Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Dialektik

Dialektik Bedeutung, Erklärung und Definition.

Die Dialektik ( griechisch διαλεκτική (τέχνη), dialektiké (téchne) gleichbedeutend zu lateinisch (ars) dialectica: "(Kunst der) Gesprächsführung") - eigentlich: "Kunst der Unterredung" - ist eine Methode der Philosophie und der Rhetorik, bei der kontroverse Themen diskutiert werden.

Table of contents
1 Frühe, vorterminologische Entwicklungsformen der Dialektik
2 Dialektik als Methode der Gesprächsführung
3 Konzept der Dialektik im deutschen Idealismus und später
4 Themen zur Dialektik
5 Siehe auch
6 Literatur
7 Weblinks

Frühe, vorterminologische Entwicklungsformen der Dialektik

Eine spontane, naturwüchsig-naive Dialektik findet sich in unterschiedlicher Ausprägung in den Weltanschauungen fast aller Kulturvölker. Im frühen Buddhismus, der die Welt als ein ununterbrochenes Werden auffasst, tritt diese elementare dialektische Anschauungsweise ebenso auf wie in der alten chinesischen Philosophie, insbesondere im Taoismus. Ihren Höhepunkt und ihre entwickeltste Gestalt erhielt diese Form der Dialektik in der antiken griechischen Philosophie. Den ionischen Naturphilosphen (u.a. Thales, Anaximenes, Anaximander) galt die Welt als einheitliches Ganzes, in dem beständiges Werden herrscht.

Am ausgeprägtesten bringt Heraklit diese Dialektik zum Ausdruck. Die Welt ist ihm ein ewiger gesetzmäßiger Prozess:

"Diese Weltordnung, dieselbige für alle Wesen, schuf weder einer der Götter noch der
Menschen, sondern sie war immerdar und ist und wird sein ein ewig lebendiges Feuer,
erglimmend nach Maßen und verlöschend nach Maßen". (in: H. Diels, Die Fragmente
der Vorsokratiker, 1903)

Als entschiedene Verfechter einer metaphysischen antidialektischen Anschauung traten die Eleaten, insbesondere Zenon, gegen Heraklit auf. Sie hielten die Welt für das eine, ewige, unbewegliche Sein, in dem es kein Werden und Vergehen, keine Mannigfaltigkeit gebe. Was die Sinne dem Menschen an Bewegung und Vielheit zeigen, sei trügerischer Schein.

Dialektik als Methode der Gesprächsführung

Zum ersten Mal findet sich der Terminus "Dialektik" bei Platon. In seiner frühen Philosophie bezeichnet er einfach eine bestimmte Form der Gesprächsführung, bekannt als sokratischen Dialog: Zwei Partner unterhalten sich über einen Gegenstand. Ausgangspunkt ist die Definition des Sprechers A. Mit der Grundlage dieser Definition fragt B A aus. Die Zuteilung der Rollen ist dabei zwingend. Der Definitionsgeber A darf nur antworten; nur der Frager B darf fragen stellen. In der späterern Philosophie Platons scheint Dialektik auch die Methode der Philosophie überhaupt zu bezeichnen mit der man Wissen von den Ideen erlangen kann.

Aristoteles arbeitet in seiner Topik eine methodische Anleitung der Argumentation aus, die er "Dialektik" nennt. Zu Beginn der Topik schreibt er:

  • " Die Abhandlung beabsichtigt, ein Verfahren zu finden, aufgrund dessen wir in der Lage sein werden, über jedes vorgelegte Problem aus anerkannten Meinungen zu deduzieren, und, wenn wir selbst ein Argument vertreten, nicht Widersprüchliches zu sagen." (zitiert nach Rapp/Wagner 2004)
Aristoteles arbeitet also eine Theorie aus, mit der es möglich sein soll, jede mögliche These auf dessen Tragfähigkeit zu prüfen. Hierbei scheint Aristoteles sich auf den Dialektikbegriff Platons zu beziehen, den er aus der Akademie kennen dürfte, da es hier ebenfalls um ein Gespräch zwischen einem Fragenden und einem Antwortenden, der die These vertritt, geht.

Konzept der Dialektik im deutschen Idealismus und später

Hier bezeichnet Dialektik eine Denkweise, die auf der Einsicht in die objektive Einheit von Gegensätzen und in qualitative Veränderungen des Geschehens beruht; in ihrer materialistischen Ausprägung eine Auffassung der Theorie von den allgemeinsten Bewegungs- und Entwicklungszusammenhängen in der Natur, der Gesellschaft und in den Formen des Denkens und Handelns. Diese Widersprüche sollen aufgelöst werden und dadurch eine Erkenntnis entstehen (Synthese), wobei Fichtess Terminologie - These, Antithese und Synthese - von Hegel nicht benutzt, sondern kritisiert wird(siehe Triade). Es besteht also eine enge Verwandtschaft mit der Logik. Dialektik wird oft als Teil der Logik oder informale Logik bezeichnet oder gar mit Logik gleichgesetzt.

Kant behauptete, die Dialektik sei die Beschäftigung mit Dingen außerhalb des möglichen Erfahrungsbereichessbereiches ("Logik des Scheins") und führe daher unausweichlich zu unauflösbaren Widersprüchen (kantischen Antinomien). Das Verständnis der Dialektik wurde weiterentwickelt bei Karl Klemens Serol, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, um schließlich seinen absoluten Höhepunkt in der Logik Hegels zu erreichen.

Zum Ansatz der Dialektik bei Hegel

Der metaphysischen Denkweise stellt Hegel die Dialektik gegenüber, welche nach Hegel nicht nur eine Methode, eine Theorie des Erkennens, sondern auch eine Ontologie, d.h. ein metaphysisches System ist. Die Dialektik wird deshalb als autonomer logischer Prozess charakterisiert, als Selbstentwicklung des Begriffs, deren Grundlage die logische Struktur der Wirklichkeit selbst bildet.

Ein spekulatives metaphysisches System ist auch ein System logischer Schlussfolgerungen, da sie unabhängig von der Erfahrung sind, über deren Grenzen hinausgehen und das Transzendente als dem Denken Immanentes erfassen, welches das Wesen von allem, darunter auch das menschliche Wesen, ist. Die Dialektik ist nach Hegel auch die echte metaphysische Methode, die es erlaubt, sich über die unausbleibliche Begrenztheit des empirischen Wissens auf jedes beliebige Entwicklungsniveau zu erheben.

Zum System der Hegelschen Dialektik

In Hegels Philosophie ist es der Geist, der sich in einem dialektischen Prozess von Stufe zu Stufe entwickelt, immer neue Gestaltungen hervorbringt und sich zugleich selbst erkennt. Dieser Geist, dessen Entwicklung in Form von Begriffen Hegel darstellt, ist nichts anderes als der vom Subjekt getrennte, verselbständigte und zum Weltprozess verabsolutierte Denkprozess. Aber in dieser objektiv-idealistischen Form hat Hegel mit enzyklopädischer Gelehrsamkeit das Wissen seiner Zeit verarbeitet, um überall in Natur, Geschichte und Denken die inneren Zusammenhänge, die Entwicklung, die Widersprüche nachzuweisen. So hat seine idealistische Dialektik einen sehr realen Inhalt, denn in der mystifizierten Entwicklung des Denkprozesses ist die wirkliche Entwicklung der materiellen Welt in ihrer dialektischen Gesetzmäßigkeit teils bewußt erfaßt, teils genial erahnt.

Hegel hat damit als erster in der Geschichte des philosophischen Denkens die allgemeinen Gesetze der Dialektik formuliert, indem er die Bewegung und Entwicklung als Übergang quantitativer Veränderungen in neue qualitative Zustände, als Entstehung und Überwindung von Widersprüchen und als Negation der Negation faßte. Im Widerspruch der Gegenstände zueinander und in ihrer Wechselwirkung erkannte er die Quelle und Triebkraft aller Entwicklung, denn der Widerspruch "ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit"(in: Logik II 1,2).

Zur Denkmethode im System der Hegelschen Dialektik

Hegel arbeitete seine dialektische Denkmethode in einer ständigen, tiefgreifenden kritischen Auseinandersetzung mit der metaphysischen Denkweise aus, die mit isolierten, erstarrten Begriffen und einseitigen Bestimmungen operierte, ohne die Bewegung der Begriffe, ihre wechselseitigen Übergänge und die Relativität jeder Bestimmung zu sehen. Aber die Dialektik ist für Hegel keine "äußere Kunst" und kein "subjektives Schaukelspiel von hin- und herübergehendem Raisonnement[Urteil, Vernunftschluss]", sondern sie ist "vielmehr die eigene, wahrhafte Natur der Verstandesbestimmungen, der Dinge und des Endlichen überhaupt". "Das Dialektische macht daher die bewegende Seele des wissenschaftlichen Fortgehens aus und ist das Prinzip, wodurch allein immanenter Zusammenhang und Notwendigkeit in den Inhalt der Wissenschaft kommt, so wie in ihm überhaupt die wahrhafte, nichtäußerliche Erhebung über das Endliche liegt"(in: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriß, § 81).

Die Dialektik ist bei Hegel objektiv bestimmt, "denn die Methode ist das Bewußtsein über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts"(in: Logik, Einleitung). Die dialektische Methode ist "der sich selbst wissende, sich als das Absolute, sowohl Subjektive als auch Objektive, zum Gegenstand habende Begriff", sie ist "Bewegung des Begriffs selbst", und daher ist sie die allgemeine, schlechthin unendliche Kraft, welcher sich kein Objekt entziehen kann. "Sie ist darum die höchste Kraft oder vielmehr die einzige und absolute Kraft der Vernunft nicht nur, sondern auch ihr höchster und einziger Trieb, durch sich selbst in allem sich selbst zu finden und zu erkennen". (In: Logik II, 3,3). Hegel hat auch die wichtigsten Kategorien der Dialektik untersucht. Seine Bestimmungen über solche dialektische Kategorien wie Notwendigkeit und Zufall, Kausalität und Wechselwirkung, Möglichkeit und Wirklichkeit, Wesen und Erscheinung, Gesetz, Freiheit und Notwendigkeit, Kontinuität und Diskontinuität und andere.

Zum Paradigma im System der Hegelschen Dialektik

Hegel bevorzugte als Paradigma der Dialektik den Prozess der geistigen Selbstfindung beim Menschen. Das Bewusstsein eines Kindes ist noch unbestimmt und unerfüllt, offen für alles Einströmende. Insofern ist es - auf leere Weise - umfassend und allgemein als ein abstraktes Ich aufzufassen. Der Jugendliche wendet sich offen der Welt zu, lässt sie auf sich wirken, geht Beziehungen mit dem Anderen, dem Fremden ein. Und genau so findet er sich selber. Das Sich-Öffnen, das Aus-sich-Herausgehen ist tiefer gesehen ein In-sich-Einkehren lassen. Das Fremde wird angeeignet, im Anderen erkennt sich das Selbst: Sein "Abstoßen von sich" ist das "Ankommen bei sich selbst". Vielerlei Besonderes bestimmt und erfüllt nun die zuerst vage und leere Allgemeinheit des Ich. Der derart "gebildete" Mensch ist welthaltig: nicht mehr abstrakt, sondern kon-kret (d. h. ist zusammengewachsen mit der vielgestaltigen Wirklichkeit).

Somit hat der Mensch sich durch 1001 Vermittlungen zu neuer, höherer Ganzheit entwickelt. In dieser mystifizierten Beschreibung sind die drei Stufen der Dialektik zu erkennen, die oft (aber nicht zutreffend: siehe Triade) als These, Antithese und Synsthese kennzeichnet:

  1. die unbestimmte Unmittelbarkeit oder das leere, abstrakte Allgemeine, das "Ansich",
  2. das Herausgehen, die Entäußerung aus dem Anfangszustand, als Vermittlung ins Besondere, das "Fürsich",
  3. durch die Negation dieser Negation die neue Postion, die höhere, vermittelte Unmittelbarkeit oder das konkrete Allgemeine, das "An-und-für-sich".

Die Kraft, die den sich selbst bewegenden Werdeprozess der Dialektik in Gang setzt und hält, entsteht im Prozess des Widerspruchs als Negation, die das Verneinen seines Zustands an sich selbst vollstreckt: die jeweilige Entwicklungsstufe in ihrem Bestreben zur höherer Vollendung holt - in einer scheinbaren Spiralentwicklung - die verwandelte Ausgangsstufe in sich wieder ein. Darin vollzieht sich das Hegelsche " Aufheben" im dreifachen Wortsinn: Abschaffen (oder Auflösen), Aufbewahren und Emporheben.

Dialektik im Marxismus

Karl Marx und Friedrich Engels hatten den Anspruch, auf der hegelschen Dialektik aufzubauen; sie wollten Hegel dabei 'vom Kopf auf die Füße stellen', um die hegelsche idealistische Dialektik in eine materialistische Dialektik, bei der sie sich auch auf den (undialektischen) Materialismus Feuerbachs bezogen, zu integrieren. Dabei gingen sie von einem dialektischen Verhältnis von einerseits Natur und andererseits dem Menschen als Teil der Natur als eines praktisch wirkenden Verhältnisses aus. Natur wird von Marx als real anerkannt, sie sei aber für den Menschen nichts, solange er sie nicht bearbeiten könne. Die dialektisch zu interpretierende menschliche Geschichte beginnt entsprechend erst mit der Evolution des Menschen aus dem Tier (toolmaking animal). Indem der - von der Umwelt/ Natur geprägte - Mensch seine Umwelt durch Produktion seiner Lebensmittel verändert, sie sich langsam immer stärker aneignet, verändert er dabei sich selbst und emanzipiert sich von der Natur und selbst gesetzten Zwängen politischer Herrschaft.

Marx spricht in seiner Arbeit von Dialektik nur solange es Menschen gibt. Engels versucht in seinen Spätschriften, sie auch auf die Natur anzuwenden, um den sich damals stark differenzierenden Naturwissenschaften "theoretisch über den Berg" zu helfen. Diese Ansätze waren Marx bekannt, der im "Kapital" an einer Stelle bestätigt, Dialektik ließe sich auch auf die Naturwissenschaft anwenden. Natur ist Marx und Engels nicht teleologisch und nicht von Gott geschaffen, weshalb sie in Darwins Evolutionstheorie (1859) für die Natur eine faktische Bestätigung ihrer Anschauung über gesellschaftliche Entwicklung sahen, die aber nicht - wie im Sozialdarwinismus versucht - auf die Gesellschaft übertragbar sei. Von einer womöglich naturgesetzlichen Entwicklung menschlicher Geschichte in dem Maße, wie sie später von der Sowjetideologie geprägt wurde, keine Spur. Von Gesetzmäßigkeiten ökonomischer Entwicklung sprachen sie als "Tendenzen". Wenn es auch eine Tendenz vom Einfachen zum Komplexeren gäbe, sei immer auch der Mißerfolg möglich: Sozialismus oder Barbarei, formulierte Marx dazu. (siehe auch: Dialektik bei Marx - Engels)

Doch die meisten Schüler von Marx, besonders in der Sozialdemokratie (Kautsky, Mehring) und dann vollends die Vertreter der Sowjetideologie (Lenin, Stalin) sanken herabzu einer dualen Dialektik, die nicht nur in der menschlichen Geschichte, sondern auch in der Natur selbst gesetzmäßig wirke, wodurch "der Partei", der jeweiligen herrschenden Kommunistischen Partei, die Definitionsmacht über das jeweilige "wahr - falsch" zugeordnet wurde (besonders Stalin: Über Dialektischen und Historischen Materialismus) und die die hegelsche Logik herunterbringt auf deren Form der berühmten drei marxistischen dialektischen Grundgesetze:

Neben diesen drei aufgeführten Grundgesetzen werden in der marxistischen Dialektik noch die Gesetzmäßigkeiten des dialektischen Zusammenhangs betrachtet. Das sind z.B. die Kategorien bzw. Kategorienpaare.

Dialektik kann mit Bertolt Brecht auch als Kunst verstanden werden, mit Antinomien (=Widersprüchen) umzugehen, und zwar besser als der politische Gegner, der ,wie man selber, sich in ihnen bewegen muss.

Kategorien und Kategorienpaare

Manchmal werden diese Gesetzmäßigkeiten auch als dialektische Wechselwirkungen bezeichnet.

Eine besondere Entwicklung hat die marxistische Dialektik in China (siehe Mao Zedongs Widerspruchstheorie) genommen.

Die drei Grundgesetze sind - entgegen vielen Gerüchten, insbesondere aus marxistisch-leninistischen Kreisen - keineswegs die Zusammenfassung der hegelschen Dialektik oder das, was an ihr "rational" ist. Wer etwas zu Hegels Dialektik wissen will, möge Hegels Logik lesen, in der kleinen Logik (1. Band der Enzyklopädie, erhältlich z.B. als stw 608 bei Suhrkamp) oder in der großen Logik (Wissenschaft der Logik, 2 Bände, stw 605-606). Einen ersten Einstieg bieten in der kleinen Logik die Paragraphen 79-82.

Themen zur Dialektik

Siehe auch

Literatur

  • Rapp, Christof/ Wagner, Tim: Aristoteles, Topik. Übersetzung, Einleitung und Kommentar, Stuttgart 2004 (Reclam)

Weblinks

Zur hegelschen Dialektik:


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