Geschichte Kambodschas Bedeutung, Erklärung und Definition.
Die Geschichte Kambodschas umfaßt einen Zeitraum von annähernd 1.200 Jahren, während dem sich das Reich der Khmer (gesprochen: kmen) entwickelte, wie sich die Kambodschaner selbst und wie sie auch ihre Sprache nennen.
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2 Unter Fremdherrschaft 3 Kolonialherrschaft 4 Das unabhängige Kambodscha |
Reich der Khmer
Das Reich der Khmer existierte von 802 bis 1431 und hatte Angkor als Hauptstadt. Daher wird dieses Reich auch oft als Reich von Angkor bezeichnet. In seiner größten Ausdehnung umfaßte Angkor das heutige Staatsgebiet von Kambodscha, das Delta des Mekong, Laos sowie das untere Thailand (Siam) bis zum Isthmus von Kra.
Die Hauptstadt Angkor wurde 1431 aufgegeben, nachdem die Siamesen das Gebiet eingenommen hatten. Sie wurde der Natur überlassen und erst im späten 19. Jahrhundert von französischen Archäologen wieder entdeckt, die den französischen Zugriff auf Indochina vorbereiteten.
Wirtschaftlich basierte das Reich von Angkor auf der Landwirtschaft mit dem Anbau von Reis und künstlicher Bewässerung sowie dem Fischfang. Angkor liegt nahe am fischreichen See Tonle Sap, dem größten See in Südostasien.
Die Kultur der Khmer war sehr stark von Hinduismus und Buddhismus beeinflußt, wobei letzterer auch heute noch ein tragendes Element der kambodschanischen Gesellschaft darstellt.
1177 wurde Angkor erstmals von den benachbarten Cham (aus dem Reich der Champa eingenommen, doch sehr viel gefährlicher waren die Thai-Völker, die sich im Laufe des 13 und 14. Jahrhunderts zu den Staatsgebilden von Sukhothai und Ayutthaya zusammenschlossen und die Herrschaft der Khmer abzuschütteln begannen. Diese Reiche begannen zunächst als Vasallenstaaten, doch wurde Angkor nach und nach aufgesogen, bis es 1431 schließlich fiel.
Unter Fremdherrschaft
1431 war Kambodscha zu einem Vasallen der Thai geworden. Seit dem 17. Jahrhundert, als sich im Osten das Reich Annam (Vietnam) bildete, wuchs auch von dort der Druck auf das Staatswesen. Auch Annam verlangte Tribut. Im späten 18. Jahrhundert eroberte Annam Cochinchina, das verbliebene Champa, das bis dahin von Kambodscha abhängig war. Im Westen verlor Kambodscha Provinzen an Siam. 1807 errichtete das vereinigte Vietnam ein Protektorat auf kambodschanischem Boden. Im 19. Jahrhundert lag die Hauptstadt des Protektorats in Odongk. Im Jahr 1840/41 führte ein Aufstand gegen die vietnamesische Vorherrschaft in Kambodscha zu einer vietnamesisch-siamesischen Verständigung, nach der das Land durch beide Nachbarn gemeinschaftlich beherrscht werden sollte. Die regierungszeit des seinerzeitigen Königs Ang Duong war jedoch eher eine Zeit des Friedens und eines gemäßigten Wohlstands. Der König "ersuchte" 1854 Frankreich um Schutz, doch wurde ein Zusammentreffen des Königs mit den Franzosen im Jahr 1856 von den am Hof weilenden siamesischen Beobachtern vereitelt. König Norodom, der 1859 den Thron bestieg, verlegte die Hauptstadt nach Phnom Penh.
Kolonialherrschaft
1863 erklärte Frankreich Kambodscha zum Protektorat, man versorgte den König mit Militärhilfe, um eine Rebellion niederzuschlagen. Gleichzeitig verlangte Frankreich Schürfrechte und das Recht zur Exploration des Gebiets, da man hier - wie auch in Laos - große Goldvorkommen vermutete. 1867 schloß Frankreich einen Vertrag mit Siam, wonach den Siamesen die Hoheit über Battambang und Siem Reap zugestanden wurde, im Gegenzug aber Frankreichs Interessen im vormaligen siamesischen Vasallenstaat Kambodscha anerkannt wurden.
Der französische Einfluß blieb zunächst gering, da das Land von einem König regiert wurde. Erst 1884 brachte ein französisches Kanonenboot einen Gouverneur nach Kambodscha, der einen Vertrag aushandeln wollte, nach dem der König umfangreiche Reformen vornehmen sollte, unter anderem die Abschaffung der Sklaverei, die Einführung des Rechts an Besitz von Privatland. Der König zögerte, mußte aber schließlich zustimmen. Bis 1887 geschah aber nichts, um die Reformen in Gang zu setzen. In diesem Jahr wurde Kambodscha Teil des neu geformten Indochina.
Indochina bestand aus Tongking, Annam, Kambodscha und Laos, das 1893 einverleibt wurde. Seit 1897 handelte der Generalgouverneur (resident général) im Namen des Königs. Die französische Kolonialverwaltung betrachtete Vietnam als das Herz von Indochina, Kambodscha war mehr ein Anhängsel. Viele Vietnamesen waren in der Verwaltung des Landes angestellt. 1907 mußte Siam in einem Vertrag den Verzicht auf die Provinzen Battambang und Siem Reap erklären, die zu Kambodscha und damit zu Indochina kamen.
Im 2. Weltkrieg kapitulierte die Regierung Pétain (die Vichyregierung) vor dem Deutschen Reich. Sie unterzeichnete im gleichen Jahr den Henry-Matsuoka-Vertrag, der Japan das Recht einräumte, Truppen in Indochina zu stationieren. Damit wurde Französisch-Indochina abhängig von Japan. Nach einem kurzen Krieg zwischen Thailand und Frankreich trat Frankreich die beiden Provinzen Battambang und Siem Reap wieder an Thailand ab. Im gleichen Jahr setzten die Franzosen Prinz Norodom Sihanouk auf den kambodschanischen Thron. Im Frühjahr 1945 ermutigten die Japaner den König, Kambodscha für unabhängig zu erklären, was auch am 13. März 1945 erfolgte. Nachdem aber Japan am 15. August kapituliert hatte, kehrten die Franzosen nach Indochina zurück.
Das unabhängige Kambodscha
Nach einem lange ausgehandelten Vertrag erhielt das Königreich Kambodscha 1949 seine Unabhängigkeit innerhalb der Französischen Union. Seit 1952 bildeten sich verstärkt separatistische Bewegungen im Land, so die Khmer Issarak, die von den Viet Minh beeinflußt wurden. 1954 kontrollierten sie bereits etwa die Hälfte des Landes. Im gleichen Jahr gestand Frankreich dem Land im Genfer Vertrag die volle Unabhängigkeit zu, die französischen Truppen verließen Kambodscha. Kambodscha war nun ein Königreich mit der hauptstadt Phom Penh.
In den 60er Jahren brachte der Vietnamkrieg neues Leid für das Land. Die Vietkong nutzten das Grenzgebiet zu Vietnam als Aufmarschgebiet und Versorungsraum für ihre Angriffe gegen Südvietnam und die amerikanischen Truppen. Seit 1967 begannen die Roten Khmer systematische Attacken gegen die Regierung in Phnom Penh. Am 18. März 1970 führte General Lon Nol einen Staatsstreich gegen König Norodom Sihanouk durch, der nach China ins Exil gehen mußte. Nachdem die US-Truppen Indochina verlassen hatten, drangen 1975 die Roten Khmer in Phnom Penh ein und übernahmen die Macht im Land.
Das Land nannte sich nun Kampuchea. Der Staatschef Pol Pot führte den Agrarkommunismus ein, die Stadtbevölkerung wurde unter grausamsten Bedingungen auf das Land umgesiedelt, Phnom Penh hatte anschließend nur noch etwa 20.000 Einwohner. Vorher waren es 300.000 Menschen gewesen. Alle Personen, die man der Zusammenarbeit mit den Amerikanern bezichtigte, wurden hingerichtet. Hierzu reichte es auch schon, wenn man eine Fremdsprache sprechen konnte. Diese Zeit wird auch als "kambodschanischer Genozid" bezeichnet.
Nachdem die Grausamkeiten auch Angehörige der vietnamesischen Minderheit nicht verschonten, drang die Armee des Nachbarlandes 1979 in Kambodscha ein, um schnell die Kontrolle über die meisten Gebiete des Landes zu übernehmen und eine gewisse Ordnung wiederherzustellen. Man setzte eine pro-vietnamesische Regierung unter Hun Sen ein, das Land hieß nun Volksrepublik Kambodscha. Die Roten Khmer unter Pol Pot wurden in die dichten Dschungel zurückgedrängt und errichteten Lager entlang der Grenze zu Thailand. Viele Flüchtlingslager wurden im Grenzgebiet auf thailändischem Boden errichtet.
Nach dem Ende des Kommunismus in Südostasien folgten auch in Kambodscha im Jahr 1993 die ersten freien Wahlen, nach denen eine Koalitionsregierung zustande kam. Pol Pot und seine Guerilla bildeten allerdings immer noch eine Gefahr für das Staatswesen. Schließlich wurden internationale UN-Friedenstruppen ins Land geholt und die Monarchie wieder eingeführt.
1996 waren die Roten Khmer schließlich durch interne Zersplitterung so geschwächt, daß einzelne Gruppen kapitulieren mußten. Sie legten ihre Waffen gegen das Versprechen der Straffreiheit nieder. 1998 starb Pol Pot im Dschungel und wenig später hörten auch die Guerillakämpfe auf.
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