von islamistischen Terrorzellen im Sudan, in Algerien, Marokko, Afghanistan, Pakistan. Diese wurden im antikommunistischen Partisanenkrieg in Afghanistan von den USA aufgerüstet und führten den Sturz der Sowjetunion bis 1990 mit herbei.
Der Panarabismus erfuhr nach den durchweg verlorenen Kriegen gegen Israel weitere Rückschläge mit Libyens Isolation seit Lockerbie 1988, dem Golfkrieg der USA von 1991 und der fehlgeschlagenen Demokratisierung Algeriens 1992. Viele Araber erlebten dies als Demütigung. Sie machten die Allianz der USA mit Israel und autokratischen arabischen Regierungen zunehmend für fehlende Entwicklungschancen der gesamten Region verantwortlich. In den Medien und der Bildungspolitik der arabischen Gesellschaften wurden Antizionismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus nun immer mehr miteinander verschmolzen.
Ungelöste Konfliktherde, Aufrüstung, Abhängigkeit vom Ölexport, Reformunfähigkeit vieler arabischer Regime schufen ein sozialpolitisches Umfeld, das die Radikalisierung von Islamisten in der Nahostregion nachhaltig begünstigte. Deren Israelfeindschaft steigerte sich zu einem generellen, alle Juden auf der Welt ablehnenden Hass. Nach dem Golfkrieg von 1991, der eine dauerhafte amerikanische Truppenpräsenz in der Golfregion nach sich zog, erklärten wahabitische Extremisten wie Osama Bin Laden die USA zum neuen Hauptfeind. Seitdem versuchten sie, den "großen Satan", der den "kleinen Satan" Israel deckt, mit terroristischen Mitteln aus der Nahostregion zu vertreiben und auf diese Weise doch noch die Einigung der Araber herzustellen. Sie benutzten den ursprünglich eher antikolonial ausgerichteten Freiheitskampf der Palästinenser, den große Teile der gemäßigten Araber unterstützen, um ihren radikalen Kampf gegen alle Juden und "Kreuzzügler" überall auf der Welt zu propagieren und zu allem bereite Rekruten dafür zu gewinnen.
Der Import des europäischen Antisemitismus war von Anfang an unmittelbar mit der Palästinafrage verknüpft. Darum wird der Kampf gegen "die Juden"
oft nur als ideologische Begleiterscheinung des Kampfes für die Eigenstaatlichkeit Palästinas angesehen und mit anderen antikolonialen Kämpfen wie in Algerien oder Südafrika verglichen. In der Tat wäre die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus trotz historischer Bezüge zum Nationalsozialismus gewiss ebenso verfehlt wie die Verharmlosung von Terror, der auf Israels Zerstörung zielt, zu "legitimem Widerstand" im palästinensischen Befreiungskampf.
Unverkennbar ist jedoch die längst eigenständige Fortsetzung des Antisemitismus sowohl bei arabischen Nationalisten wie Islamisten. So finden ein arabischer "Revisionismus" und die Holocaustleugnung in der arabischen Öffentlichkeit große Resonanz. Diese zielen im Kern auf das Selbstverständnis des Staates Israel, der seine Existenzberechtigung aus der Erfahrung der Vernichtung des europäischen Judentums ableitet. So wird dieses Menschheitsverbrechen auf allen Seiten instrumentalisiert: In arabischen Medien ist die Gleichsetzung israelischer Besatzungspolitik mit dem nationalsozialistischen Terrorregime stereotyp, und in israelischen Medien wiederum wurde bisher jeder arabische Führer als "neuer Hitler" diffamiert. Die Funktionsweise dieses Umgangs mit der Vergangenheit analysierte der jüdische Autor Tom Segev 1998 in seinem Buch "Die siebte Million: Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung".
Hinzu kommt eine politische Instrumentalisierung des Palästinaproblems durch viele arabische Staaten, die nicht am Schicksal der PalästinenserInnen interessiert sind, sondern in Israel einen Sündenbock gefunden haben, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Sie lassen das Umsichgreifen offen antisemitischer Propaganda in den Medien unwidersprochen zu: Mit großer Selbstverständlichkeit verbreiten arabische Medien und arabische Bildungspolitik antisemitische Klischees nach Art des "Stürmer". So greift die Fernsehserie "Reiter ohne Pferd" in Ägypten auf die "Protokolle der Weisen von Zion" zurück.
Der Irakkrieg der USA 2003 verschärfte die Spannungen innerhalb der arabischen Gesellschaften. Die mögliche atomare Aufrüstung des Iran und die Wiederwahl von George W. Bush machen schlimmste Szenarien vorstellbar.
(noch lückenhaft und inkonsistent; nur schon mal einige Punkte genannt) Diese Seite ist ein Artikel über Arabischer Antisemitismus. Seite Versuche, zum von von Beschreibung über bereitzustellen Arabischer Antisemitismus. Sie konnten Tatsachen über auch finden Arabischer Antisemitismus. Erklärung von Arabischer Antisemitismus.Der Begriff
Das historische Verhältnis des Islam zum Judentum
Arabischer Nationalismus und Nationalsozialismus
Mit Beginn des 2. Weltkriegs, vor allem nach dem Überfall auf die Sowjetunion, nahm der Holocaust seinen Lauf. NS-Kriegsführung und Ausrottung der europäischen Juden gingen Hand in Hand. Im November 1941 reiste der Mufti nach Berlin und traf sich dort mit Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und Joachim von Ribbentrop. Himmler erhob ihn in den Rang eines SS-Gruppenführers. Für den Fall eines deutschen Durchbruchs im Kaukasus erlaubte der Mufti den Nazis die Vernichtung der arabischen Juden. Er richtete ein Büro in Berlin ein, das als Zentrale für antisemitische Propaganda, Spionage und Aufstellung islamischer Militäreinheiten zur Unterstützung der Achsenmächte in besetzten Gebieten diente. Er besuchte einige KZs, um sich über die nationalsozialistische "Lösung der Judenfrage" zu informieren. Antizionismus und Islamismus seit dem Holocaust
Der radikale Islamismus seit 1979
Die Gegenwartssituation seit dem 11. September 2001
