Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Kapitalismus

Kapitalismus Bedeutung, Erklärung und Definition.

Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten. Eine Begründung findet sich auf der Diskussionsseite des Artikels. Siehe auch: Wikipedia:Neutraler Standpunkt.

Der Kapitalismus ist eine Wirtschaftsordnung, die den Feudalismus und das bürgerlich-handwerkliche Stadtwesen (Manufakturen) im 17. Jahrhundert ablöste.

Unter Kapitalismus versteht man eine Produktionsform in der verschiedene gleichberechtigte Produktionsmittel zum Einsatz kommen: Arbeit, Kapital und Boden. Der Kapitalist bekommt durch den Profit das Risiko, das er mit dem Einsatz seines Kapitals auf sich genommen hat, sowie den vorläufigen Verzicht auf das investierte Kapital abgegolten (Opportunitätskosten). Er stiftet somit Nutzen für die gesamte Volkswirtschaft. In diesem Sinne erscheint er (spätestens nach der Erfindung des Geldes) bereits in der Antike.

Kapitalismus ist heutzutage längst kein neutraler Begriff mehr, der daher von den Wirtschaftswissenschaften generell gemieden und aufkosten einer differenzierten Auffassung durch den weitläufig zu erfassenden Begriff Marktwirtschaft ersetzt wird. Diese Generalisierung ist aber nur als Abgrenzung von der Planwirtschaft sinnvoll und verständlich. Ansonsten kann durchaus zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus unterschieden werden - Siehe Wikipedia- Beitrag zur Marktwirtschaft.

Table of contents
1 Wesentliche Elemente
2 Allgemeine Eigenschaften kapitalistischer Ökonomien
3 Theoretiker
4 Kritik
5 Zitate
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks

Wesentliche Elemente

Privateigentum und dezentrale Entscheidung

Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse dezentralisiert, da jeder Eigentümer (Kapitalist) über seine eigene Planung verfügt.

Koordination durch den Markt

Die Planung des einzelnen wird durch den Marktmechanismus koordiniert. Der Markt ist definiert als der Ort, an dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Dabei bewirkt der Austausch von Angebot und Nachfrage eine Koordination über Preis, Menge und Art der Sach- und Dienstleistungen.

Allgemeine Eigenschaften kapitalistischer Ökonomien

Wachstum (im ökonomischen Sinn)

Kapitalistische Ökonomien zeigen eine schwankende, aber eindeutige Tendenz in Richtung ökonomischen Wachstums. Manchmal befanden sich die Volkswirtschaften in zerstörerischen Perioden, wie etwa die Weltwirtschaftskrise, als Niedergang vieler Volkswirtschaften in den 1930er Jahren. Manche Kritiker des Kapitalismus behaupten, dass nur die Intervention von Seiten des Staates es ermöglichte, einen Kollaps der kapitalistischen Ökonomien anzuhalten. Andere argumentieren, dass Wachstum, auch ein Wachstum, das von Demokratien gelenkt wird, prinzipiell schlecht sei. Debattiert wird auch die Frage, ob dauerhaftes Wachstum überhaupt möglich sei (Club of Rome - Die Grenzen des Wachstums).

Technologischer Fortschritt

Durch den Konkurrenzdruck gibt es die permanente Motivation, Produkte zu verbessern bzw. neue Produkte zu entwickeln sowie Verfahren zu optimieren. Dies führt zu Investitionen in Wissenschaft und Forschung und in Folge zu immer neuen Technologien. Nutzen und Gefahren vieler neuer Technologien werden allerdings sehr kontrovers diskutiert, siehe zum Beispiel Kernkraft, Transrapid, Gentechnologie

Wohlstand

Der Kapitalismus hat wie keine andere Wirtschaftsordnung breiten Bevölkerungsschichten Wohlstand gebracht. Kritiker bemängeln jedoch die ungleiche Verteilung des Wohlstands. Durch Ausgleichsmechanismen, wie sie die Soziale Marktwirtschaft vorsieht, kann die Verteilung jedoch reguliert werden.

Netzwerkstruktur

In kapitalistischen Ökonomien können Unternehmen und Personen freie Vereinbarungen miteinander treffen. Die Ökonomie reagiert auf Veränderungen in der Technologie, auf Entdeckungen und andere neue Situationen, mithilfe der Firmen und ihrer Individuen, die ihre Arrangements untereinander wieder neu bewerten. Demgemäß scheinen die Kontrollmechanismen der Ökonomie, und der sie betreffende Informationsfluss, sich immer wieder zu verändern und einer Art "Survival of the fittest" zu unterliegen, die der biologischen Entitäten nicht unähnlich ist. Analysen der Netzwerke und Arrangements, der Verflechtungen im Kapitalismus, haben einen Grad von Ähnlichkeit zu anderen Netzwerken, wie etwa dem Telefonsystem oder dem Internet gezeigt. Manche sehen die Entwicklung der kapitalistischen Ökonomien als positive Adaptionen in Richtung Verbesserungen an. Andere sehen sie als absichtslos, zufällig und chaotisch.

Beschäftigung

In einer kapitalistischen Gesellschaft erhalten die meisten Individuen die finanziellen Mittel für ihren Lebensunterhalt durch entlohnte Arbeit an einem Arbeitsplatz. Allerdings kann es vorkommen, dass Menschen keinen Arbeitsplatz finden, also niemanden, der ihr Angebot von Arbeitskraft "kauft", etwa weil in ihrem Umfeld kein Bedarf vorhanden ist oder weil sie nicht gewillt sind, ihre Arbeitskraft für den von den Unternehmen gebotenen Preis (Entgelt) anzubieten. Dies geschieht jedoch nur durch Eingriffe in den Markt, sieht man von saisonbedingter Arbeitslosigkeit ab. In kapitalistischen Volkswirtschaften existiert praktisch keine Arbeitslosigkeit (wohl aber Arbeit mit Preisen nahe bei Null Euro bzw. Niedriglöhnen). Da Not erfinderisch macht, ist jeder bestrebt, eine Leistung anzubieten und hat somit einen Arbeitsplatz. Arbeitslosigkeit entsteht vielmehr erst durch Mindestlöhne oder staatliche Ersatzleistungen wie einem Arbeitslosengeld. So werden Vorraussetzungen und Anreize zum Annehmen einer Arbeit genommen. Auch Steuerumverteilung diese Anreize schmälern. All diese Mittel widerstreben zwar der theoretischen Nullarbeitslosigkeit, werden aber allgemein mehr oder weniger als gerecht empfunden. Staatliche Eingriffe sind aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit sogar nötig. Sie geben eine zusätzliche Sicherheit und fangen Kranke, Alte und Schwache Gesellschaftsmitglieder auf, auch wenn auf diese Weise eine systembedingte gewisse Arbeitslosigkeit toleriert wird.

Planung

Durch private Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln (Kapital) werden die Entscheidungsbefugnisse dezentralisiert. Jeder Eigentümer (Kapitalist) verfügt über seine eigene Planung. Diese wird durch den Marktmechanismus koordiniert. Kritiker bemängeln unbekannte und ungeprüfte Planung im gesellschaftlichen Maßstab: Obwohl es innerhalb von Unternehmen und auch anderen Organisationen einen großen Aufwand an Planung gibt, gibt es keine generelle wirtschaftsweite Richtung, keine zuverlässigen wirtschaftlichen Vorhersagen, oder ein Wissen, wie sich eine Firma kurzfristig in den nächsten Jahren orientieren soll. Während heute beinahe jede Transaktion von den Leuten geplant und bestätigt werden muss, die daran teilnehmen, erscheinen viele gesellschaftliche Phänomene, die sich von Geschehnissen eines Marktes ableiten lassen und die selten geplant, vorhergesehen oder von jemanden autorisiert wurden.

Stabilität

Allgemein verbreitet ist die Ansicht, dass der Kapitalismus ein sich fortwährend positiv entwickelndes, nur durch temporäre Wirtschaftskrisen beeinträchtigtes und an sich stabiles System ist.

Marxistische Systemkritiker und auch einige Wirtschaftswissenschaftler gehen dagegen davon aus, das dies nicht der Fall sei. Insbesondere, wenn Kapitaleigner über den so genannten Unternehmerlohn hinaus Gewinne erwirtschaften, kommt es zu einer zunehmenden Ungleichverteilung des Kapitals. Es sammelt sich bei den Eigentümern der Firmen und ihren Kreditgebern, die von den wachsenden Gewinnen oder Zinsen einen immer kleiner werdenden Anteil für ihren Konsum ausgeben, sondern immer mehr sparen und investieren. Bei sinkendem Wachstum werden Investitionen zurückgehalten. Viele getätigte Investitionen in Produktionsanlagen werfen dann nicht mehr die erwartete Rendite ab, und für das bereits durch Verschuldung entstandene Geld gibt es kaum noch Möglichkeiten, es entsprechend der Renditeerwartungen anzulegen. Wenn der Zins sich der Nullgrenze nähert kann es sein, dass nicht mehr genügend Geld für den Kauf der produzierten Waren und Dienstleistungen bei denen verfügbar ist, die kein über das Existenzminimum hinausgehendes Vermögen besitzen.

Die große Effizienz und das große Wachstum, welches der Kapitalismus in der Aufbauzeit hervorbringt, kann insbesondere bei mangelndem Wettbewerb zur Anhäufung von Geld auf der einen Seite und parallel aufgenommenen Schulden auf der anderen Seite führen.

Theoretiker

Adam Smith

Ein bedeutender Theoretiker des Kapitalismus ist der schottische Nationalökonom und Moralphilosoph Adam Smith mit seinem Hauptwerk "Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Nationalreichtums" (1776). Er begründet den Eigennutz als einen wichtigen Motor für Wohlstand und gerechte Verteilung und meint, dass die Selbstregulation des Marktes durch Gleichgewichtspreise mehr Vertrauen verdient ("unsichtbare Hand").

Adam Smith ging grundsätzlich vom Guten im Menschen aus.

Karl Marx und Friedrich Engels

Der Begriff des "Kapitalismus" wurde maßgeblich von Karl Marx und Friedrich Engels in der von ihnen begründeten Politischen Ökonomie geprägt. Jede Ware habe einen Doppelcharakter, sie sei sowohl Tausch- als auch Gebrauchswert. Die Vermehrung des Kapitals erfolge über die Ausbeutung fremder Arbeitskraft als Lohnarbeit, in dem diese systematisch unter Wert bezahlt werde und ihr auf diese Weise der Mehrwert vorenthalten werde. Er meinte, wie die kapitalistische Dynamik von ihrem eigenen inneren Antagonismus vorangetrieben wird - die ultimative Grenze des Kapitalismus, der kapitalistischen, sich selbst vorantreibenden Produktivität ist das Kapital selbst, das heißt, der irre Tanz ihrer bedingungslosen Produktivitätsspirale, ist letztlich nichts als eine verzweifelte Flucht nach vorn, um dem ihr selbst inhärenten und sie schwächenden Widerspruch zu entkommen.

Max Weber

Der Soziologe Max Weber stellte in seinem Buch Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus die These auf, dass Kapitalismus und Bürokratie aus religiösen Gründen entstanden und ihre Weiterentwicklung aus der Reformation bezogen ("protestantisches Arbeitsethos" / protestantische Ethik).

Joseph Schumpeter

Der Ökonom Joseph Schumpeter meinte, die "Maschine Kapitalismus" funktioniere nicht schlecht. Ihr Antrieb sei das freie Unternehmertum; gerade der Erfolg, der sich auch in Monopolen zeige, bringe es mit sich, dass der Kapitalismus seine eigene soziale Struktur zerstört, die ihn schützt und stützt, immer wieder zerstört und neu errichtet. Er sah ihn zunächst als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Jedoch produziere er zunehmend einen Wasserkopf bürokratischer Strukturen und eine "Krise des Steuerstaats", der sein Ende bedeuten könne. Von Schumpeter stammt allerdings auch die Idee der Kreislauf-Marktwirtschaft.

Kritik

Kritiker meinen, dass sich im weiter fortgeschrittenen Stadium auch in kapitalistisch organisierten Wirtschaftsordnungen der Zentralismus zum dominanten gesellschaftlichen Ordnungsmerkmal entwickele. Die Folgen glichen dabei denen kommunistischer Staatswirtschaften: Einschränkung der Produktvielfalt, Verlangsamung der Innovation etc. Zur Risikovermeidung tendieren die marktbeherrschenden Oligopolisten und Monopolisten bei Luxusgütern zu überhöhten Preisen, bei Basisgütern zur Unterversorgung des Marktes. Die Nachfrageseite, die der Verbraucher, versucht durch Vermeidung von Solidaritätsabgaben (Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit) die für sie negativen Folgen dieser Entwicklung abzumildern.

Symptome dieser Krise seien neben dramatischen Entwicklungen wie Staatsbankrott, Börsencrashes, Standortverschiebungen allein zugunsten des "Shareholder Value", auch in einer gemilderten Form zu sehen: der Inflation. Als weiterer Nachteil wird angesehen, dass Kosten externalisiert und der Allgemeinheit aufgebürdet und Bedürfnisse nur mehr marktorientiert organisiert werden.

Kapitalismus und Frieden

Von Befürwortern des Kapitalismus wird die These vertreten, dass Nationen bzw. Handelspartner - allein schon wegen des eigenen Nutzens - friedlich miteinander Handel treiben. Allerdings gab es aber auch Kriege die gerade wegen der Kapitalisten geführt wurden (z. B. die Opiumkriege).

Imperialismus

"Kapitalismus" und "Imperialismus" wurden zuerst von Rosa Luxemburg ("Die Akkumulation des Kapitals", 1913) analytisch verbunden, andere Theoretiker des Marxismus, die den diesbezüglichen Zusammenhang zu analysieren versuchten, waren Rudolf Hilferding ("Das Finanzkapital", 1910) oder Nikolai Bucharin ("Imperialismus und Weltwirtschaft", 1917). Am umfassendsten stellte W. I. Lenin das marxistische Verständnis des Imperialismus dar. In der Schrift "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" (1917) definiert Lenin den Monopolkapitalismus, der noch zu Lebzeiten von Karl Marx und Friedrich Engels den Kapitalismus der freien Konkurrenz ablöste, als umfassend neues Stadium des Kapitalismus, als dessen höchstes und daher auch letztes Entwicklungsstadium. Diese Leninsch'sche Imperialismustheorie war in weiterer Folge auch Basis für die so genannte Stamokap-Theorie (staatsmonopolistischer Kapitalismus).

Zeitgenössische Welt-System-Theoretiker wie Immanuel Wallerstein sehen Imperialismus als Teil eines generellen, graduell anwachsenden Kapitalmarktes, der sein Zentrum in den Industriestaaten hat und sich von einer so genannten Peripherie unterscheidet. Er stimmt damit mit J.A. Hobson überein. Wallerstein meint, der Handel wurde das wichtigste Instrument in der Entwicklung von damals semi-peripheren Ländern, wie Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien oder andere, um sog. "Core Countries" zu werden. Wallerstein erkennt ein formales "Empire" als eine ausführende Funktion, als eine notwendige Folge, ähnlich, dem was die Händler und Kaufleute in England und Frankreich im 17  und 18. Jahrhundert antrieb. Die Expansion der industriellen Revolution hat also eine Ära der nationalen Rivalitäten hervorgebracht, das dem Imperialismus der Staaten in Afrika im 19. Jahrhundert vergleichbar ist.

Zitate

Siehe auch

Kommunismus, Libertarismus, Geld, Ware, Markt, Wert, Regulationstheorie, Kulturkapitalismus, Kapital, Das Kapital, Entfremdung, Globalisierung, Manchesterkapitalismus, Marktwirtschaft, Monopolkapitalismus, Walter Benjamin

Literatur

Weblinks


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