Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Sternbild

Sternbild Bedeutung, Erklärung und Definition.

Ein Sternbild ist eine Gruppe von Sternen, die ein auffĂ€lliges Muster bilden. Auch wenn die Sterne eines Sternbilds am Himmel nahe beieinander zu liegen scheinen, sind sie oft doch weit voneinander entfernt, da sie ganz unterschiedliche Entfernungen zur Erde haben. Sternbilder sind also Beispiele einer Pseudo-Struktur oder Scheinstruktur. Sie basieren auf der natĂŒrlichen Veranlagung des Gehirns, in jedem zufĂ€llig erzeugten Muster Strukturen erkennen zu wollen.

Table of contents
1 Ursprung der Sternbilder
2 Heutige Sternbilder
3 Asterismen und Sternbilder anderer Kulturen
4 Weblinks
5 Liste der 88 Sternbilder

Ursprung der Sternbilder

Es gibt Spekulationen, die schon im Stiersaal der Höhle von Lascaux einen kompletten Tierkreis sehen. Die Identifikation jedenfalls einer Gruppe von Punkten oberhalb des Auerochsen als die Plejaden scheint wahrscheinlich, da sowohl die Position relativ zum Auerochsen (Stier) als auch die relativen Positionen der sechs Punkte zueinander derjenigen der Plejaden entspricht. Das erfordert jedoch die implizite Annahme, im Auerochs ein Sternbild zu identifizieren.

Der Geograph Kai Helge Wirth stellte die Theorie auf, dass die Sternbilder Karten zur Navigation von Schiffen sind. Projiziert man die Sternbilder auf die Erde, so passen viele von ihnen zu KĂŒstenverlĂ€ufen in Europa und der Karibik. Er nimmt an, dass sich die ersten Seefahrer mit Hilfe der Sternbilder die Schiffsrouten entlang der KĂŒsten merkten. Die genaue Übereinstimmung der Sternbilder mit den KĂŒstenlinien erfordert allerdings geographische Kenntnisse, deren Kenntnis vor Ende des Mittelalters spekulativ ist (z.B. Bestimmung der LĂ€ngengrade).

Die ersten gesicherten Sternbilder, besonders die Tierkreiszeichen gehen bis auf die Babylonier zurĂŒck. Eratosthenes und einige Jahrhunderte spĂ€ter PtolemĂ€us beschrieben vor knapp 2000 Jahren 48 Sternbilder, die hauptsĂ€chlich nach Gestalten aus der griechischen Mythologie benannt sind. SpĂ€ter legten dann vor allem Johann Bayer, Johannes Hevelius und Nicolas Louis de Lacaille weitere Sternbilder fest, die wir heute noch benutzen.

Da seit der Erfindung des Teleskops immer mehr Sterne und Nebel gefunden und katalogisiert wurden, fĂŒhrte man neue Sternbilder ein, um die Übersicht zu bewahren. Einige neue Sternbilder waren politisch motiviert. Zum Beispiel war das Sternbild Schild dem polnischen König Jan III. Sobieski gewidmet. Viele sĂŒdliche Sternbilder wurden von Nicolas Louis de Lacaille um 1750 neu hinzugefĂŒgt und sollten den technischen Fortschritt symbolisieren, etwa der chemische Ofen oder die Luftpumpe.

Die Anzahl der bekannten Objekte nahm aber so sehr zu, dass sich allzu viele dieser Erweiterungen als unpraktisch erwiesen, und so verschwanden die spĂ€teren wieder. Dazu zĂ€hlen das Brandenburgische Szepter oder der königliche Stier von Poniatowski. In einem Sternatlas von 1801 von Johann Elert Bode sind sogar noch weitere neue Sternbilder eingetragen, insgesamt 99, wie etwa der "Heißluftballon", die "Buchdruckerwerkstatt", oder die "Katze". Davon hat sich aber keines durchgesetzt. Das althergebrachte Sternbild Antinous, das der römische Kaiser Hadrian zu Ehren seines im Nil verunglĂŒckten Favoriten eingefĂŒhrt hatte (der Legende nach opferte sich Antinous, um das Leben Hadrians zu verlĂ€ngern), wird heute ebenfalls nicht mehr benutzt.

Heutige Sternbilder

1922 wurden von der Internationalen Astronomischen Union die noch heute gĂŒltigen 88 Sternbilder festgelegt und ihre exakten Grenzen definiert. Das riesige Sternbild Argo (das Schiff der Argonauten) wurde dabei in Vela (das Segel), Puppis (das Achterdeck), und Carina (den Kiel) aufgeteilt. Das Sternbild Serpens (Schlange) besteht aus zwei nicht zusammenhĂ€ngenden Teilen, Serpens Caput und Serpens Cauda. ZĂ€hlte man diese getrennt als zwei Sternbilder wĂ€ren es 89. Die Sternbilder werden oft durch drei Buchstaben abgekĂŒrzt, z. B. bei der Bezeichnung von Sternen: Der Hauptstern im Schwan (Cygnus), α Cygni ist abgekĂŒrzt α Cyg.

Zwölf der dreizehn Sternbilder, die von der Ekliptik geschnitten werden, stimmten vor ca. 2500 Jahren mit den Tierkreiszeichen der Astrologie ungefĂ€hr ĂŒberein, haben sich aber im Zuge der PrĂ€zession gegen diese verschoben. Vom dreizehnten Sternbild, Ophiuchus, ragt allerdings nur ein Fuß ĂŒber die Ekliptik.

Asterismen und Sternbilder anderer Kulturen

Ein Asterismus ist eine Gruppe von Sternen, die allgemein bekannt ist, aber nicht als Sternbild gilt. Der bekannteste Asterismus ist der große Wagen, dessen Sterne einen Teil des großen BĂ€ren ausmachen. Andere Asterismen sind das Sommerdreieck und das Wintersechseck. Im Altertum war das Sternbild Haar der Berenike nur ein Asterismus, wird aber spĂ€testens seit der Renaissance als Sternbild anerkannt.

Die australischen Aborigines und die San (Buschleute) im sĂŒdlichen Afrika kennen außer den durch Sternen gebildeten Bilder noch weitere. Die dunklen Staubwolken vor dem Band der Milchstraße werden von den Aborigines als Emu, von den San als Strauß erkannt. Dies sind die grĂ¶ĂŸten "Stern"bilder am Himmel. Daneben kennen zumindest die Aborigines noch weitere.

Bei den Azteken spielte das Sternbild des Feuerbohrers eine große Rolle. Welche Sterne dieses bildeten, ist heute umstritten.

Pazifischer Raum

Die pazifischen Völker haben nur wenige Sterne und Sternbilder benannt. Neben den Plejaden, deren Sichtbarkeit am östlichen Abendhimmel den Jahresanfang markiert, sind vor allem Dinge der alltÀglichen Umwelt und Meeresbewohner als Sternbilder verewigt. WÀhrend einige Sternbilder deckungsgleich mit den westlichen sind, unterscheiden sich die Grenzen der meisten.

Die Bewohner der Insel Manus nördlich von Papua-Neuguinea kennen unter anderem die folgenden Bilder: Die GĂŒrtelsterne des Orion gelten als Kanuinsassen, die SĂŒdliche Krone als Netz, der Fluss Eridanus als Fischnetz. Ein riesiges Sternbild ist der Vogel mit den Sternen Sirius, Canopus und Procyon. Zu den Meerestieren zĂ€hlen die Krabbe (Nördliche Krone), und als Fische der Hai (Teile des SchĂŒtzen und des Skorpions), der Stachelrochen (der Teil des Skorpions mit den Scheren) und weitere Fischarten, die zum Beispiel im Delfin oder in einigen Sternen des Zirkel gesehen werden.

Mit den Sternbildern sind keine Sagen verbunden, sondern höchstens kurze Geschichte, die sich in wenige Worte fassen lassen. Besonders die Fischsternbilder spielen hierbei eine interessante Rolle. In der Hauptfangsaison steht keines davon am Himmel, sondern nur wenn sich das Fischen nicht lohnt. Die Sternbilder am Himmel symbolisieren so die Abwesenheit der Fische im Meer. Auch der Beginn des Monsuns wird in Verbindung mit dem dann gerade aufgehenden Sternbild Vogel gebracht.

Anders als andere Kulturen benutzten die Manus die Sternbilder nicht zur Navigation, weil man nach ihrer Aussage "jeden Stern nehmen kann, denn sie bewegen sich alle gleich"

Weblinks

Liste der 88 Sternbilder

Lateinischer Name deutscher Name AbkĂŒrzung Lat. Genitiv Hauptstern Festgelegt durch
Andromeda Andromeda And Andromedae Alpheratz (Sirrah) PtolemÀus
Antlia (Pneumatica)* Luftpumpe Ant Antliae   Lacaille
Apus Paradiesvogel Aps Apodis   Bayer
Aquarius Wassermann Aqr Aquarii Sadalmelik PtolemÀus
Aquila Adler Aql Aquilae Altair PtolemÀus
Ara Altar Ara Arae   PtolemĂ€us
Aries Widder Ari Arietis Hamal PtolemÀus
Auriga Fuhrmann Aur Aurigae Capella PtolemÀus
Bootes BĂ€renhĂŒter Boo Bootis Arcturus PtolemĂ€us
Caelum [Caela Sculptori]** Grabstichel (Werkzeug des Bildhauers)** Cae Caeli   Lacaille
Camelopardalis Giraffe Cam Camelopardalis   Plancius
Cancer Krebs Cnc Cancri Acubens PtolemÀus
Canes Venatici Jagdhunde CVn Canum Venaticorum Cor Caroli Hevelius
Canis Major Großer Hund CMa Canis Majoris Sirius PtolemĂ€us
Canis Minor Kleiner Hund CMi Canis Minoris Prokyon PtolemÀus
Capricornus Steinbock Cap Capricorni Deneb Algedi PtolemÀus
Carina Kiel des Schiffs Car Carinae Canopus Lacaille
Cassiopeia Cassiopeia Cas Cassiopeiae Schedir PtolemÀus
Centaurus Zentaur Cen Centauri Rigil Kentaurus PtolemÀus
Cepheus Kepheus Cep Cephei Alderamin PtolemÀus
Cetus Walfisch Cet Ceti Menkar PtolemÀus
Chamelaeon ChamĂ€leon Cha Chamaeleontis   Bayer
Circinus Zirkel Cir Circini   Lacaille
Columba Taube Col Columbae Phakt Plancius
Coma Berenices Haar der Berenike Com Comae Berenices Diadem PtolemÀus
Corona Australis SĂŒdliche Krone CrA Coronae Australis Alfecca Meridiana PtolemĂ€us
Corona Borealis Nördliche Krone CrB Coronae Borealis Alphekka (Gemma) PtolemÀus
Corvus Rabe Crv Corvi Alchiba PtolemÀus
Crater Becher Crt Crateris Alkes PtolemÀus
Crux (Australis)* Kreuz des SĂŒdens Cru Crucis Australis Acrux Hevelius
Cygnus Schwan Cyg Cygni Deneb PtolemÀus
Delphinus Delfin Del Delphini Sualocin PtolemÀus
Dorado Schwertfisch Dor Doradus   Bayer
Draco Drache Dra Draconis Thuban PtolemÀus
Equuleus FĂŒllen Equ Equulei Kitalpha PtolemĂ€us
Eridanus Fluss Eridanus Eri Eridani Achernar PtolemÀus
Fornax (Chemica)* Chemischer Ofen* For Fornacis Fornacis Lacaille
Gemini Zwillinge Gem Geminorum Castor PtolemÀus
Grus Kranich Gru Gruis Al Nair Bayer
Hercules Herkules Her Herculis Ras Algethi PtolemÀus
Horologium Pendeluhr Hor Horologii   Lacaille
Hydra Wasserschlange Hya Hydrae Alphard PtolemÀus
Hydrus Kleine Wasserschlange Hyi Hydri   Bayer
Indus Inder Ind Indi   Bayer
Lacerta Eidechse Lac Lacertae   Hevelius
Leo Löwe Leo Leonis Regulus PtolemÀus
Leo Minor Kleiner Löwe LMi Leonis Minoris Praecipua Hevelius
Lepus Hase Lep Leporis Arneb PtolemÀus
Libra Waage Lib Librae Zuben Elgenubi PtolemÀus
Lupus Wolf Lup Lupi   PtolemĂ€us
Lynx Luchs Lyn Lyncis   Hevelius
Lyra Leier Lyr Lyrae Wega PtolemÀus
Mensa Tafelberg Men Mensae   Lacaille
Microscopium Mikroskop Mic Microscopii   Lacaille
Monocerus Einhorn Mon Monocerotis   Hevelius
Musca Fliege Mus Muscae   Hevelius
Norma Winkelmaß Nor Normae   Lacaille
Octans Oktant Oct Octantis   Lacaille
Ophiuchus SchlangentrÀger Oph Ophiuchi Ras Alhague PtolemÀus
Orion Orion Ori Orionis Beteigeuze PtolemÀus
Pavo Pfau Pav Pavonis Joo Tseo (Peacock) Bayer
Pegasus Pegasus Peg Pegasi Markab PtolemÀus
Perseus Perseus Per Persei Mirphak (Algenib) PtolemÀus
Phoenix Phoenix Phe Phoenicis Ankaa Bayer
Pictor [Equuleus Pictoris]** Maler(staffelei)* Pic Pictoris   Lacaille
Piscis Austrinus SĂŒdlicher Fisch PsA Piscis Austrini Fomalhaut PtolemĂ€us
Pisces Fische Psc Piscium Alrischa PtolemÀus
Puppis Achterdeck des Schiffs Pup Puppis Naos Lacaille
Pyxis (Nautica)* Schiffskompass (Kompass des Seefahrers)** Pyx Pyxidis   Lacaille
Reticulum Netz Ret Reticuli   Lacaille
Sagitta Pfeil Sge Sagittae Sham PtolemÀus
Sagittarius SchĂŒtze Sgr Sagittarii Rukbat PtolemĂ€us
Scorpius Skorpion Sco Scorpii Antares PtolemÀus
Sculptor [Apparatus sculpturis]** Bildhauer(werkstatt)* Scl Sculptoris   Lacaille
Scutum Schild Sct Scuti   Hevelius
Serpens Schlange Ser Serpentis Unukalhai PtolemÀus
Sextans Sextant Sex Sextantis   Hevelius
Taurus Stier Tau Tauri Aldebaran PtolemÀus
Telescopium Teleskop Tel Telescopii   Lacaille
Triangulum Australis SĂŒdliches Dreieck TrA Trianguli Australis Atria Bayer
Triangulum Dreieck Tri Trianguli Metallah PtolemÀus
Tucana Tukan Tuc Tucanae   Bayer
Ursa Major Großer BĂ€r (Großer Wagen) UMa Ursae Maioris Dubhe PtolemĂ€us
Ursa Minor Kleiner BÀr (Kleiner Wagen) UMi Ursae Minoris Polaris PtolemÀus
Vela Segel des Schiffs Vel Velorum Suhail al Muhlif Lacaille
Virgo Jungfrau Vir Virginis Spica PtolemÀus
(Piscis) Volans* Fliegender Fisch Vol Volantis   Bayer
Vulpecula Fuchs Vul Vulpeculae   Hevelius
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Mit '**' kennzeichnet Namen die komplett geĂ€ndert wurden. Der ursprĂŒngliche Name steht in eckigen Klammern '[ ]'
Farben: Nördlicher Sternenhimmel SĂŒdlicher Sternenhimmel


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