SĂ€kularisierung Bedeutung, Erklärung und Definition.
Die Begriffe SĂ€kularisierung, SĂ€kularisation und SĂ€kularismus sind vom lat. saeculum abgeleitet. Dieses Wort bedeutete ursprĂŒnglich "Zeitalter, Jahrhundert", im Kirchenlatein dann "die zeitliche Welt" und damit das Irdische im Gegensatz zum Ewigen. SĂ€kularisierung wurde von daher zur Bezeichnung des Ăbergangs einer Sache aus dem Eigentum der Kirche (BistĂŒmer und Klöster) in das von (nicht fĂŒrstbischöflich regierten) Staaten. Seit der Wende zum 19. Jahrhundert fĂ€cherten sich die Bedeutungen weiter auf.
| Table of contents |
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2 Abstrakte SÀkularisierung in der Geschichte 3 Historische Entwicklung der abendlÀndischen SÀkularisierung 4 Gegenwartsgeschichte und Globalisierung |
Begriffliches
Folgende Unterscheidungen zur KlÀrung der Begriffe werden angetroffen:
Abstrakte SĂ€kularisierung in der Geschichte
Je begrifflich-abstrakter "SÀkularisierung" ("SÀkularisation") aufgefasst wird, desto eher lÀsst SÀkularisierung sich als sozialer Wandel in vielen historischen Gesellschaften auffinden. So kann man das 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert des antiken Griechenlandes als klassische Periode einer SÀkularisierung auffassen.
Dem gegenĂŒber wird aber der historisch-europĂ€ische, von der AufklĂ€rung geprĂ€gte Begriff zumeist vorgezogen.
Historische Entwicklung der abendlÀndischen SÀkularisierung
SÀkularisierung in der ersten Bedeutung ist die Abschaffung der Staatsreligion und hat einen erheblichen Machtverlust der religiösen Institutionen, vor allem der Kirchen, zugunsten des Staates zur Folge.
In Europa begann die SÀkularisierung mit der AufklÀrung und erreichte in der Französischen Revolution und im Kommunismus mit der angestrebten völligen Abschaffung der Religion ihren Höhepunkt.
Im Vorfeld der AufklĂ€rung entzogen sich viele Menschen der Monarchie "von Gottes Gnaden" durch Auswanderung in die Neue Welt. Die USA sind seit ihrer Konstitution 1776 ein sĂ€kularer Staat. Im Gegensatz zu der Verbreitung des Atheismus in Europa behielt hier die ReligiositĂ€t einen hohen Stellenwert und fĂŒhrte zur GrĂŒndung einer Vielzahl reformierter Kirchengemeinden. Weitgehender Konsens bestand und besteht in der gesellschaftlichen Bedeutung des Christentums. Durch die Zersplitterung in einzelne christliche Konfessionen und die allgemein anerkannte Toleranz gegenĂŒber dieser Entwicklung konnte sich jedoch keine monolithische kirchliche Institution mit politischer Macht herausbilden, wie sie bis dahin aus Europa bekannt war. ReligiositĂ€t und Religionsfreiheit werden heute in den USA als gleichwertig betrachtet.
Durch nachfolgende Einwanderungswellen gelangten weitere Religionsgruppen aus der arabischen und ostasiatischen Welt in die USA, die sich durch die Tradition der religiösen Toleranz im neuen Umfeld etablieren konnten und selten vom weiterhin vorherrschenden Christentum assimiliert wurden. Einzige Ausnahmen sind die Naturreligionen der Indianer und Riten der afrikanischen Sklaven, die durch die Christianisierung zurĂŒckgedrĂ€ngt wurden.
Gegenwartsgeschichte und Globalisierung
Heutzutage ist die SĂ€kularisierung, abgesehen insbesondere von Deutschland, in der gesamten westlichen Welt weit fortgeschritten, aber die Abschaffung der Religion ist nirgends dauerhaft erfolgt. So gibt es etwa in Deutschland noch die Kirchensteuer, wĂ€hrend in Ostdeutschland (auĂer im Eichsfeld) inzwischen die statistisch niedrigste Kirchenzugehörigkeit in Europa zu verzeichnen ist.
In der westlichen Welt gilt die SĂ€kularisierung allgemein als erstrebenswert und notwendige Voraussetzung fĂŒr eine demokratische Gesellschaftsform, da der Aufstieg bĂŒrgerlicher Machtstrukturen wesentlich in der Tradition der AufklĂ€rung steht. Das Christentum seinerseits hat sich auf seine Wurzeln in der Gewaltlosigkeit Jesu besonnen.
Eine Ăbertragung der SĂ€kularisierung nach europĂ€ischem Vorbild auf andere Kulturkreise, insbesondere die islamische Welt, wie hĂ€ufig gefordert, ist problematisch, da die Grundhaltungen von (westlichem) Christentum und Islam zu Politik und Staat verschieden sind. Hatte sich im Abendland durch die PolaritĂ€t von Kaiser und Papst nie eine IdentitĂ€t von Staat und Religionsgemeinschaft entwickeln können (obwohl beide Seiten dies anstrebten), zielte der Islam seinem Wesen nach, auch bei beschrĂ€nkter ToleranzgewĂ€hrung, gerade auf diese IdentitĂ€t.
Der Islam postuliert in der Theorie eine der SĂ€kularisierung zuwiderlaufende Untrennbarkeit von religiöser und politischer Herrschaft (siehe auch Kalifat), verfolgte in der Praxis jedoch ein relativ tolerantes Glaubenskonzept, das lange keine religiös motivierten Pogrome wie die europĂ€ische Judenverfolgung kannte. Angehörige anderer monotheistischer Religionen, zu denen spĂ€ter auch Buddhisten, Hindus und Zoroastrier gezĂ€hlt wurden, hatten in islamischen LĂ€ndern den rechtlichen Status von Dhimmis, einer geschĂŒtzten Minderheit, denen gewisse BeschrĂ€nkungen (u.a. die Zahlung einer speziellen Steuer, Kleidungsvorschriften, Ausschluss von staatlichen Ămtern) auferlegt waren, die ansonsten jedoch religiöse Autonomie genossen und ihr eigenes Rechtssystem unterhielten.
Bisher gab die Forderung westlicher Industrienationen nach einer SĂ€kularisierung im Sinne einer Verwestlichung eher einer Entwicklung in Richtung Radikalisierung Auftrieb.
Siehe auch: Laizismus - Atheismus - Magisierung
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