Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Stenografie

Stenografie Bedeutung, Erklärung und Definition.

Stenografie bzw. Stenographie oder Kurzschrift ist eine Schrift, die nach mehrjähriger Einübung so schnell schreibbar ist, dass mit ihr in normalem Tempo gesprochene Sprache mitgeschrieben werden kann. Der Begriff Stenografie leitet sich von den griechischen Wörtern stenos = eng und graphein = schreiben, ritzen her. Ein in Kurzschrift verfasstes Schriftstück heißt Stenogramm. Jemand, der diese Schrift anwendet, ist ein Stenograf.

Mit Kurzschriftsystemen können hohe Schreibgeschwindigkeiten erreicht werden, weil der sprachliche Informationsgehalt mit graphischen und linguistischen Mitteln verdichtet wird (Kürzungstechnik, s. u.). Stenografiesysteme waren schon bei den antiken Griechen und Römern bekannt (Tironische Noten) und wurden bis ins Mittelalter als Akten- und Kanzleischrift genutzt. In der Neuzeit waren geometrische Kurzschriftsysteme seit dem 17. Jh. insbesondere in England und Frankreich weit verbreitet. Auch in Deutschland kannte man seit 1678 geometrische Kurzschriften.

Den Berufsstand des Pressestenografen bei Zeitungen und des Gerichtsstenografen gibt es heute kaum mehr, wohl aber sind in den meisten deutschen Landtagen und im Bundestag Parlamentsstenografen tätig. Sie beherrschen Redegeschwindigkeiten bis zu 450 Silben pro Minute (Nachrichten werden z.B. mit etwa 250 Silben pro Minute verlesen). Darüber hinaus hat die Stenografie ein weites Anwendungsfeld als Notiz- und Konzeptschrift (für Studenten, Journalisten, Verwaltungsberufe etc.). Außerdem werden Stenografen häufig bei Tagungen, Synoden, Konferenzen u. ä. eingesetzt.

Table of contents
1 Deutsche Systeme
2 Anwendung
3 Begründer von Systemen / Bekannte Stenographen
4 Beispiele
5 Quellen
6 Weblinks

Deutsche Systeme

Franz Xaver Gabelsberger (1789 - 1849), bayerischer Ministerialbeamter, erfand die aus der Schreibschrift abgeleitete deutsche Stenografie - wegen ihres Schriftduktus als "kursiv" bezeichnet. Gabelsbergers Hauptwerk "Anleitung zur Deutschen Redezeichenkunst" (1834) ist ein Meilenstein der Stenografiegeschichte. Sein Stenografiestil beeinflusste auch die Kurzschriftentwicklung in Nord- und Osteuropa und z. T. in Italien, während England und die romanischen Länder bei geometrischen Systemen blieben.

Weitere bekannte deutsche Systemerfinder waren Wilhelm Stolze (1841), Leopold Arends (1850), Heinrich Roller, August Lehmann, Karl Faulmann, Ferdinand Schrey, Karl Scheithauer und die Gebrüder Kunowski. Insgesamt wird die Gesamtzahl deutscher Kurzschriftsysteme auf 800 - 900 geschätzt. Die Vertreter der größeren, erfolgreichen Kurzschriftschulen polemisierten zum Teil heftig gegeneinander. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Wunsch nach Schaffung eines einheitlichen deutschen Kurzschriftsystems, das möglichst die Vorzüge aller bedeutenden Systeme in sich vereinigen sollte, immer größer.

So wurde nach jahrelangen Verhandlungen, Irrungen und Wirrungen 1924 endlich die Deutsche Einheitskurzschrift geschaffen (DEK) und amtlich anerkannt. Sie basiert hauptsächlich auf den Systemen Gabelsberger und Stolze-Schrey sowie der Vokalisation von Faulmann und besteht aus den drei Schriftstufen Verkehrsschrift, Eilschrift und Redeschrift (aufeinander aufbauend, mit ansteigendem Abstraktionsniveau). Die DEK wurde 1936 und 1968 (DDR: 1970) durch Fachgremien reformiert. Heute ist die DEK 1968 ("Wiener Urkunde") das Standardsystem in Deutschland und Österreich. In der Schweiz gibt man den Systemen Stolze-Schrey (deutschsprachige Schweiz und Tessin) sowie Duployé und Aimé-Paris (welsche Schweiz) den Vorzug.

Moderne kursive Kurzschriftsysteme bestehen aus den Teilzügen der gewöhnlichen Schrift, aus symbolischen Darstellungen - zumeist der Selbstlaute - und festen Kürzungen für häufige Silben und Wörter (Kürzel). In höheren Stufen erlauben es verschiedene Kürzungsregeln, sowohl die sprachliche Redundanz als auch graphische Mittel ausnutzen (z. B. Überdeckung, Verschmelzung etc.).

Anwendung

Ab dem Beginn der Industrialisierung war das Beherrschen der Kurzschrift wesentliche Hauptfähigkeit von Stenotypistinnen, aber auch von Sekretärinnen, die Diktate für Briefe etc. in Kurzschrift aufzunehmen und dann mit der Schreibmaschine zu übertragen hatten. Mit dem Aufkommen der Personal Computer und der damit einhergehenden Entwicklung, dass Briefe nicht mehr diktiert, sondern gleich selbst geschrieben werden, verliert sich die Wichtigkeit der Kurzschrift als Diktatschrift zunehmend. Für Autoren, als Konzeptschrift, für Mitschriften in Lehrveranstaltungen/Vorlesungen und dergleichen ist sie ein wertvolles, kaum zu übertreffendes Arbeitsmittel. Auch zur Protokollierung von Parlamentsdebatten und Kongressen ist sie nach wie vor unerreicht.

Neben den Handstenografen gibt es in einer Reihe von Staaten (Frankreich, Italien, Spanien, Russland) Maschinenstenografen, die mit Hilfe von Stenografiermaschinen arbeiten. Auch in einem der deutschen Landesparlamente arbeiten vereinzelt Maschinenstenografen. Das genutzte Aufnahmesystem ist von der deutschen Einheitskurzschrift völlig verschieden, bietet aber den Vorteil, dass Texte in Echtzeit erfasst, digitalisiert und bei Bedarf gleich wiedergegeben werden können. Sinnvoll ist das zum Beispiel beim Untertiteln von Live-Sendungen im Fernsehen. In den USA ist die Maschinenstenografie traditionell weit verbreitet und wird dort auch zur Dokumentation von Gerichtsverhandlungen eingesetzt.

Begründer von Systemen / Bekannte Stenographen

Beispiele

Das Beispiel Deutsche Einheitskurzschrift (um 1930) zeigt in der ersten Spalte zuerst das Wort in der Grundform, dann eines oder mehrere abgeleitete Wörter hiervon. In der zweiten Spalte stehen jeweils mögliche Kürzel dieser Wörter:
  • Teufel, Teufelei | Kürzel hiervon
  • Text, Texte | Kürzel hiervon
  • Textil, Textilien, Textilindustrie, Textilwaren | Kürzel hiervon
  • Theorie, theoretisch [theoretisch], Theoretiker | Kürzel hiervon
  • tief, tiefer, tiefste, Tiefe, vertiefen, Vertiefung, tiefschürfend | Kürzel hiervon

Quellen

  • Johnen, Christian (1940): Allgemeine Geschichte der Kurzschrift. 4., völlig neubearb. Aufl., Berlin: Apitz (293 S.) - beste und ausführlichste deutsche Gesamtdarstellung.
  • Lambrich, Hans/Kennerknecht, Aloys (1962): Entwicklungsgeschichte der Deutschen Einheitskurzschrift. Darmstadt: Winkler (304 S.)
  • Mentz, Arthur/Haeger, Fritz (1980?): Geschichte der Kurzschrift. Wolfenbüttel: Heckners.
  • Moser, Franz/Erbach, Karl (1979/1995): Lebendige Kurzschriftgeschichte. 8., neubearb. Aufl., Darmstadt: Winklers.
  • Sander, Beate/Karpenstein, Hans (1975 und später): Art und Bau der wichtigsten Kurzschriften. 3. Aufl. ff., Darmstadt: Winkler (144 S.)
  • Schneider, Laurenz/Blauert, Georg (1936): Geschichte der Deutschen Kurzschrift. Wolfenbüttel: Heckners.
  • Zum Schluss ein aktuelles Lehrbuch der DEK: Drews (1999): Steno heute. (Band 1: Verkehrsschrift). 5. Aufl., Troisdorf: Bildungsverlag eins, ISBN 3-8242-6100-6

Weblinks


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