Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Religionskritik

Religionskritik Bedeutung, Erklärung und Definition.

Die Religionskritik bezweifelt die Grunddogmen der Religionen.

Kritikpunkte an Religionen kann man in philosophische, naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche unterteilen:

Table of contents
1 Philosophische Kritikpunkte
2 Naturwissenschaftlische Kritikpunkte
3 Gesellschaftswissenschaftliche Kritikpunkte
4 Noch nicht klassifizierte Kritikpunkte
5 Philosophische Kritik an der Religion
6 Kritik an der Religionskritik
7 Literatur
8 Weiterführende Angaben

Philosophische Kritikpunkte

Naturwissenschaftlische Kritikpunkte

Die Lehren vieler Religionen widersprechen den aktuellen Theorien der Naturwissenschaften:

  • Schöpfungsgeschichten lassen sich nicht mit der Theorie vom Urknall in Einklang bringen.
  • Ein zyklischer Zeitablauf, wie er in manchen Asiatischen Religionen angenommen wird, findet sich nicht in der geschichtlichen Entwicklung der Welt.
  • Lebewesen werden in manchen Religionen als von einem Schöpfer geschaffen angesehen. Dagegen zeigt die Evolutionstheorie eine graduelle Entwicklung.
  • Wunder erfordern, dass die Naturgesetze beliebig ein- und ausgeschaltet werden könnten. Bisher konnten solche Erscheinungen nicht objektiv nachgewiesen werden. ("Es geht alles mit rechten Dingen zu!")

Gesellschaftswissenschaftliche Kritikpunkte

Religionen werden unter diesen Kritikpunkten als Methoden angesehen, die Menschen zu kontrollieren. Das bekannte Zitat von Karl Marx

"...die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."
drückt diese Ansicht aus.

Daneben wird an Religionen kritisiert, dass ihre Lehren ein Abbild menschlicher Ideen seien und keine äußeren Einwirkungen zu ihrer Erklärung benötigen. Hierunter fallen alle Religionen, deren Gott oder Götter anthropomorphe (menschenähnliche) Züge haben. Die Götter der griechischen Mythologie bieten hierzu ein offensichtliches Beispiel, aber auch heute noch aktuelle Religionen wie das Judentum oder Christentum haben ein Gottesbild mit menschlichen Eigenschaften.

Neben dem Gottesbild wird auch das Menschenbild vieler Religionen als klischeehaft kritisiert. Menschen werden als prinzipiell "gut", "perfekt" oder "heilig" angesehen, oder als "schlecht" oder "sündig". Beobachtungen zeigen dagegen, dass Abstammung und Erziehung einen großen Einfluss haben.

Noch nicht klassifizierte Kritikpunkte

Philosophische Kritik an der Religion

Philosophisch kann man die Glaubensaussagen einer Religion als Antworten auf metaphysische Fragen sehen (siehe auch Natürliche Theologie). Philosophische Schulen und Weltanschauungen, die die Metaphysik aus ihren Lehrsystemen ausklammern üben Kritik an einer religiösen Deutung der Wirklichkeit.

Vom Atheismus und den Brights wird die Religion als zu überwindende oder in jedem Fall unglaubwürdige Ideologie abgelehnt, da sie in vielen Punkten dem naturwissenschaftlichen Weltbild widerspricht. Die Hauptkritikpunkte sind dabei der Glaube an ein rein-geistiges, höheres Wesen, der Glaube an das Leben nach dem Tode, der Glaube an Wunder, der Glaube an die Vorbestimmung der Welt.

Die gegen eine Metaphysik angeführten Argumente unterliegen aber nach Ansicht einiger denselben Beweisschwierigkeiten wie die Argumente für sie. So sei auch der entschiedene Nicht-Glaube an Gott letztlich eine (negative) Glaubensüberzeugung. Manche hängen daher dem Agnostizismus an, welcher die Existenz Gottes für weder beweisbar noch für widerlegbar betrachtet. Dies entspricht der philosophischen Auffassung, dass es sinnlos sei, sich mit Fragen zu beschäftigen, die jenseits des menschlichen Erkenntnisvermögens liegen (siehe Immanuel Kant).

Moderne liberale, zum Teil synkretische und pagane Strömungen gestehen jedem Menschen eine individuelle Form der Religion zu. Diese Ansicht steht im Widerspruch zu den monotheistischen Religionen, die mit dem Glauben an einen universellen Gott oft auch einen Absolutheitsanspruch ihrer Lehre verbinden. Die heutige Vielfalt monotheistischer Religionen ist unter anderem Resulat der gegenseitigen Aberkennung der wahren Lehre und der anschließenden Spaltung der Glaubenden.

Neue Fortschritte in kognitiver Psychologie und Neuropsychologie legen nahe, dass Religion ihren Ausgangspunkt in der Funktionsweise des Gehirns selbst hat. Pascal Boyers Buch Religion Explained versucht, Religion durch kognitive Psychologie zu erklären. Wissenschaft auf diesem Gebiet wird auch mit dem Begriff Neurotheologie bezeichnet.

Kritik an der Religionskritik

Dieses scheinbare Wortspiel macht dann Sinn, wenn Menschen die Religionskritik annehmen und sich trotzdem als religiöse Menschen beschreiben. Dabei betrachten sie die Religionskritk nicht als Höhepunkt oder Endpunkt der Geschichte. (Wie sie geschichtlich teilweise als 'fast überwunden' betrachtet wurde oder wird.)

Auch hier gibt es eine enorme Spannweite an sehr verschiedenen Meinungen. Beispielsweise sei hier die These herausgepickt, dass Gott eine Projektion sei (bei Feuerbach,Karl Marx). Dies hat vor allem bei Marx eine negative Bewertung und wird auch heute noch von vielen als ein Beweggrund für negative Religionskritik gesehen. Feuerbach kann man dies nicht so zuschreiben: Er beschreibt die Idee aus einem neutralen Blickwinkel. - Und es könnte genausogut positiv gemeint sein - und nicht das 'Ende der Religion'.

Religion ist ein derart komplexes Thema, dass ein Wust von Definitionsmöglichkeiten besteht. Wo die Schwerpunkte in der Interpretation liegen (Ethik, Tradition, Gemeinschaft, Kult etc.), bleibt letztendlich dem Einzelnen überlassen. Und so kann man auch viele unliebsame Punkte an 'der Religion' finden. Doch auch andere. (Ein weiterer Kritikpunkt)

In wenigen wissenschaftlichen, psychologischen Studien wurde erwiesen, dass der Glaube an 'Etwas': einen Sinn im Leben, einen Gott oder ähnliches - einen wesentlichen Beitrag zur seelischen Gesundheit des Menschen erzeugt. Des weiteren bleiben gewisse ethische Probleme auch bestehen, wenn man sie losgelöst von Kirche oder einem hergebrachtem Glauben betrachtet.

Diese Art der 'Kritik an der Religionskritik' kann oder will nicht Kritikpunkte am 'Phänomen' Religion wegreden, sondern versucht an dieser Stelle weiterzudenken und positive Elemente weiterzuentwickeln. (siehe hierzu u.a. Die Stufen des Glaubens nach James W. Fowler)

Literatur

Joachim Wehler, "Grundriss eines rationalen Weltbildes" (Reclam Verlag UB 8680).
Kurz und präzise werden die wesentlichen Konfliktpunkte eines vernünftigen Weltbildes mit dem Gottesglauben dargestellt. Aus dem Inhalt: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Sicheres Wissen gibt es nicht, aber es wird auch nicht gebraucht. Sternstunden der Wissenschaft. Geburt, Leben und Tod: Alles ist geworden und vergeht. Religion sucht nicht Erkenntnis, sie schenkt Geborgenheit. Ethik: Was soll ich tun, was muss ich lassen ?

M.S.Salomon, "Stollbergs Inferno" (Roman, Alibri Verlag, Aschaffenburg 2003)
Eine religionskritische, philosophische Satire über die Hölle, die Revolte und das Absurde. Als kritisches Update zu Dantes Göttlicher Komödie gibt der Roman einen rasanten Überblick über 500 Jahre Kulturgeschichte.

Ludwig Feuerbach, "Das Wesen der Religion" (Verlag Lambert Schneider, Heidelberg)
Ein grundlegendes Buch des Atheismus
Ludwig Feuerbach, "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde"
Aus heutiger Sicht etwas polemisch. (siehe auch "Das Wesen des Christentums" (Reclam UB 4571))

Sigmund Freud "Die Zukunft einer Illusion" in "Massenpsychologie und Ich-Analyse" (Fischer Taschenbücher: Frankfurt Bd. 10452)
Eine kurze Abhandlung über den Gottesglauben aus psychologischer Sicht. Ein grundlegendes Buch des Atheismus

Bertrand Russell, "Warum ich kein Christ bin ich" (rororo Sachbuch 6685, München 1963)
Eine Aufsatz- und Vortragssammlung über den Atheismus.

Tilman Moser, "Gottesvergiftung" (Suhrkamp Taschenbuch 533)
Ein persönlicher Erfahrungsbericht über den großen Bruder Gott

Franz Buggle "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" ISBN 3-932710-77-0
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gott der Bibel: Dieser sei oft willkürlich, intolerant, grausam, blutdürstig, rachsüchtig und damit abzulehnen.
Karlheinz Deschner "Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte von den Anfängen bis zu Pius XII" (3.Aufl Reinbeck 1972 oder Moewig TB Nr 3266)
Karlheinz Deschner "Kirche des Unheils. Argumente, um Konsequenzen zu ziehen" (München 1974)
Karlheinz Deschner Kriminalgeschichte des Christentums

Karl-Heinz Weger, "Religionskritik"
Enthält viele Orignaltextstellen aus grundlegenden Werken des Atheismus. Öfter etwas zusammenhangslos angeführt.

Horst Herrmann, "Die Kirche und unser Geld"
Das Buch zeigt auf, dass auch die Leute, die aus der Kirche ausgetreten sind, in vielfältiger Weise die Kirchen noch weiter finanzieren.

Gerd Lüdemann, Der große Betrug. Und was Jesus wirklich sagte und tat, Lüneburg 1998, ISBN 3924245703

Friedrich Nietzsche, "Der Antichrist"

John Leslie Mackie, "Das Wunder des Theismus" Argumente für und gegen die Existenz Gottes
Norbert Rohde, "Abschied von der Bibel - Vom alten Glauben zum neuen Wissen" ISBN 3-8334-1577-0 (ab Mitte November 2004).

Weiterführende Angaben

Siehe auch

Kirchenkritik, Bibelkritik, Laizismus, Atheismus, Agnostizismus, Theismus, Gott, Glaube, Dogmatik, Religion, Natur

Weblinks

"Wissen statt Glauben!" Internetseite der Giordano Bruno Stiftung Internetseite des evolutionären Humanisten und Religionskritikers M.S.Salomon (Dr. Michael Schmidt-Salomon) Seiten zum Thema Religionskritik Woran glauben eigentlich Atheisten? Karlheinz Deschner Mindmap zur klassischen Religionskritik


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