René Descartes Bedeutung, Erklärung und Definition.
René Descartes, latinisiert Renatus Cartesius, (* 31. März 1596 in La Haye, Frankreich; †11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden) war ein Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.
Descartes wird als "Vater der neueren Philosophie" bezeichnet, denn er begründete den von der Vernunft überzeugten modernen Rationalismus. Die Richtung des Denkens, die Descartes beeinflusste, wird auch Cartesianismus genannt.
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2 Philosophie 3 Wirkungsgeschichte 4 Zitate 5 Hier irrte Descartes 6 Siehe auch 7 Werke 8 Literatur über Descartes 9 Links |
Lebenslauf
Er genießt seine Schulausbildung bei den Jesuiten von La Flèche, durch die er mit der Philosophie der Scholastik und der Denkweise des Humanismus in Berührung kommt. Nach dem Abschluss der Schule studiert er Recht an der Universität von Poitiers.
Von 1618 an nimmt er an Feldzügen des Moritz von Nassau und später Maximilians von Bayern teil. Während dieser Zeit widmet er sich vorwiegend mathematischen Studien.
Er macht einige Reisen durch Europa und lässt sich 1625 in Paris nieder, wo er wissenschaftlich arbeitet und in regem Kontakt zu dem Kreis von Intellektuellen um seinen alten Schulfreund Marin Mersenne steht. Bereits drei Jahre später geht er hauptsächlich wegen des dort herrschenden liberalen Klimas in die Niederlande. 1649 lädt ihn Königin Christine von Schweden nach Stockholm ein, wo er kurze Zeit später stirbt.
Philosophie
Methode
Die Methode des philosophischen Denkens wird in den „Abhandlungen über die Methode“ - „Discours de la méthode“ – angekündigt. Das Werk wurde 1637 anonym in Leiden herausgegeben. In einer späteren, posthum veröffentlichten, unvollendeten Abhandlung stellt Descartes vier Regeln auf, nach denen man vorgehen müsse, um zum wahren Wissen zu gelangen:
- Nichts für wahr halten, was nicht so klar und deutlich erkannt worden ist, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann.
- Schwierige Probleme in Teilschritten erledigen
- Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten
- Stets prüfen, ob in der Untersuchung Vollständigkeit erreicht sei
Erkenntnistheorie
Die neue Erkenntnistheorie wird in den Meditationen (Meditationes de prima philosophia, 1641) vorgestellt. Insgesamt sind 6 Meditationen vorhanden.Entsprechend Descartes’ Methode des philosophischen Denkens handelt der erste Abschnitt über „das, woran man zweifeln kann“. Die gängige Annahme, dass wissenschaftliche Erkenntnis aus der sinnlichen Wahrnehmung und dem Denken entspringe, muss hinterfragt werden. Keiner der beiden Quellen darf ungeprüft Vertrauen geschenkt werden. Unsere Sinne haben uns schon oft getäuscht, beispielsweise durch optische Täuschungen oder durch Wahrnehmungen im Traum. Aber auch dem Denken darf nicht ungeprüft vertraut werden, denn ein böser Dämon könnte so auf mich einwirken, dass ich in meinem Denken zu falschen Schlüssen käme. So ist es zunächst notwendig, an allem zu zweifeln.
2. Meditation: Wenn ich aber zweifle oder getäuscht werde, so kann ich nicht daran zweifeln, dass ich zweifle bzw. dass ich es bin, der getäuscht wird, d.h. ich denke, ich bin bewusst. Der erste unbezweifelbare Satz heißt also: „Ich bin, ich existiere“. Er ist, so Descartes, „notwendig wahr, sooft ich ihn ausspreche oder denke“. Descartes analysiert dieses Ich weiter, und bestimmtes es als ein urteilendes, denkendes Ding: als res cogitans.
Aurelius Augustinus (354-430) hat die Gedankenführung des cogito ergo sum bereits formuliert: si enim fallor, sum. nam qui non est, utique nec falli potest („Selbst wenn ich mich täusche, bin ich. Denn wer nicht ist, kann sich jedenfalls auch nicht täuschen.“ Vom Gottesstaat 11,26).
Zur Gewinnung weiterer Erkenntnisse geht Descartes davon aus, dass alles wahr ist, was klar und deutlich erkannt werden kann. Dazu muss aber bewiesen werden, dass es keinen betrügenden Gott gibt, der täuscht. Darauf wendet Descartes folgende Argumentation an:
- Die Idee Gottes als vollkommenes Wesen impliziert die Existenz Gottes, denn wäre Gott nicht existent wäre er nicht vollkommen. (Hier folgt Descartes dem anselmschen Gottesbeweis)
- Eine Ursache kann nicht weniger vollkommen sein als ihre Wirkung. Da meine Vorstellung von Gott weit vollkommener ist als meine eigene Vollkommenheit und Realität, kann ich daraus schließen, dass Gott existiert.
Anti-Aristotelismus
Das teleologische Weltbild des Aristoteles wird ersetzt durch ein kausalistisches ersetzt, in dem sich innerhalb der Objektwelt (der Welt der res extensa also) alles notwendig durch Druck und Stoß ergibt. Diese Gedankenbewegung ist von fundamentaler Wichtigkeit für die modernen Erfahrungswissenschaften.Die aristotelische Hervorhebung des Organischen negiert Descartes. Selbst der menschliche Körper wird einmal als bloße „Gliedermaschine“, dann wieder als „Leichnam“ beschrieben. Auch diese nüchterne Betrachtung hat eine Fortsetzung in den heutigen Vergleichen von Computern mit Menschen.
Kurioserweise erklärt er indirekt in der zweiten Meditation – ganz aristotelisch – die Seele als das, was den Unterschied zwischen einem Leichnam und einem lebenden Menschen ausmacht.
Descartes hat Aristoteles selbst allerdings kaum rezipiert, sehr wohl aber die Schriften der Scholastik, die sich auf Aristoteles beruft.
Dualismus
Für Descartes teilt sich Seiendes in res extensae und res cogitantes: in eine Objekt- und eine Gedankenwelt, in Leib und Seele, Körper und Geist. Er betont dabei, dass unter Seele nicht ein quasi Körperliches („ein feines Etwas, nach Art eines Windes, Feuers oder Äthers“, vgl. Kants „Seelending“) zu verstehen sei, also eben nicht die vulgärreligiöse Vorstellung eines herumschwirrenden Geistes.
Eine res extensa ist ein physischer Körper, hat somit Ausdehnung, ist teilbar, dekomponierbar, zerstörbar, unterliegt den Regeln der Kausalität. Die res cogitans dagegen ist ausdehnungslos, unteilbar, unsterblich und verfügt über ein von ihm untrennbares und – auch im massivsten Zweifel – nicht aufkündbares Denken.
Dieser Dualismus führt allerdings zu einem zentralen Problem, nämlich zur Frage nach der Verbindung zwischen diesen radikal unterschiedlichen Seiten. Descartes sieht diesen Übergang in einer von Gott gefügten Verbindung über die Zirbeldrüse.
Wirkungsgeschichte
Die Philosophie Descartes' hat die nachfolgende Zeit bis in unsere Gegenwart stark beeinflusst, vorwiegend dadurch, dass in ihr Klarheit und Differenziertheit des Denkens zur Maxime erhoben wird. Auch die Geisteshaltung des Szientismus geht zum Teil auf Descartes zurück.
- G.W.F. Hegel:
- Friedrich Nietzsche:
- Martin Heidegger
- Bertrand Russell:
- Blaise Pascal:
- Charles Sanders Peirce:
- Ludwig Wittgenstein:
In der Physik gehen der erste Erhaltungssatz und das Brechungsgesetz auf ihn zurück. In der Mathematik beschäftigte er sich mit analytischer Geometrie (siehe dazu: kartesische Koordinaten) und Gleichungen.
Zitate
Ich denke, also bin ich (lat. cogito ergo sum). Im französischen Original: Je pense, donc je suis.
Das vollständige Zitat lautet:
"Ich zweifle, also bin ich, oder was dasselbe ist, ich denke, also bin ich"
(dubito, ergo sum vel quod idem est, cogito, ergo sum).Hier irrte Descartes
Siehe auch
Leib-Seele-Problem, Gottesbeweis, Skeptizismus, Szientismus, Franciscus Vieta, logistica speciosa, Genius malignus
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Literatur über Descartes
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