Stadtbahn Bedeutung, Erklärung und Definition.
Dieser Artikel befasst sich mit dem Verkehrsmittel „Stadtbahn“. Für weitere Bedeutungen siehe Stadtbahn (Begriffsklärung)Die Stadtbahn ist ein zu den Bahnen gehörendes Verkehrsmittel im öffentlichen Personennahverkehr ähnlich der Straßenbahn.
Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Stadtbahn und Straßenbahn. Der gerne herangezogene höhere Anteil kreuzungsfreier Strecken der Stadtbahn ist vielerorts nicht gegeben, wobei jedoch häufig zumindest im Innenstadtbereich unterirdische (Tunnel-)strecken vorliegen. Ähnlich dem Begriff S-Bahn ist \Stadtbahn mittlerweile mehr eine Marketingbezeichnung als eine scharf abgrenzbare technische oder juristische Bezeichnung. Betreiber verwenden den Begriff Stadtbahn, um sich von der klassischen, unmodernisierten Straßenbahn abzugrenzen.
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2 Stadtbahnnetze erster Generation 3 Stadtbahnnetze neuer Generation 4 Siehe auch |
Stadtbahnlinien verlaufen oft auf selber Ebene mit dem Autoverkehr, sie haben jedoch meist einen eigenen, nicht unbedingt kreuzungsfreien, Bahnkörper (oft Rasengleis). Stadtbahnen sind üblicherweise mit Außenspiegeln und Blinkern ausgestattet, um auch im Straßenverkehr mitfahren zu können. Sie erhalten ihre Antriebsenergie über Stromabnehmer aus Oberleitungen oder in Tunnelstrecken aus überkopf angeordneten Stromschienen; um Strecken der herkömmlichen Eisenbahn mitnutzen zu können, gibt es Zweisystem-Stadtbahnfahrzeuge, die sowohl den Gleichstrom der innerstädtischen als auch den Hochspannungs-Wechselstrom der Eisenbahnstrecken nutzen können. Mittlerweile gibt es auch Dieselhybrid-Stadtbahnen, die zusätzlich mit einem Dieselmotor ausgerüstet sind.
Von Stadtbahn spricht man zunächst einmal dort, wo ein Straßenbahn-Netz durch Strecken- oder Tunnelneubau aufgewertet und/oder erweitert, aber kein vollkommen autarkes U-Bahn-Netz errichtet wurde. Vielerorts werden solche Stadtbahnen der ersten Generation weniger exakt als U-Bahn bezeichnet und tragen dementsprechend als Zeichen ein weißes U auf blauem Grund, im Ruhrgebiet zusätzlich mit dem Schriftzug "Stadtbahn".
Größere Netze dieser Stadtbahnen der „ersten Generation“ finden sich in Deutschland z. B. in Hannover, Köln, Stuttgart und Frankfurt am Main. Dabei ist in Hannover die Umwandlung von der „klassischen“ Straßenbahn her seit 1996 abgeschlossen, in Stuttgart wird dies bis 2008 der Fall sein. Frankfurt hat neben den ausgebauten Linien auch weiterhin ein Rest-Straßenbahnnetz. Das im Ruhrgebiet in den 1960er und 1970er Jahren projektierte Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr sollte im Endausbau eine vollständig kreuzungsfreie Voll-U-Bahn sein. Die langfristige Auslegung der Planungen und weitere Planungsverzögerungen und -änderungen haben dazu geführt, dass 2003 dieser Zustand noch lange nicht erreicht ist und die Stadtbahnstrecken in vielen Ruhrgebietsstädten parallel zu „klassischen“ Straßenbahnstrecken betrieben werden. Das Stadtbahnnetz in Köln soll auch in Zukunft eine Mischform bleiben, wobei Niederflur-Straßenbahnen teilweise die gleichen Strecken befahren wie die Hochflur-Stadtbahnwagen, die u. a. auf Eisenbahnstrecken die Verbindung zum Bonner Netz herstellen.
Stadtbahnen der „neuen Generation“ sind aus alten Straßenbahnnetzen nicht durch den mittlerweile außer Mode gekommenen massiven Tunnelbau, sondern durch konsequenten Streckenneu- und -ausbau hervorgegangen, wie z.B. die Stadtbahnen in Bielefeld und Freiburg im Breisgau. Ein Schlüsselelement ist vor allem die Beschleunigung und Verpünktlichung der Bahnen durch Ampelvorrangschaltung.
Auch Übernahme oder Mitnutzung von Eisenbahnstrecken und anderen Gleisen als so genannte Regionalstadtbahn gehört zu den Kennzeichen moderner Stadtbahnen. Diese äußerst erfolgreiche Idee wurde erstmals 1992 in Karlsruhe eingesetzt, wo auch die ersten Zweisystem-Triebwagen zum Einsatz kamen (mittlerweile ausgedehnt bis nach Heilbronn). Die Stadtbahn erfüllt dort mit einem einzigen Netz die Anforderungen an ein klassisches Straßenbahn- als auch an ein klassisches S-Bahn-Netz (Innenstadt- und Umlandverkehr). Siehe auch: Karlsruher Modell (Stadtbahn).
Nachahmer hat diese Idee unter anderem in Saarbrücken (Saarbahn) und in Kassel (RegioTram) gefunden; Planungen für ähnliche Systeme bestehen in Braunschweig, Bremen, Reutlingen, Rostock und Chemnitz sowie an zehn französischen Standorten (dort als Tram-Train bezeichnet), darunter im Großraum Paris, in Straßburg und Mülhausen. Eine schmalspurige Version eines ins Umland ausgedehnten Stadtbahnnetzes existiert in Nordhausen im Südharz. Möglicherweise soll in Frankfurt am Main ein ähnliches System als Regionaltangente West eingeführt werden. In Innsbruck ist geplant, die schmalspurige Stubaitalbahn zu einer Stadtbahn auszubauen und zudem eine Ost-West-Stadtbahnlinie zu errichten.
Das Nordhausener Netz, auch Harzer Schmalspurbahnen genannt, ist gewissermaßen eine Besonderheit, da dort sowohl Dieselhybrid-Triebwagen als auch Dampflokomotiven eingesetzt werden. Auch in Kassel ist ein Einsatz von Hybrid-Triebwagen vorgesehen. Die Stadtbahn überwindet dort sogar den Übergang zwischen elektrifizierter und nichtelektrifizierter Strecke.
Im Großraum Braunschweig ist eine Regionalstadtbahn in Planung. Hier stößt insbesondere die notwendige Umspurung der Straßenbahnstrecken in Braunschweig von 1100 mm auf Normalspur 1435 mm, und zum Teil großer Widerstand der Bevölkerung im Umkreis von Braunschweig noch auf Hindernisse. Ein Stadtbahnsystem gibt es auch im Zwickauer Raum, wo Dieseltriebwagen des Überlandverkehrs der Vogtlandbahn auf Straßenbahnschienen in die Innenstadt durchgebunden werden.
Bis zum erfolgreichen "Karlsruher Modell" einzigartig in Deutschland war auch die Thüringerwaldbahn, eine schmalspurige Kombination aus Stadt- und Überland-Straßenbahn im Raum Gotha. Die Gothaer Straßenbahn nutzt dabei seit 1924 Eisenbahnstrecken in die nördlichen Gebiete des Thüringer Waldes. Der jahrzehntelange Erfolg dieser Regionalstadtbahn hat möglicherweise in Karlsruhe und anderen Ballungsräumen erfolgreiche Nachahmer und Mitstreiter bei der Wiederentdeckung der Eisenbahn als regionales Verkehrsmittel gefunden.
Die Befürworter der Regionalstadtbahn fordern überwiegend geradezu euphorisch die Einführung neuer RSB-Systeme und die forcierte Ausdehnung der bestehenden bis zur Flächendeckung. Der Erfolg des Karlsruher Verkehrsverbundes, der dem stark ausgebauten Netz der Stadtbahn zugeschrieben wird, ist hier zumeist die Motivation. Es bleibt jedoch fraglich, ob die Erfolge des Verbundes nicht weitgehend den anderen Faktoren wie einer starken Orientierung auf die Dauerkunden, die u.a. durch die attraktive Konditionen der KVV-Ergänzungskarte ihren Ausdruck findet, zuzuschreiben sind. Es gibt zahlreiche Stimmen, die warnen, in vielen Regionen seien Siedlungsstruktur, Ausdehnung des Ballungsgebietes und Größe der Verkehrsströme für einen flächendeckenden Einsatz regionaler Stadtbahnen ungeeignet.
Ähnlich wurden in den letzten Jahren ausgedehnte S-Bahn-Netze erschaffen, oft bei gleichzeitiger Kappung diverser Regionalzüge. Als Beispiel kann hier die S-Bahn RheinNeckar dienen, die oft wegen der langen Fahrtzeiten mit einer S-Bahn kritisiert wird. Die örtliche PRO BAHN, zum Teil zusammen mit einer Pendlerinitiative, fordert schnellere RegionalExpress-Züge.
In den Debatten wird oft die mittlere Reisegeschwindigkeit verschiedener Verkehrsmittel verglichen. Diese kann man u.a. dem Düsseldorfer Nahverkehrsplan 2002-2007 (Seite 45) entnehmen:
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Stadtbahnnetze erster Generation
Stadtbahnnetze neuer Generation
Regionalstadtbahn
Debatte
Als ein anderes Beispiel kann Rhein-Ruhr dienen, wo ein Konzept von PRO BAHN den Einsatz der RegionalExpress-ähnlichen Zügen als Grundgerüst des regionales Nahverkehrs vorsieht - obwohl es auch Forderungen des Ausbaus des Netzes der regionalen Stadtbahnen oder der S-Bahnen gibt.
(Es gibt Quellen, die die mittlere Reisegeschwindigkeit der gegenwärtigen RegionalExpress-Linien in Nordrhein-Westfalen mit ca. 50-70 Km/h angeben; diese gilt allerdings als steigerungsfähig.)
Als Gründe für die relativ geringe mittlere Beförderungsgeschwindigkeit der Stadtbahnen wurden die nicht vollständig vom MIV getrennten Fahrwege, dichte Haltestellenfolgen wie auch das (im Vergleich zum Stadtbus) relativ hohe Fahrgastaufkommen, welches die Haltenstellenaufenthalte verlängert, genannt.Siehe auch
In der Schweiz werden die Nahverkehrs-Bahnen des Glattals und des Kanton Zug als Stadtbahn bezeichnet.
