Ganztagsschule Bedeutung, Erklärung und Definition.
Eine Ganztagsschule hat den Anspruch, Schüler einen großen Teil des Tages unterzubringen.Hierbei unterscheidet man die offene Ganztagsschule, bei deren oft aus Arbeitsgemeinschaften bestehendem Nachmittagsangebot keine Anwesenheitspflicht besteht, und gebundene Ganztagsschule mit mindestens acht Stunden Anwesenheitspflicht.
Vorteile sind die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schüler und Lehrern, da es am Nachmittag meist lockerer zugeht. Die Eltern haben auch die Möglichkeit mehr ihrer Arbeit nach zu gehen, auf Kosten von Familienzusammengehörigkeit und Einfluss auf die Kinder.
Die Kinder könnten eine bessere Ausbildung erhalten, was durch einen Blick in die Staaten mit Ganztagsschultradition, wie Schweden und Finnland, nahe legt. Diese Staaten schnitten bei der PISA-Studie gut ab.
Größter Nachteil für die Kinder ist die Beschneidung der Freizeit, die für die individuelle Entwicklung einer Persönlichkeit sehr wichtig ist. Daher werden in den Nachmittagsstunden auch mehr künstlerische oder sportliche Fächer untergebracht.
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Die Anzahl der Befürworter von Ganztagsschulen wächst in Deutschland. Es gibt etwa 1600 Ganztagsschulen, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin.
Länder wie Finnland schnitten bei PISA deutlich besser ab als Deutschland. Teilweise wird davon ausgegangen, dass daran nicht alleine das dortige System der Ganztagsschule dafür verantwortlich ist. Vielmehr sei dort das pädagogische, therapeutische Angebot für Problemschüler besser. Problemfälle würden aus dem Klassenverbund herausgenommen und speziell gefördert. Dies sei in Deutschland nicht oder kaum möglich. Die Ursache für bessere Leistungen wäre demnach nicht das Schulsystem an sich, sondern die Art wie man mit schwierigen Schülern umgeht. In Deutschland fehle für diese Schüler eine gezielte Förderung.
Wenn auch in Ländern mit Ganztagsschulsystem bessere schulische Leistungen erzielt wurden, so ist dies nicht ausschließlich auf die Ganztagsbetreuung zurück zu führen. Vielfach sind die Rahmenbedingungen wie z.B. die Schüler-Lehrer-Relation oder die sächliche Ausstattung der Schulen anders und erheblich besser. Kleinere Lerngruppen/Klassen und gute Ausstattungen (Lehr- und Lernmittel) helfen, die schulischen Leistungen zu verbessern. Die Ergebnisse von PISA haben zudem zu politischen Schnellschüssen im Hinblick auf Ganztagsbetreuungen geführt, die eine wohldurchdachte Konzeptionierung vermissen lassen.
Im Gegensatz dazu stehen vereinzelt engagierte Kollegien, die sich mit dem Thema Ganztagsbetreuung in all ihren Fazetten auseinander gesetzt haben (s.a. [1]).
Prof.Dr. Heinz-Elmar Tenorth, Humboldt-Universität Berlin, nimmt wie folgt Stellung zum Thema Ganztagsschule: „Das Problem mit PISA beginnt aber erst nach den Befunden: Während die Zahlen eindeutig sind, ist die pädagogische Botschaft eher diffus und das konstruktive Potential nicht präzise ableitbar. Entsprechend kann sich jeder nach seinem Gusto aus unterstellten Kausalzusammenhängen nahezu beliebig programmatisch bedienen: Einheitsschulische Systeme sind offenbar leistungsfähiger, also: neue Gesamtschuldebatten - aber PISA zeigt das nicht eindeutig, schon gar nicht sagt PISA, dass die leistungsstarken Einheitsschulsysteme des Auslands wie unsere - besonders leistungsschwachen - Gesamtschulen aussehen und arbeiten. Oder: Leistungsstarke Länder haben eher Ganztagsschulen, also, sagt Bundesbildungsministerin Bulmahn, es gibt Geld für Ganztagsschulen. Nur, welches pädagogische Programm damit verwirklicht werden soll, das bleibt dabei unerörtert und PISA sagt das nicht. Sieht man von der Kontrollvariablen der sozialen Herkunft ab, dann haben die Studien nämlich nicht so sehr Ursachendiagnose betrieben, gar Unterrichtsprozesse intensiv beobachtet, sondern Leistung - "output" - gemessen. Was kann man aber dann begründet tun, wenn man angemessen antworten will?“ (aus: Forum e, Verbandszeitschrift des VBE, September 2004, Seite 6).
In Nordrhein-Westfalen setzt die Landesregierung auf die Offene Ganztagsschule im Primarbereich. Bis 2007 sollen in jeder Kommune Ganztagsangebote für landesweit jedes vierte Grundschulkind entstehen. Diese fördert das Land gegenüber den Kommunen (den Schulverwaltungsämtern). Die Angebote sollen in Zusammenarbeit mit außerschulischen Trägern u.a. der Jugendhilfe, der Freien Wohlfahrtspflege, des Sports und der Jugendkulturpädagogik gestaltet werden. Mit diesem Angebot „unter dem Dach der Schule“ wird die Schule als „Haus des Lebens“ angestrebt, in der langfristig Unterricht und außerunterrichtliche Angebote rhythmisiert durchgeführt werden. Also nicht am Vormittag Unterricht und am Nachmittag Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote.
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