Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Innerdeutsche Grenze

Innerdeutsche Grenze Bedeutung, Erklärung und Definition.

]] ]] Als innerdeutsche Grenze oder deutsch-deutsche Grenze oder auch Zonengrenze wurde die 1378 km lange Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Der Grenzverlauf zwischen den drei westlichen Besatzungszonen und der Sowjetischen Besatzungszone wurde von den SiegermĂ€chten des Zweiten Weltkriegs festgesetzt und bestand mit der GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten nach 1949 fort.

Die DDR bezeichnete die deutsch-deutsche Grenze im offiziellen Sprachgebrauch als „Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik Deutschland und zu Westberlin“. Der Begriff „Zonengrenze“ war eher in der Bundesrepublik gebrĂ€uchlich.

Geschichte der innerdeutschen Grenze

Schon ab 1952 wurde die Demarkationslinie zwischen der Bundesrepublik und der DDR verstĂ€rkt abgeriegelt. Dieser Prozess wurde dann am 18. Juni 1954 mit der Anordnung ĂŒber die Neuregelung der Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und Westdeutschland formell geregelt.

Die DDR schuf auf ihrem Gebiet eine fĂŒnf Kilometer breite ‚Sperrzone‘, einen 500 Meter breiten mit Stacheldraht gesicherten ‚Schutzstreifen‘ und einen zehn Meter breiten ‚Kontrollstreifen‘ (Grenztruppenjargon: Handlungsstreifen). Die Bewohner der Sperrzone mussten sich registrieren lassen und durften Besucher nur mit Wochen vorher zu beantragender Genehmigung empfangen. "UnzuverlĂ€ssige" BĂŒrger wurden 1952 in der "Aktion Ungeziefer" beziehungsweise 1961 im Zuge der "Aktion Kornblume" zwangsweise in das Hinterland umgesiedelt. Ab 1971 wurden diese Sperrzonen teilweise aufgelöst oder verkleinert. Zuerst wurde als Sichtschutz ein einfacher Holzlattenzaun aufgebaut, spĂ€ter ein schwerer ĂŒberwindbarer doppelter Stacheldrahtzaun. Seit 1957 hieß die Demarkationslinie in der DDR offiziell „Staatsgrenze West“.

Seit den 1960er Jahren wurde die deutsch-deutsche Grenze durch die DDR immer stÀrker ausgebaut, um die Massenflucht in den Westen zu unterbinden. Neben den dort stationierten ca. 30.000 Grenzsoldaten der Grenztruppen, die den Befehl hatten, die Flucht mit Waffengewalt zu unterbinden, war die Grenze seit 1966 auf ostdeutscher Seite vermint und mit SignalzÀunen sowie von 1970 bis 1983 mit Selbstschussanlagen ausgestattet, die zum Gebiet der DDR hin ausgerichtet waren.

Es existierten 870 km Grenzzaun, dazu auf 440 km Selbstschussanlagen SM-70, 230 km Minenfelder Typ 66, 602 km Kfz-SperrgrĂ€ben und 434 BeobachtungstĂŒrme. In der DDR wurden FlĂŒchtlinge als „RepublikflĂŒchtlinge“ die „abgehauen“ sind diffamiert, deren zurĂŒck gelassene Familien Repressionen ausgesetzt waren.

Ein besonderer Abschnitt war die Berliner Mauer, die seit dem 13. August 1961 die drei Westsektoren Berlins von Ostberlin und der DDR abschnitt. Ähnliche Mauern aus Betonelementen wurden an der deutsch-deutschen Grenze auch dort errichtet, wo sich auf der DDR-Seite grenznahe Siedlungen befanden, zum Beispiel in Mödlareuth. Ansonsten bestand die innerdeutsche Grenze aus mehreren MetallgitterzĂ€unen mit Signalanlagen, GrĂ€ben etc. Nachts wurde der unmittelbare Schutzstreifen beleuchtet.

1983 wurden auf Druck der Bundesregierung die Selbstschussanlagen abgebaut, Erdminen gesprengt (beides gab es nicht an der Berliner Mauer) und Hundelaufanlagen abgebaut, als Gegenleistung fĂŒr von Franz Josef Strauß vermittelte Milliardenkredite. Auch danach wurden "verdĂ€chtige" Reisende oft schon in der bis zu 5 km tiefen mit Passierschein genehmigungspflichtigen Sperrzone und im Hinterland der Grenze von Volkspolizei, zustĂ€ndigen ABV, Stasi-IM und ca. 3.000 "freiwilligen Helfern der Grenztruppen" dem zustĂ€ndigen Grenzkommando gemeldet und 90% aller "Grenzverletzer" schon weit vor dem letzten Grenzzaun I abgefangen.

Mit der Öffnung der Grenze (Mauerfall) am 9. November 1989 unter dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz kam es zu einem Prozess, der letztlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 fĂŒhrte. Damit hörte die innerdeutsche Grenze als schwer bewachte Staats- und Staatenblockgrenze auf zu bestehen. Noch heute wird allerdings gerne die "Mauer in den Köpfen" angefĂŒhrt, wenn es um anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Ost- und Westdeutschen geht. Von der DDR in die Bundesrepublik flĂŒchteten seit 1949 etwa 2 Millionen Menschen, von der Bundesrepublik in die DDR etwa 200.000.

Kosten

Der Bau, stĂ€ndige Ausbau und die jahrzehntelange Unterhaltung der schwer bewachten Grenze war ein große wirtschaftliche Belastung fĂŒr die DDR. Baumaterial und etwa 40.000 Mann Grenztruppen – ArbeitskrĂ€fte, die keine produktive Arbeit leisten konnten – wurden dafĂŒr gebunden. Von 1961 bis 1964 kostete der Aufbau und Betrieb der Grenze insgesamt 1822 Millionen Mark der DDR, davon entfielen 400 Millionen Mark auf die Berliner Mauer. Die laufenden Kosten wurden insgesamt auf jĂ€hrlich etwa 500 Millionen Mark geschĂ€tzt. Dazu kamen die Passkontrolleinheiten (PKE) des MfS mit etwa 38 Millionen Mark jĂ€hrlich.

Grenztote

Die deutsch-deutsche Grenze forderte Todesopfer auf beiden Seiten.

Getötete FlĂŒchtlinge aus der DDR

Einige hundert Menschen starben bei Fluchtversuchen aus der DDR, wobei es sich in den meisten FĂ€llen um Zivilisten handelte. Die genaue Zahl der Opfer ist schwer zu bestimmen. WĂ€hrend die Berliner Staatsanwaltschaft von 270 nachweislichen TodesfĂ€llen an der innerdeutschen Grenze einschließlich Berlins infolge eines Gewaltakts der GrenzsicherungskrĂ€fte inkl. Minentote und Selbstschussanlagen spricht, hat die Zentrale Ermittlungsgruppe fĂŒr Regierungs- und VereinigungskriminalitĂ€t (ZERV) 421 VerdachtsfĂ€lle auf Tötungen durch die bewaffneten KrĂ€fte der DDR registriert. Die Arbeitsgemeinschaft "13. August" veröffentlichte am 12. August 2003 eine Zahl von 1.008 Opfern des DDR-Grenzregimes von 1949 bis 1989, geht dabei aber von einem relativ weiten Opferbegriff aus. In dieser Zahl enthalten sind zum Beispiel auch in der Ostsee ertrunkene FlĂŒchtlinge, Opfer von UnfĂ€llen wĂ€hrend der Flucht, Selbstmorde nach entdeckter Flucht und auch durch FlĂŒchtlinge erschossene Grenzsoldaten sowie TodesfĂ€lle deutscher FlĂŒchtlinge an anderen Grenzen (CSSR, Jugoslawien etc.).

Liste bekannter FĂ€lle (unvollstĂ€ndig): Peter Fechter, Chris Gueffroy, GĂŒnter Litfin

Getötete Westdeutsche

Liste bekannter FÀlle: Michael GartenschlÀger

Getötete DDR-Grenzer

Seit GrĂŒndung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 bis 1990 wurden auch insgesamt 28 DDR-Grenzpolizisten und DDR-Grenzsoldaten getötet. Fast alle der getöteten Grenzer kamen an der deutsch-deutschen Grenze ums Leben, lediglich einer kam an der Grenze zur CSSR um. Ein 29. GrenzschĂŒtzer wurde noch vor GrĂŒndung der DDR erschossen. Von diesen 29 Toten starben acht an der Berliner Mauer. Die meisten getöten DDR-Grenzer waren Angehörige der Volkspolizei und der Grenztruppen der DDR. Die mutmaßlichen TĂ€ter waren, neben aus der DDR fliehenden Zivilisten, etwa zur HĂ€lfte Westberliner, Westdeutsche sowie US-Soldaten und etwa zur HĂ€lfte desertierende DDR-Grenzer (z.B. Werner Weinhold), NVA-Soldaten sowie ein Sowjet-Soldat. In der DDR wurden einige der getöteten DDR-Grenzer zu Helden stilisiert und beispielsweise Straßen, Pionierlager, Kasernen und Schulen nach ihnen benannt. Aus heutiger Sicht ist umstritten, ob sich einige FĂ€lle tatsĂ€chlich so zugetragen haben oder ob es sich teilweise um Propaganda handelt. Unklar ist ferner, in wie vielen FĂ€llen Notwehr oder sogar "Friendly Fire" vorlag.

Liste der getöteten DDR-Grenzer: Paul Sager († 10. November 1948), Gerhard Hofert († 3. August 1949), Fritz Otto († 1. September 1949), Siegfried Apportin († 2. Juli 1950), Herbert Liebs († 21. Februar 1951), Werner Schmidt († 2. MĂ€rz 1951), Heinz Janello († 2. MĂ€rz 1951), Rudolf Spranger († 7. August 1951), Manfred Portwich († 27. Oktober 1951), Ulrich Krohn († 16. Mai 1952), Helmut Just († 30. Dezember 1952), Waldemar Estel († 3. September 1956), Jörgen Schmidtchen († 18. April 1962), Manfred Weiss († 19. Mai 1962), Peter Göring († 23. Mai 1962), Reinhold Huhn († 18. Juni 1962), Rudi Arnstadt († 14. August 1962), Siegfried Widera († 23. August 1963), unbekannter Volkspolizist († 15. September 1964), Egon Schultz († 5. Oktober 1964), Rolf Henniger († 15. November 1968), Lutz Meier († 18. Januar 1972), Klaus Peter Seidel († 19. Dezember 1975), JĂŒrgen Lange († 19. Dezember 1975), Ulrich Steinhauer († 4. November 1980), Klaus-Peter Braun († 1. August 1981), Eberhard Knospe († 5. Mai 1982), Uwe Dittmann († 22. MĂ€rz 1985), Horst Hnidyk († 3. August 1989)

Siehe auch

Berliner GrenzĂŒbergĂ€nge

Weblinks


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