Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Philosophia perennis

Philosophia perennis Bedeutung, Erklärung und Definition.

Die philosophia perennis (lat. immerwährende Philosophie) bezeichnet eine vom Mystizismus beeinflusste philosphische Denkweise, die die Beziehung zwischen dem Menschen, der Natur und der "Wirklichkeit" beschreibt. Sie behandelt die eigene Erfahrung der Wahrheit in der Welt als Numinosum, somit die Erfahrung des Wesentlichen, das überall und zu allen Zeiten gleich gewesen sei und weiterhin gleich sein werde. Somit gehe es hier um Dinge, die von Verstand und Logik nicht direkt erreichbar seien.

Diese immerwährende Wahrheit beruhe auf einer Daseins-Erfahrung, die von den großen spirituellen Lehrern, Religionsgründern, Mystikern, Philosophen und manchen Wissenschaftlern wahrgenommen wurde. Sie wird "immerwährend", "ewig", "universal" oder "absolut" genannt, weil diese Seins-Erfahrung praktisch in allen Kulturen und Zeiten nachzuweisen sei - mindestens seit den hinduistischen Veden und Upanishaden. Somit geht es der philosophia perennisum die "erste Wirklichkeit", nämlich das was "wirke", und um die "Wahrheit", das was sei - letztlich um etwas Unnennbares, Unbeschreibbares, was in den Worten Antoine de Saint-Exupéry folgendermaßen ausgedrückt werden kann: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Table of contents
1 Geschichte
2 Zur Position bei Leibniz
3 Zur Verwendung des Begriffs in der Neuscholastik
4 Zum Standpunkt Hegels, Huxleys, Jaspers und Hartmanns
5 Literatur
6 Siehe auch
7 Weblinks

Geschichte

Der Begriff selbst taucht erstmalig bei Augustinus Steuchus auf, dem Bischof vom Kissamos auf Kreta, einem bedeutenden Exegeten und Textkritiker des 16. Jahrhunderts, als dessen bedeutendstes Werk "De perenni philosophia libri X" (Lyon, 1540) gilt. In der Tradition der Neuplatoniker Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola wird dabei laut [1] die These vertreten, dass sich Gott den Heiden schon vor Christi Geburt über besondere Propheten wie Hermes Trismegistos, Zoroaster, Pythagoras, Orpheus, Aglaophemus und den Sybillen offenbart habe, so dass zwischen verschiedenen religiösen Ausdrucksformen des Heidentums und dem Christentum kein prinzipieller Unterschied bestehe.

Im christlichen Kontext bedeutet dies also, dass die göttliche Offenbarung in der biblischen Geschichte zwar ihre konkrete und vollkommenste Entfaltung erfahren, aber an sich auch ohne die biblische Offenbarung Geltung habe. Unabhängig vom jeweiligen geschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang wäre es somit möglich, Aussagen über Gott, den Menschen und die Natur herauszuarbeiten (siehe [1]). Ob es sich bei der philosophia perennis um den Ausdruck esoterischen Gedankenguts, einer philosophischen oder letztlich zutiefst mystischen Sichtweise handelt, lässt sich manchmal wohl erst anhand des Nachdrucks entscheiden, mit dem deren Thesen vertreten werden.

Zur Position bei Leibniz

Den Begriff philosophia perennis verwendete Leibniz, um die Kontinuität und den fortschreitenden Charakter der philosophischen Erkenntnis zu betonen:

"Die Wahrheit ist weiter verbreitet, als man gemeinhin annimmt, doch tritt sie uns sehr  
häufig geschminkt entgegen oder stellt sich uns vermimmut, ja geschwächt, vertümmelt  
und durch fremde Zutaten,  die ihren Wert und Nutzen verringern, verderbt dar. Wenn 
man die Spuren der Wahrheit bei den Alten, oder um allgemeiner zu reden, bei den Vor-
gängern kenntlich machte, so würde man Gold aus dem Kot, den Diamanten aus der Mine 
und das Licht aus der Finsternis ziehen, und es wäre in der Tat ''perennis quaedam philo-
sophia''. Alsdann würde auch ein bestimmter Fortschritt unserer Erkenntnis deutlich sicht-
bar werden."(in: Brief an  Remond, 26. August 1714).

Zur Verwendung des Begriffs in der Neuscholastik

Seit der Restauration der mittelalterlichen Scholastik wurde der Begriff vor allem von den Vertretern der Neuscholastik verwandt, die ihre Philosophie nachdrücklich in der Tradition der philosophia perennis stehend betrachteten. Dabei bedeutete der Begriff ein Zweifaches:

  • 1. die Ablehnung von Relativismus und Skeptizismus in der Betrachtung der Geschichte der Philosophie. Nach der Auffassung der Neuscholastiker ist die Geschichte der Philosophie nicht bloß die zufällige, sinnlose Abfolge einander negierender Systeme, sondern die Geschichte einer Wissenschaft, die sich in ähnlicher Weise entwickelt wie die anderen Wissenschaften auch:
"Die Philosophie ist als Wissenschaft dann perennis, wenn sie imstande ist, allgemeingül- tige Erkenntnisse, zeitlose Wahrheiten über die philosophischen Gegenstände zu erringen, wenn sie einen gesicherten, innerlich zusammenhängenden Wissensbestand aufweisen kann, der nicht immer neu ansetzt, bei dem sich vielmehr auf gesichertem Fundament in or- nsichem Wachstum, in kontinuierlicher Weiterentwicklung Baustein an Baustein fügt"(in: Hans Meyer, Das Wesen der Philosophie, 1936)

  • 2. diese Auffassung wird jedoch dadurch entwertet bzw. aufgehoben, dass die philosophia perennes einen bleibenden, der ganzen abendländischen Philosophie gemeinsamen Grundbestand philosophischer Probleme und Problemlösungen bezeichnet, der sich, genauer betrachtet, darstellt als die idealistische Philosophie der Scholastiker und der mit ihr zu vereinbarenden Lehren in der Geschichte der Philosophie vor und nach der mittelalterlichen Scholastik(als realistische Erkenntnistheorie, teleologische Weltbetrachtung, Wertabsolutismus und theistische Metaphysik), während Materialismus, Atheismus und Pantheismus ausdrücklich aus der philosophia perennis ausgeschlossen werden.

Daraus ist ersichtlich, dass es der Neuscholastik mit dieser Auffassung nicht gelingt, das sich hinter dem Namen der philosophia perennis verbergende Problem des Verhältnisses von Absolutem und Relativem in der Geschichte der Philosophie (als System und Geschichte der Philosophie) zu lösen. Die Vertreter der Neuscholastik wenden sich zwar zu Recht gegen den Relativismus und Skeptizismus, verfallen aber in das andere Extrem des Dogmatismus, indem sie eine bestimmte, historisch bedingte Philosophie faktisch als absolut setzen und dadurch einen echten wissenschaftlichen Fortschritt unmöglich werden lassen.

Zum Standpunkt Hegels, Huxleys, Jaspers und Hartmanns

Das Problem von Bleibendem und Vergänglichem in der Philosophie berührt die Frage nach dem Wesen der Philosophie überhaupt. Aus diesem Grunde gibt es bei der Vielfalt der Auffassungen vom Wesen der Philosophie noch verschiedene andere Auffassungen zum vorliegenden Problem bzw. andere Deutungen, die man als philosophie perennis bezeichnet oder bezeichnen kann. Bedeutungsvoll ist der Standpunkt Hegels, der die Einheit von Historischem und Logischem lehrte und den rationellen Kern der jeweiligen philosophischen Ansichten und Schulen in seiner Philosophie als aufgehoben und in der Systematik wiederkehrend betrachtete. Weierhin bedeutend ist die Auffassung von Aldous Huxley: philosophie perennis als konvergierende religiöse Weisheit alle Kulturen (in: The perennial Philosophy, 1945).

Bei Karl Jaspers besteht die Auffassung, dass die Philosophie sich als Gespräch versteht der wenigen großen Philosophen über die Zeiten, ohne dass die einzelnen Philosophien dabei in eine Entwicklungsreihe gestellt werden könnten. Eine ernster zu nehmende Auffassung vertritt Nicolai Hartmann, der vom kurzlebigen, nicht fruchtbaren "Systemdenken" das kontinuierlich fortschreitende, zu konkreten wissenschaftlichen Lösungen führende "Problemdenken" unterscheidet (in: Der philosophische Gedanke und seine Geschichte, 1936).

Literatur

  • Aldous Huxley: Die ewige Philosophie, Serie Piper 1987
  • Wilhelm Schmidt-Biggemann, Philosophia perennis, Suhrkamp 1998
  • Zundel/Loomans, Hrsg.: Psychologie und religiöse Erfahrung, Herder 1994

Siehe auch

Metaphysik - Naturrecht - Ökosophie - Theosophie

Weblinks


Diese Seite ist ein Artikel über Philosophia perennis. Seite Versuche, zum von von Beschreibung über bereitzustellen Philosophia perennis. Sie konnten Tatsachen über auch finden Philosophia perennis. Erklärung von Philosophia perennis.

Suche Alle