Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Jugendstil

Jugendstil Bedeutung, Erklärung und Definition.

 1898, Charakteristisch für die grafische Kunst von Art Nouveau und Jugendstil ist das dekorativ verwendete Motiv des Frauenhaars.]]  1898. Zu beachten ist hier die ornamentale Behandlung der Fassade im oberen Bereich.]]Der Jugendstil ist eine kunsthistorische Epoche um die Jahrhundertwende des 19. zum 20. Jahrhundert. Voraus gingen Stilrichtungen wie Klassizismus oder Neorenaissance, Neobarock, Neugotik, Historismus.   

Der Begriff ist nur in Deutschland (den Niederlanden und in Lettland) in Gebrauch, so benannt nach der 1896 gegründeten Münchner illustrierten Kulturzeitschrift Die Jugend;. Dabei ist dieser Begriff in seinem heutigen relativ wertfreien Sinne durch die spätere kunstgeschichtliche Rezeptionsliteratur geprägt worden. Beim Aufkommen des Begriffs um 1901 wird der Jugend- und Secessionsstil in den einschlägigen Zeitschriften ('Dekorative Kunst', Autoren: Hermann Muthesius, Julius Meier-Graefe) als kritisches Etikett für die modische Popularisierung und die dabei als karikierend empfundene Nachahmung der neuen Formen in den (Einzel-)Werken von Künstlern wie etwa van de Velde durch die Industrie mit ihrer ('billigen') kunstgewerblichen Massenproduktion verwendet.

Die dem Jugendstil entsprechenden Stilrichtungen werden in anderen Ländern bzw. Sprachen als Art Nouveau oder Belle Epoque, Modern Style, Modernismo, Stile Liberty oder Wiener Secession bezeichnet.

Der Jugendstil kann als eine Antwort auf den vorausgehenden Historismus verstanden werden. Eine der Ideengeber ist die damals in Europa entdeckte japanische Kunst mit dezentralem Bildaufbau (Schwalbenmotive) um 1895. Elemente sind dekorativ geschwungene Linien sowie flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien. Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der künstlerische Aufbruch zwischen 1895 und 1900 keineswegs eine so geschlossene Bewegung war, wie die Bezeichnung 'Jugendstil' heute bei uns den Anschein erwecken mag. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich 'einig' waren, also der Ablehnung der bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen wie etwa dem Palais Stoclet in Brüssel, in der alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenaustattung im einheitlichen Sinne durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von 'Kunst und Leben' verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein ganz besonderes Gewicht zukam. Dies war zugleich der programmatischer Gegenentwurf zur Abgehobenheit und Abgesondertheit auratischer Kunstwerke in der reinen Sphäre der sog. 'hohen' oder Bildenden Kunst. Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität und Ausdruck der Funktion in der Erscheinung der Dinge, dass also die Funktionen eines Gebäudes auch dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollte. So beispielsweise sollten die Fassaden nicht länger symmetrisch und von achsialen Aufteilungen bestimmt sein müssen, sondern einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen dürfen. Insgesamt gehört die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eines der zentralen Fragen des Jugendstils war in gewisser Weiterführung der Stildebatten des 19. Jahrhunderts die Frage nach dem sog. 'modernen' Stil, dem 'Stil unserer eigenen Zeit'.

Der Jugendstil ist in Deutschland aus lokalen Bewegungen und Künstleravantgarden entstanden, die erst im Laufe der Jahre und über die vielen neugeründeten Kunstzeitschriften zu einem überregionalen Ideenaustausch gelangte. 
Neben den Metropolen Berlin, Dresden oder München (Peter Behrens, Otto Eckmann, August Endell, Richard Riemerschmid, Bernhard Pankok, Hermann Obrist, Adelbert Niemeyer) ist einer der Hauptschauplätze des Jugendstils in Deutschland Darmstadt, wo Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, eine Künstlerkolonie ins Leben rief, die auf der Mathildenhöhe ihren Platz fand. Vom Jugendstil inspirierte Künstler wie Heinrich Vogeler, Franz Schreker oder Paula Modersohn-Becker gründeten in Worpswede eine weitere berühmte Künstlerkolonie.

Jugendstilarchitektur in allen ihren (meist regionalen) Spielarten findet sich in ganz Europa, z. B. in Wien (Otto Wagner , Josef Hoffmann, Koloman Moser), Paris, Brüssel (Victor Horta), Barcelona (Antonio Gaudí), Riga, Prag und Hagen (Henry van de Velde) Besonders ausgeprägt findet man den Jugendstil auch im Kunsthandwerk, im damals sogenannten 'Kunstgewerbe', und der Architektur. Verwandte Strömungen gab es in Malerei, Grafik, Buchkunst, Mode, Schmuck, Bildhauerei, Dichtung, Musik, Theater und Tanzkunst. Das Berliner Bröhan-Museum zeigt Möbel, Porzellan, Glas, Keramik und Metallarbeiten aus der Epoche des Jugendstils und des Art Deco.

Das Ende des Jugendstils in Deutschland kann man auf die große Dresdener Kunstgewerbeausstellung 1906 datieren. In deren unmittelbaren Folge wird unter Beteiligung oder späterer Mitwirkung einer Reihe von mit dem sog. Jugendstil bekannt gewordenen Künstlern (van de Velde, Behrens, Niemeyer, Endell, Obrist) 1907 der Deutsche Werkbund gegründet, der nunmehr – insbesondere unter seinem Vorsitzenden Hermann Muthesius – die Sachlichkeit, Schlichtheit und Gediegenheit zu neuen Leitbildern erhebt. Für die Zeit in den Jahren zwischen 1906 und 1914 hat sich in der kunstgeschichtlichen Literatur keine allgemein gebräuchliche Stilbezeichnung etabliert. Man könnte sie in Abgrenzung von sog. Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre als "erste Sachlichkeit" bezeichnen. Andere Begriffe dafür sind "Reformstil" (unscharf in der zeitlichen Eingrenzung) oder "Halbzeit der Moderne" (nach der gleichnamigen Ausstellung 1991). Etwa um 1914 liegen in Deutschland (in Wien etwas früher) die Anfänge des sog. Expressionismus, der uns in vereinfachenden geschichtlichen Darstellungen oftmals als Ablösung des Jugendstils präsentiert wird. Es ist zu vergegenwärtigen, dass jede Stilbezeichnung eine sehr verallgemeinernde und zugleich abstrahierende Betrachtungsweise oftmals divergierender Zeitströmungen, rivalisierender und parallel laufender künstlerischer 'Trends' darstellt und stets die Frage aufwirft, was und wer mit dem Begriff eingeschlossen werden soll, und was und wer außerhalb zu betrachten ist.

Table of contents
1 Bedeutende Bauwerke des Jugendstils
2 Literaturhinweise
3 Weblinks

Bedeutende Bauwerke des Jugendstils

-Krematorium im Stuttgarter Pragfriedhof]]

Literaturhinweise

Ahlers-Hestermann, Friedrich: Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900. Berlin: Gebr. Mann 1956. (Zur Geschichte der Bewegung)

Fahr-Becker, Gabriele. Jugendstil. Köln: 1996. ISBN 3-89508-212-0 (Prachtvoll ausgestatteter Bildband)

Muthesius, Hermann; »Neues Ornament und neue Kunst«. Dekorative Kunst 1901. 349-366. (Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik, siehe Seite 349)

Muthesius, Hermann; Kultur und Kunst: Gesammelte Aufsätze über künstlerische Fragen der Gegenwart. Jena und Leipzig 1904.(Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik, siehe Seite 13,)

Weblinks

(Aber vorsicht: Für Herrn H. ist alles Jugendstil, was irgendwie aus der Zeit stammt!)


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