KreativitĂ€t Bedeutung, Erklärung und Definition.
KreativitĂ€t (von lat. creatio - Schöpfung) ist die FĂ€higkeit, sinnvolle aber unĂŒbliche Kombinationenen zu finden. Voraussetzung dafĂŒr ist Energie und die FĂ€higkeit, Dinge frei kombinieren zu können. Eine andere, sehr gebrĂ€uchliche Definition lautet: KreativitĂ€t ist die FĂ€higkeit, produktiv gegen Regeln zu denken und zu handeln (also: nicht nur zu kombinieren).Unter KreativitĂ€t kann demnach die schöpferische Ideen entwickelnde Kraft des arbeitenden Menschen verstanden werden. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass dabei etwas völlig neues auf der Grundlage von bisher Unbekanntem geschaffen wird. Neues entsteht vielmehr dadurch, dass bei dem kreativen Prozess vorhandenes Wissen in "ungewöhnlicher" Weise kombiniert wird. Aus diesem Grund wird der Prozess oft als unlogisch empfunden, das Ergebnis jedoch als im höchsten MaĂe logisch wahrgenommen. Dieser Eindruck wird auĂerdem verstĂ€rkt, da beim kreativen Prozess, durch das Denken mit der rechten GehirnhĂ€lfte ein chaotisches Element zugelassen wird. Weil sich das Ergebnis wieder in einem geordneten und logisch (linke GehirnhĂ€lfte) erfassbaren Raum befinden muss, ist es naheliegend, die KreativitĂ€t systemtheoretisch oder besser ökologisch zu betrachten.
Lebewesen setzen insgesamt nur einen geringen Teil ihrer Energie fĂŒr Experimente ein, denn ihre ViabilitĂ€t beruht auf der Nutzung bewĂ€hrter Kombinationen, die allerdings jeweils aus einem kreativen Akt entstanden sind.
Siehe auch: KreativitÀtstechnik, Phasen des kreativen Prozesses, Die vier Phasen des kreativen Prozesses, Anonyme Kreative, Innovation, Kunst
Literatur: Csikszentmihalyi, Mihaly, KreativitÀt. Klett-Cotta, 1997, ISBN 3608917748
KreativitÀt vs. Intelligenz
KreativitĂ€t ist nichts anderes als die Kunst, neue EinfĂ€lle und Ideen zu entwickeln. Sie ist streng zu unterscheiden von dem, was man Intelligenz nennt. WĂ€hrend Intelligenz frĂŒher von Verhaltensforschern allgemein als die FĂ€higkeit bezeichnet wurde, sich wechselnden UmstĂ€nden anzupassen, ist sie heute im Zuge zahlloser Intelligenztests zur FĂ€higkeit verkĂŒmmert, diese Tests zu bestehen. Und dazu kann KreativitĂ€t ausgesprochen schĂ€dlich sein. Dies wurde mir sehr deutlich bewusst, als ich an der UniversitĂ€t einmal ein Seminar ĂŒber Intelligenztests besuchte. Einer dieser Tests bestand darin, in der folgenden Figur das richtige Symbol zu ergĂ€nzen:
X O ïŻ
O ïŻ X
ïŻ X
Offensichtlich besteht die richtige Antwort darin, in das letzte leere KĂ€stchen ein O zu setzen, weil wir dann eine Gleichverteilung der drei Symbole, d.h. jeweils drei X, drei O und drei ïŻ haben. Ich konnte es mir an dieser Stelle nicht verkneifen, unseren Dozenten darauf aufmerksam zu machen, dass es völlig gleichgĂŒltig sei, was in das letzte KĂ€stchen kommt, weil sich immer eine sinnvolle Lösung ergibt. So kann man diese Ăbung z.B. auch folgendermaĂen ausfĂŒllen:
X O ïŻ
O ïŻ X
ïŻ X ïŻ
In diesem Falle haben wir zwei O, drei X und vier ïŻ. Und warum sollte die Kombination 2/3/4 weniger intelligent sein als die Kombination 3/3/3 ? Unser Dozent stand geschlagene fĂŒnf Minuten vor der Tafel und murmelte immer wieder âdas verstehe ich nichtâ. Meine Mitstudenten hatten ihre helle Freude, denn sie verstanden die neue kreative Lösung durchaus. Seitdem weiĂ ich allerdings, und diese Meinung wird auch von etlichen anderen Wissenschaftlern geteilt, dass KreativitĂ€t fĂŒr das Bestehen von Intelligenztests ausgesprochen schĂ€dlich ist. Dabei ist sie fĂŒr den Erhalt unserer Gesellschaft, nicht zuletzt fĂŒr den wissenschaftlichen, wirtschaftlichen oder auch sozialen Fortschritt geradezu unverzichtbar.
Schlagfertigkeit und KreativitÀt
Man erkennt an diesem Beispiel aber auch etwas anderes: Der in diesem Beispiel gezeigte spontane Einfall war zugleich auch nichts anderes als ein schlagfertiger Konter auf Intelligenztests, die mir schon immer ein Dorn im Auge waren. Schlagfertigkeit ist also nichts anderes als eine besonders schnelle und oft spontane Unterform der KreativitĂ€t. Dies wird besonders deutlich, wenn wir uns das populĂ€re 4-Phasen-Schema der KreativitĂ€t des französischen Mathematikers PoincarĂ© anschauen. Darin gliedert sich der kreative Prozess in die PrĂ€parationsphase, in der einem das Problem in das Bewusstsein dringt und das vorhandene Wissen aktiviert. Darauf folgt die Inkubationsphase mit unbewussten Verarbeitungsprozessen, manchmal auch als "schöpferische Pause" bezeichnet. In der anschlieĂenden Illuminationsphase kommt als "Aha-Erlebnis" der erleuchtende Einfall, der in der abschlieĂenden Evaluationsphase bewertet wird.
aus: Dieter Zittlau: Schlagfertig kontern in jeder Situation, DĂŒsseldorf 2002
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