Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Polysynthetischer Sprachbau

Polysynthetischer Sprachbau Bedeutung, Erklärung und Definition.

Ein polysynthetischer Sprachbau, auch inkorporierender oder einverleibender Sprachbau genannt, ist in der Sprachtypologie von Wilhelm von Humboldt und Schlegel das zentrale Merkmal sogenannter polysynthetischer Sprachen.

Table of contents
1 Definition
2 Etymologie
3 Französisch
4 Deutsch
5 Andere Sprachen

Definition

In polysynthetischen Sprachen wird ein Satz oder Satzteil gebildet, indem in das zentrale Wort (z.B. das Verb) alle oder viele andere Wörter hineingesteckt (=inkorporiert) werden. Dabei kann es vorkommen, dass das Wort regelrecht in der Hälfte geteilt wird, so dass die zwei Hälften die anderen Wörter umschließen.

Mehrere lexikalische und grammatische Elemente werden also zu einem komplexen Wort kombiniert, das im Extremfall einem ganzen Satz entsprechen kann. Eine polysynthetische Sprache führt das Konzept des synthetische Sprachen auf eine ausgeprägtere Stufe weiter. Häufig werden Nomen und Verb in ein gemeinsames Wort verschmolzen.

Etymologie

Der Begriff 'polysynthetisch' wurde 1836 von Humboldt geprägt. Die Ausdrück synthetisch and polysynthetisch in diesem Sinne wurden erstmals von Edward Sapir 1920 verwendet.

Französisch

So zeigt Französischen nach der Meinung einiger Sprachforscher mit seiner starken Verschmelzung der einzelnen Wörter polysynthetische Tendenzen, vor allem in der gesprochenen Form. Eine Phrase wie « je ne le sais pas » (dt: ich weiss es nicht, wörtlich: ich nicht es weiss nicht) wird wie ein einziges Wort gebraucht, auch wenn die einzelnen Komponenten in der geschriebenen Sprache getrennt geschrieben werden. Hier wird angenommen, dass je sais (dt: ich weiss) eine einzige Form, nämlich die des konjugierten Verbs 1. Person Singular darstellt, und „je“ kein eigenes Pronomen ist (das wäre nämlich „moi“). In dieser Sichtweise würde das Verb gespalten (in „je“ und „sais“), die Partikel „ne“ und „le“ in das Verb hineingequetscht und das „pas“ am Schluss angeklebt.

Auf diese Weise würden diese Partikel zu bloßen Flexionsmorphemen. Demnach könnte man Französisch als die polysynthetisschste aller Indoeuropäischen Sprachen bezeichnen.

Deutsch

Auch das Deutsche hat polysynthetische Züge, so die Verbtrennung. Im Satz „ich habe heute noch nichts vor“ ist das Hauptverb vorhaben in zwei Hälften zerfallen, die „heute noch nichts“ inkorporieren.

Andere Sprachen

Insbesondere bei den Indianersprachen wie Nahuatl, Irokesisch oder Inuktitut lässt sich dieser Sprachbau sehr deutlich erkennen. Ein einzelnes Wort in jenen Sprachen kann in den meisten anderen Sprachen häufig als vollständiger Satz übersetzt werden. Ein Mohawkwort, welches oftmals als Beispiel herhalten muss, ist Washakotya'tawitsherahetkvhta'se. Übersetzt: „Er hat ihr das Ding, das man sich auf seinen Körper legt, schmutzig gemacht“, d.h. „Er hat ihr Kleid ruiniert“.

Die Bedeutung der einzelnen Segmente des „Wortsatzes“ hängt auch von deren jeweiliger Position ab, sodass die Wortstellung ziemlich starr ist.

Zu den polysynthetischen Sprachen werden unter anderem Grönländisch, viele sibirische Sprachen und verschiedene Indianersprachen gezählt. Die Sprache der Diné wurde durch ihren Gebrauch während des 2. Weltkrieges als Geheimcode bekannt. Im geringen Maße kann man auch Baskisch und die Bantusprachen dazuzählen.

Auch hier gibt es wieder verschiedene Arten, die Morpheme zu verbinden. Bei der Agglutination werden die Morpheme ohne gegenseitige Veränderung einzeln aneinander geklebt, während sie bei fusionalem Aufbau miteinander verschmolzen werden.


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