Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Riddim

Riddim Bedeutung, Erklärung und Definition.

Unter Riddim (von englisch Rhythm) wird in der Sprache der Reggae- und Ragga-Musiker ein Rhythmusmuster verstanden. Musikalisch entspricht der Begriff in etwa dem Beat im Hip-Hop und dem Groove im Funk, die Bedeutung innerhalb der Genre Reggae und Ragga ist jedoch zentraler.

Table of contents
1 Charakteristika
2 Reggae Riddims
3 Ragga Riddims
4 Wichtige Riddims
5 Weblinks

Charakteristika

Ein Riddim wird im Wesentlichen durch einen kurzen Basslauf über 1-4 Takte definiert. Bei Reggae Riddims gehört meist noch eine charakteristische kurze Melodie, oft von Bläsern gespielt, dazu. Im Ragga ist der Bass meist so einfach, dass das Charakteristikum eher das Pattern des Drumcomputers kombiniert mit speziellen Soundgimmicks ist. Die Basis eines typischen Ragga-Riddims ist die synkopierte Bassdrum, die ihn von einem Offbeat-Reggae-Riddim unterscheidet:

Cymbal   . . . . . . x .
Snare    . . . . . . o .
Bassdrum o . . o . . . .

Reggae Riddims

Im Reggae gibt es von jedem Riddim ein Original, alle weiteren Aufnahmen sind Versions, und zwar vokale, instrumentale oder reine Dub Versions. Die meisten Singles aus Jamaika enthalten auf der B-Seite eine Dub Version, d.h. die Instrumentalspur der A-Seite, die mit Echoeffekten, Ein- und Ausblenden von Instrumenten sowie kurzen Einblendung von einzelnen prägnanten Gesangszeilen angereichert wird. So gibt es zu jedem Tune mindestens eine Version, die Dub Version. DJs (im Reggae-Sinn) nutzen die B-Seite um darüber zu toasten (rappen im Hip-Hop-Kontext), was, auf Vinyl gepresst, eine weitere Version des Riddims darstellt. Vor allem in den 70ern und 80ern war es üblich, dass bei einem Hit auch konkurrierende Produzenten Versions des gleichen Riddims mit anderen Interpreten innerhalb weniger Wochen herausbrachten, was aufgrund der laxen Handhabung des Urheberrechts in Jamaika möglich war.

Riddims werden durch Langlebigkeit geadelt: Die meisten Klassiker stammen aus der Zeit von 1965-1970 und wurden bisher jeweils mehrere hundert mal geversioned. Neben Sängern und Vokalgruppen nutzen auch populäre Instrumentalisten wie der Saxophonist Dean Frazer oder Bongo Herman die Riddimtracks als Basis für eigene Einspielungen.

Der Name eines Riddims ist Konventionssache, oft ist es der Name des Originals (Real Rock, Ali Baba, Stalag), manchmal der einer bekannten Version (Answer, General, M 16). Manche Riddims sind unter mehreren Namen bekannt (Full Up/Kouchie) oder wurden bei neueren Aufnahmen neu gelabelt (Revolution/Intercom, Hot Milk/Quicksand).

Ragga Riddims

Die 1986 einsetzende Version-Flut bei Ragga-Riddims entstand anders: Die Musik wurde erstmalig digital erzeugt, die Produzenten konzentrierten sich auf die Erstellung des Basistracks, des Riddims. Je nach veranschlagtem Hitpotential wurden 10-20 und mehr Sänger auf den Riddim angesetzt, um ebensoviele unterschiedliche Versions mit jeweils anderem Text und anderer Gesangsmelodie in kürzester Zeit einzuspielen. Zeitgleich auf den jamaikanischen Markt geworfen vergrößerten die 10-20 Singles (die Selection) die Chancen des Produzenten auf einen Hit. Die zweite Vermarktungsform, meist erfolgreicher außerhalb Jamaikas, war das One-Riddim Album mit 10 Tracks auf einer LP und seit Beginn der 90er mit 16-20 Tracks auf einer CD.

Die Namensgebung des Riddims orientiert sich immer weniger an einem bestimmten Cut des Riddims, vielmehr wird der Name vom Produzenten willkürlich festgelegt (Tixx, Bounce).

Wichtige Riddims

Klassische Reggae Riddims

  • Real Rock: Laut Statistik von www.reggae-riddims.com handelt es sich um den Riddim mit den meisten Versions (268 Einträge, wobei die tatsächliche Zahl bei weit über 1.000 Versions liegen müsste). Real Rock wurde 1967 als Instrumentalstück von C. S. Dodds Studioband Sound Dimension im Studio One aufgenommen. Mitte der 70er ließ Dodd Willie Williams den später auch von The Clash gecoverten Song Armagideon Time aufnehmen, was den Beginn der immer noch andauernden Version-Flut von Real Rock markiert. Der Riddim ist minimalistisch: Die Basslinie besteht aus einem einzigen Takt, der durchgehend wiederholt wird, die Bläser spielen 5 Noten, die Orgel 3. Hörbeispiel

  • Answer: Ebenfalls ein Studio One Original ist Never Let Go von Slim Smith von 1969. 1976 entstand im gleichen Studio das namensgebende The Answer von Lone Ranger. Spätere Produzenten, von Don Mais bis Bobby Konders, nahmen viele hundert weitere Cuts des Riddims auf. Ähnlich Real Rock ist es ein extrem einfacher, aber sehr markanter Riddim. Hörbeispiel

  • Stalag: Winston Riley produzierte 1973 das Instrumentalstück von Ansel Collins namens Stalag 17, benannt nach Billy Wilders Film Stalag 17. Bei einem Soundclash improvisierte Tenor Saw 1985 Ring the alarm, another sound is dying über dem Riddim, die Massive (Besucher des Clashes) tobte, und wenige Tage später entstand im Studio eines der ersten Soundbwoy Burials, das den für Reggaeverhältnisse aggressiven Riddim zum Klassiker in Clashes machte. Hörbeispiel

Digitale Reggae Riddims

Ragga Riddims

In jüngster Zeit greifen Urheberrechtgesetze verstärkt in Jamaika, so dass Ragga Riddims meist nur von einem Produzenten herausgegeben werden. Welche Riddims zu Klassikern werden, muss sich erst zeigen. Folgende wären in chronologischer Reihenfolge gute Kandidaten: Muslim, Pepperseed, Joyride, Badda Badda, Street Sweeper, Hard Drive, Diwali, Clappas.

Weblinks

  • Jamrid , das Jamaican Riddim Directory mit vielen Hörbeispielen und launigen Beschreibungen der Riddims
  • www.reggae-riddims.com umfangreiche Riddim-Datenbank, durchsuchbar nach Riddim, Interpret, Titel, Jahr, Produzent und Label


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