Seidenstraße Bedeutung, Erklärung und Definition.
Als Seidenstraßen bezeichnet man ein Netz von Karawanenstraßen. Unter der Regentschaft des Parthers Mithridates II wurde im Jahre 115 v. Chr die Seidenstraße feierlich eröffnet. Aber auch vorher wurden zumindest Teile der Routen für Austausch und Reisen genutzt. Die Bezeichnung „Seidenstraße“ geht auf den im 19. Jahrhundert lebenden Deutschen Ferdinand von Richthofen zurück, obwohl auch die Byzantiner schon eine ähnliche Bezeichnung verwendeten. Die Seide nämlich beflügelte die Fantasie der Beobachter besonders.
Wenn man von Der Seidenstraße spricht, wird normalerweise die Hauptroute gemeint, die von Xi'an (der damaligen Hauptstadt von China) über Lanzhou, Wuwei und Zhangye bis Dunhuang führte, sich dort in eine nördliche und südliche Route um die Wüste Takla Makan teilte, sich bei Kashgar wieder vereinigte und von dort über Samarkand, Buchara, Teheran bis Antiochia (heute Antakaya) an die Küste des Mittelmeeres verlief.
Die genannte Route hatte zahlreiche Nebenarme und Seitenzweige. Klimatische Bedingungen, Kriege und Jahreszeiten führten zu unterschiedlichen Wegen. Einige Wege sind schlecht erforscht, da frühere und heutige politische Einflüsse dies behindern (früher die Interessen der Sowjetunion, heute die instabile Lage in Afghanistan und im Irak).
Durch Klimaveränderung und Kriegswirren, sowie später durch die zunehmende Bedeutung der Seefahrt verlor die Seidenstraße nach dem 15. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung.
siehe auch: Gewürzroute Weihrauchstraße
Auf der Seidenstraße wurden nicht nur Waren wie Gewürze, Seide, Glas und Porzellan transportiert; mit dem Handel verbreiteten sich auch Religion und Kultur. So gelangte der Buddhismus über die Seidenstraße bis nach China und Japan und wurde dort vorherrschende Religion. Auch das Christentum drang über die Seidenstraße vor bis zur damaligen Hauptstadt von China, wie eine Steintafel im heutigem Xi'an dokumentiert. Die Kenntnis von Papier und Schwarzpulver kam entlang der Seidenstraße in die arabischen Länder und gelangte von dort später nach Europa.
Seide war für den Westen wohl das außergewöhnlichste Handelsgut, das die Seidenstraße passierte. Schließlich gab dieser Stoff der Route auch ihren Namen. Dennoch verzerrt dieser Begriff die Wirklichkeit des Handels, denn es wurden natürlich viele andere Waren über diese Handelsstraßen ausgetauscht. Karawanen in Richtung China transportierten unter anderem Gold, Elfenbein, kostbare Steine und Glas. In die andere Richtung wurden vor allem Pelze, Keramik, Jade, Bronze, Lacke und Eisen getragen. Viele dieser Güter wurden unterwegs eingetauscht und wechselten so mehrmals den Besitzer bevor sie ihr endgültiges Ziel erreichten.
Neben Seide waren vor allem Gewürze bis in die Neuzeit wichtige Handelswaren aus Südostasien. Sie wurden nicht nur als Würzmittel und Aromastoffe, sondern auch als Medikamente, Anästhetika, Aphrodisiaka, Parfum und für Zaubertränke verwendet.
Nichtsdestoweniger war das begehrteste chinesische Produkt die Seide. Die Entwicklung der Seidenweberei lässt sich in China bis in das 2. Jahrtausend v. Chr. zurückführen. Die Herstellung großer Mengen für den Export, einhergehend mit der Ausbildung von Seidenmanufakturen, erfolgte erst mit dem Ende der „Zeit der Streitenden Reiche“ im 3. Jahrhundert v. Chr.
Zu dieser Zeit war Seide ein überaus seltener Stoff im Westen, sie gehörte wie Purpur und Glas zu den Luxusartikeln im Römischen Reich. Nur die Reichsten konnten sich bescheidene Mengen des kostbaren Stoffes leisten. In der Zeit der „Pax Augusta“, als auch das westliche Ende der Seidenstraße sicher war, verlangte die römische Oberschicht verstärkt nach östlicher Seide, Gewürzen und Juwelen, denn man wollte den opulenten fernöstlichen Lebensstil nachahmen.
Ein großes Problem war die Sicherheit der Handelsstraßen. Von China bis Ägypten überfielen Piraten die Karawanen auf den engsten Passagen der Route, wo sie besonders leicht an ihre Beute gelangen konnten. Das Han-Reich stattete deshalb seine Karawanen mit speziellen Verteidigungsarmeen aus und weitete die Große Mauer entlang Teilen der Route aus.
Die Organisation des transkontinentalen Handels war höchstkomplex und schwierig. Hunderttausende Tiere, eine große Anzahl von Viehtreibern und Tonnen von Handelsgütern mussten versammelt und bewegt werden. Dabei mussten Mensch und Tier auf der langen Reise mit ihren geographischen und klimatischen Bedingungen am Leben erhalten werden. Üblicherweise bereisten die Kaufleute aber nicht die gesamte Strecke, um ihre Waren zu verkaufen. Vielmehr lief der Handel über mehrere Zwischenhändler ab. Während das westliche Ende der Seidenstraße lange die Parther, später die Sassaniden, kontrollierten, waren es in Zentralasien vor allem Nomadenstämme, die den Warenaustausch dominierten.
Eine große Bedeutung bei der Organisation des Handels kam dem zweihöckrigen (bzw. baktrischen) Kamel zu, das in Zentralasien beheimatet war. Es hat den Vorteil, dass es hitzeresistenter als einhöckrige Kamele ist und ein Winterfell besitzt, so dass es gut an die starken Klimaschwankungen angepasst ist. Daher wurden diese Kamele seit Beginn der Handelsbeziehungen benutzt.
Der Transfer von technischen Errungenschaften, kulturellen Gütern oder Ideologien geschah weniger absichtlich und langfristiger als der Austausch von Waren.
Fernreisen aller Art, ob aus kommerziellen, politischen, diplomatischen oder missionarischen Gründen, stimulierten den kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Gesellschaften. Lieder, Geschichten, religiöse Ideen, philosophische Ansichten und wissenschaftliches Wissen kursierten unter den Reisenden. Außerdem fand durch die Einführung neuer Nahrungsmittel auch ein agrikultureller Austausch statt. Überdies wurden bedeutende Techniken wie die Papierherstellung und der Buchdruck, chemische Prozesse wie die Destillation sowie effizientere Pferdegeschirre und der Steigbügel über Asien verbreitet.
Ein besonders langlebiges Gut, das über die Seidenstraße transportiert wurde, war Religion. So kam beispielsweise der Buddhismus über die nördliche Route von Indien nach China, am stärksten während der Nördlichen Wei-Dynastie im 4. und 5. Jahrhundert.
Für das Christentum war eine Verbreitung östlich Kleinasiens – abgesehen von wenigen Ausnahmen – erst mit dem Beginn des Sassaniden-Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. möglich. Auch wenn es nie zur dominanten Religion in Zentral- und Ostasien wurde, nutze man doch die Vorzüge der Seidenstraße, um bis an die chinesische Grenze vorzustoßen. Zur Zeit des Mongolenreiches war das nestorianische Christentum, das auf den griechischen Theologen Nestorius zurückzuführen ist, eine kulturelle Waffe, mit der man rechnen musste.
Nach dem Tod Muhammads 632 n. Chr. begann sich der Islam schnell über die arabische Halbinsel zu verbreiten und in den nächsten hundert Jahren dominierte er eine der alten römischen Provinzen nach der anderen: Zuerst Syrien, dann Ägypten und ganz Nordafrika. Ziemlich schnell war auch der westliche Teil der Seidenstraße unter muslimischer Kontrolle und man kontrollierte den transasiatischen Handel. Aufgrund dieser muslimischen Dominanz kommerzieller Aktivitäten kann man von einer „Islamisierung“ der Seidenstraße sprechen. Der Islam verbreitete sich zunächst in den städtischen Zentren entlang der Seidenstraße und erst später in den ländlichen Gegenden. Aber auch in Zentralasien, China, Bengal und später in Indonesien entstanden muslimische Gemeinden, allerdings ohne militärische Eroberung oder politische Absorption. Nachdem sich das Persische Reich unter muslimischer Kontrolle befand, setzte sich die Expansion in östlicher Richtung fort.
Auch religiöse Gruppen wie der Zoroastrismus und Manichäismus – beides Lehren persischen Ursprungs – wurden über die Seidenstraße verbreitet.
Genauso wie religiöse Vorstellungen oder kulturelle Güter, verbreiteten sich auch immer wieder Krankheiten und Infektionen entlang der Seidenstraße. Fernreisende verhalfen den Erregern, sich über ihr Ursprungsgebiet hinaus zu verbreiten und so Populationen anzugreifen, die weder ererbte noch erworbene Immunität gegen die Krankheiten, die sie auslösten, besaßen. So entstanden Epidemien, die zu dramatischen Konsequenzen führen konnten.
Das wohl bekannteste und folgenreichste Beispiel für die Verbreitung von Krankheiten entlang der Seidenstraße ist die Ausbreitung der Pest im 14. Jahrhundert:
In den 1330er Jahren brach in China die tödliche Beulenpest aus. Die Plage, die hauptsächlich Nagetiere befiel und über Flöhe auf den Menschen übertragen wurde, war hochansteckend. Lange Zeit trat die Beulenpest nur in der südchinesischen Provinz Yunnan auf. Im frühen 14. Jahrhundert verbreiteten Mongolenheere infizierte Flöhe von Yunnan aus über weite Teile Chinas. Von dort aus verbreitete sich die Beulenpest rasch entlang der Seidenstraße. Vor allem der Transport von Pelzen begünstigte die schnelle Verbreitung der Seuche.
Heute hat die Seidenstraße einen eher romantischen, abenteuerlichen Stellenwert. Durch Bücher wird die orientalische Mystik der Route dem Westen näher gebracht und Reisen „auf den Spuren Marco Polos“ ziehen einen wachsende Zahl von Touristen in diese abgelegenen Regionen. China erkannte das touristische Potential sehr schnell, nachdem es in den späten 1970ern seine Türen für ausländische Reisende öffnete. Dies führte dazu, dass viele Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler entlang der Seidenstraße restauriert wurden und man von offizieller Seite Sorge für die Erhaltung dieser Monumente trägt. Überdies wurde mit archäologischen Ausgrabungen dem Leben entlang der Seidentrasse nachgespürt. Reisende entlang der Taklimakan-Wüste treffen vor allem auf Stadtruinen und Überreste von Höhlen. Eine Hauptattraktion aber bildet die Bevölkerung und der bis heute erhalten gebliebene Lebensstil. Viele Touristen kommen heute aus Japan, um jene Stätten zu besuchen, die die buddhistische Religion auf ihrem Weg nach Japan passierte. Eine Reise in das Taklimakan-Gebiet ist auch heute – trotz einiger Erleichterungen – immer noch sehr beschwerlich, allein auf Grund der klimatischen und geographischen Bedingungen.
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Die transkontinentalen Transferleistungen der Seidenstraße
Handel
Organisation des Handels
Kultur- und Techniktransfer
Ausbreitung von Religionen über die Seidensraßen
Diese Verbreiterung des Christentums war aber eher bescheidenen Ausmaßes im Vergleich zur geographischen Ausbreitung des Islams, die die anderer Religionen bei weitem übertraf.
Anders als das Christentum und der Buddhismus verbreitete der Islam seine Lehre mit der Kraft des Schwertes. Der Islam verstand sich wie das Christentum als missionarische Religion und hat dies wie keine andere durchgesetzt. Ausbreitung von Krankheiten
Die Bedeutung der Seidenstraße heute
Literatur
Links
