PhĂ€nomenologie (Philosophie) Bedeutung, Erklärung und Definition.
Die PhĂ€nomenologie ist die Lehre von den Erscheinungen im Sinne einer reinen Wesensschau. Sie ist eine Strömung der zeitgenössischen Philosophie, die ihre Wurzeln in der Brentanoschule hat und gröĂtenteils auf den Werken von Edmund Husserl basiert. Die Soziologie profitierte von ihr vor allem in Arbeiten von Alfred SchĂŒtz. Das phĂ€nomenologische Denken hat die Entwicklung des Existenzialismus in Deutschland und Frankreich entscheidend geprĂ€gt und voran getrieben. Es zieht sich durch die wichtigsten Werke von Jean-Paul Sartre, Maurice Merleau-Ponty und Martin Heidegger.
| Table of contents |
|
2 Die "Einklammerung" von Unwesentlichem 3 Weblinks |
Die Philosophen und Psychologen Franz Brentano und Carl Stumpf waren wichtige Lehrer Husserls, und er hat viele zentrale Ideen der PhĂ€nomenologie aus ihren Theorien entnommen. Das vielleicht wichtigste Element welches Husserl von Brentano ĂŒbernahm, ist das Konzept der IntentionalitĂ€t des Bewusstseins.
Mit IntentionalitÀt ist die Tatsache gemeint, dass unser Bewusstsein immer auf etwas gerichtet ist, also ein Bewusstsein "von etwas" ist. Husserl differenziert dies noch
Die IntentionalitÀt des Bewusstseins
Was wir betrachten, ist also nicht der Gegenstand, wie er wirklich ist, sondern der ihm durch die intentionalen Akte des Bewusstseins gegebene Sinn.
Will man aber das Wesen eines Gegenstandes erkennen, so bedarf es einer Ausschaltung dieser "unwesentlichen" Eigenschaften, die ja zudem immer subjektiv sind.
Die PhÀnomenologie ist eine Denkmethode, die von der Frage absieht, ob der Erkenntnisgegenstand auch unabhÀngig vom erkennenden Bewusstsein existiert. Das phÀnomenologische Denken klammert sukzessive jede Vormeinung und Vorentscheidung ein. Ziel ist dabei, "zu den Sachen selbst" vorzudringen. Das auf diese Weise geschaute PhÀnomen zeigt am Ende sein gesamtes reines Wesen oder seine Idee (griech.= eidos)
Das Einklammern der Vormeinungen nannte Husserl "eidetische Reduktion", bzw. "EpochĂ©" (Enthaltung, Innehalten). Dabei sollen zunĂ€chst alle theoretischen Annahmenn (Hypothesen, BeweisfĂŒhrungen, tradiertes Vorwissen ...) ĂŒber den betrachteten Gegenstand ausgeschaltet werden. In einem zweiten Schritt (die transzendentale eidetische Reduktion) wird die Existenz des Gegenstandes insofern auĂer Betracht gelassen, dass sich nur die "Washeit" zeigt, also auf das, was der Gegenstand ist, sein Wesen.
Die sukzessive Einklammerung der (zunĂ€chst) nebensĂ€chlichen Aspekte oder Eigenschaften ist aber keine Leugnung. Sie enthĂ€lt auch kein Werturteil ĂŒber das Eingeklammerte. Es kann anschlieĂend ebenso phĂ€nomenologisch betrachtet werden. Die Einklammerung ist nur nötig fĂŒr die Dauer der Betrachtung eines einzelnen PhĂ€nomens. Dies erst macht den Blick frei fĂŒr eine intuitive Wesensschau. Das PhĂ€nomen zeigt sich nun von selbst in seinem ganzen Wesen.
In diesem Sinne soll die PhĂ€nomenologie dann "erste Wissenschaft" (Prima philosophia) sein, also grundlegend und maĂgebend fĂŒr weitere Entwicklungen. Nach Husserl kann nur eine phĂ€nomenologische Philosophie den Vorbedingungen einer wahrlich strengen Wissenschaft genĂŒgen. Eine naturalistische oder experimentelle Philosophie mĂŒsse nĂ€mlich auf den eingeklammerten Vorurteilen und Existenzannahmen basieren.
Husserls PhĂ€nomenologie ist stark beeinflusst von Brentanos deskriptiver Psychologie, die ebenfalls die psychischen PhĂ€nomene beschreiben sollte, unabhĂ€ngig von den sie erzeugenden physischen Reizen. Husserl geht aber weiter und will nicht die subjektiven psychischen PhĂ€nomene des empirischen Ego untersuchen, sondern die des reinen, transzendentalen Bewusstseins. Eine empirische Epistemologie kann sich nĂ€mlich nicht selbst begrĂŒnden, weil dies zu einem Zirkelschluss fĂŒhren wĂŒrde. Daher sieht Husserl ein, dass nur das Studium der Ideen, so wie es in der phĂ€nomenologischen Methode geschieht, festen Grund fĂŒr eine strenge Wissenschaft und eine "wissenschaftliche Philosophie" liefert. Heidegger wird spĂ€ter hiervon abweichen, wie es deutlich aus seiner Rektoratsrede hervorgeht, in der er die Philosophie als grundsĂ€tzlich unwissenschaftlich betrachtet und die Ontologie als grundlegende Disziplin wĂ€hlen wird.
Aus der Perspektive des transzendentalen Bewusstseins wird das Sein nur noch als Korrelat des Bewusst-Seins angesehen, ohne also Annahmen oder Urteile ĂŒber das tatsĂ€chliche Sein oder Nicht-Sein der Bewusstseinsinhalte. Diese Methode nĂ€hert sich den Gedankenexperimenten von Descartes und Hobbes ĂŒber die so genannte "Weltvernichtung" (d.h. was bleibt erhalten, wenn es die physische Welt nicht mehr gĂ€be?). Hiermit ergibt sich aber auch sofort eines der gröĂten Probleme der PhĂ€nomenologie. Husserl hatte nĂ€mlich einen Unterschied angebracht zwischen Bewusstseins-Akt (Noesis) und Bewusstseins-Inhalt (Noema). Nun ist dies eigentlich eine Einteilung in was das Bewusstsein ist und was es bedeutet (das Bewusstsein ist ja schlieĂlich nach Brentano immer intentional). Wie kann man aber sagen, dass die Inhalte des Bewusstseins noch Bedeutung haben, wenn wir jegliche Existenz ausgeklammert haben? Husserl wollte die Existenz ausklammern, da die Objekte das Bewusstsein transzendieren: wenn es sie gibt, so gibt es sie auĂerhalb des Bewusstseins selber. Daher, um die reinen Ideen gewinnen zu können, muss ihre Existenz ausgeklammert werden. Die PhĂ€nomenologie muss verantworten können, wann und wie es möglich sei, dass das Bewusstsein sich auf etwas Bewusstsein-transzendentes bezieht. Husserls ErklĂ€rung wird lauten, dass der Inhalt sehr wohl Bewusstsein-transzendent ist, aber dass das Intendieren selber Bewusstsein-immanent sein muss. Also wird etwas immer immanent intendiert, wĂ€hrend es als Bewusstsein-transzendent intendiert wird (weil es, wenn es existieren wĂŒrde, auĂerhalb des Bewusstseins sein wĂŒrde).
Was liefert nun diese Methode? Durch freie Variation in der Fantasie kann ich mir unterschiedliche aber sich gleichende Sachen vorstellen. Jede dieser Sachen wird nur von dem logisch Möglichen begrenzt, nicht von Existenz-Möglichkeit. In dieser freien Variation kann ich dann Konstanten entdecken, wo sich die unterschiedlichen Varianten sozusagen "decken", z.B. Scharlach und Bordeaux sind unterschiedlich, aber doch beide Rot. Es ist diese Deckung, diese IdentitĂ€t in der eidetischen Variation, welche die Allgemeinheit ergibt, die Husserl Idee nennt. Das Husserlsche eidos ist eine platonische Idee, aber ohne seine Metaphysik. Es ist das Wesen, eine Allgemeinheit, die anschaulich, intuitiv gegeben ist. Wichtig dabei ist der Unterschied zwischen empirische Generalisation und diese Ideation: empirische Anschauung ist immer begrenzt, wĂ€hrend reine eidetische Variation unendlich ist, da sie nicht nur das aktuell Existierende schaut, sondern alle logischen Möglichkeiten in Anspruch nimmt. Wenn nach Husserl die Philosophie strenge Wissenschaft sein soll, so benötigt sie diese UniversalitĂ€t und die durch ihr gegebene Möglichkeit einer letzten BegrĂŒndung, welche die PhĂ€nomenologie liefert.
Der Sinn und die Notwendigkeit dieser Denkmethode wird auch im Alltag deutlich. Kein Gegenstand und erst recht kein Lebewesen ist "einfach" in seiner Ă€uĂeren Erscheinung. Die KomplexitĂ€t eines jeden " Dings" und unser Unvermögen, alle Aspekte eines betrachteten Gegenstandes gleichzeitig zu erfassen, erfordern ein konsequentes und strukturiertes Vorgehen, will man dem Wesen des Betrachteten gerecht werden.
Damit ist es nicht nur möglich, Vorurteile (Projektionen) und unhinterfragte Meinungen effektiv auszuschalten. Ebenso gelingt dem Betrachter eine bessere SelbsteinschÀtzung. So sieht etwa ein Àngstlicher Mensch die Kraft eines Feindes doppelt.Die "Einklammerung" von Unwesentlichem
