Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Tradition

Tradition Bedeutung, Erklärung und Definition.

Tradition heißt "Überlieferung" und bezeichnet die Überlieferung des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche in einer Kultur oder einer Gruppe. Der Gebrauch des Wortes ist allerdings nicht einheitlich. Unter Tradition versteht man unter anderem:
  1. das Überlieferte, die Überlieferung selbst
  2. Gepflogenheiten, Konventionen
  3. das Überliefern, die Weitergabe

Table of contents
1 Begriff
2 Traditionskritik
3 Tradition in den Kultur- und Geisteswissenschaften
4 Tradition und Religion
5 Zitate
6 Weiteres

Begriff

Allgemein

Tradition stammt von lateinisch traditio ("Übergabe, Auslieferung, Überlieferung"). Das Substantiv leitet sich wiederum her vom Verb tradere (aus "trans-" 'hinüber-' und -dare 'geben'). Die Wortbedeutung entspricht weitgehend dem altgriechischen Wort paradosis.
Insgesamt lassen sich zwei Hauptbedeutungen unterscheiden: 1. Tradition als kulturelles Erbe und 2. Tradition als Tradierung. Forschungen zum Begriff und zum Verhältnis der beiden Hauptbedeutungen fallen in den Bereich der Traditionstheorie.

Tradition als kulturelles Erbe

Unter Tradition wird in der Regel die Überlieferung der Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten sowie der Sitten und Gebräuche einer Kultur oder einer Gruppe verstanden. Tradition ist in dieser Hinsicht das kulturelle Erbe, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliches Wissen und handwerkliche Kunst gehören ebenso dazu, wie Rituale, moralische Regeln und Speiseregeln.
Neben diesen hochkulturellen Inhalten werden zuweilen auch nur temporär gültige Üblichkeiten als Tradition bezeichnet. In diesem Sinne wird der Ausdruck traditionell gebraucht; es ist das Übliche und Gewohnte. Der eher bildungssprachliche Ausdruck traditional wird dagegen auf die hochkulturellen Inhalte bezogen.

Tradition als Tradierung

Seltener bezeichnet Tradition die Tradierung, also den Prozess der Überlieferung selbst, auch wenn in systematischer Hinsicht der Traditionsprozess die Grundlage für die Tradition als kulturelles Erbe bildet.

Traditionstheorie

Traditionstheorien gibt es in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen: In der Ethnologie, der Soziologie, der Philosophie, der Theologie, der Literaturwissenschaft und der Rechtswissenschaft. Dabei konzentrieren sich die einzelnen Wissenschaften jeweils auf Teilaspekte des Phänomens Tradition. Bislang liegt kein Ansatz für eine systematisch entwickelte Traditionstheorie vor.
Vor allem die Soziologie hat sich dem Phänomen Tradition zugewandt: Max Weber zählt die Orientierung an Tradition zu einem der vier Grundtypen sozialen Handelns. Edward Shils und Shmuel N. Eisenstadt haben der Entwicklung der Traditionstheorie für die Soziologie große Bedeutung beigemessen und ihre Überlegungen dazu monographisch dargelegt.
Auch der Philosoph Karl Popper sah die Entwicklung einer Traditionstheorie vor allem als Aufgabe der Soziologie.
Auf philosophischer Seite haben sich insbesondere Josef Pieper, die so genannte Ritter-Schule und Alasdair MacInytre mit traditionstheoretischen Fragen befasst: Pieper hat vor allem die Verbindung von mittelalterlicher Philosophie und Katholizismus in den Blick genommen. Die Ritter-Schule hat Tradition vor allem wegen der geschichtlichen Einbettung allen kulturellen Lebens diskutiert. MacIntyre hat als Kommunitarist auf die Notwendigkeit traditionaler und regional gültiger Maßstäbe für die gegenwärtige Ethik und Politik verwiesen.

Traditionskritik

Historisch-kritische Methode

Traditionskritik ist zum einen der Name einer Methode der historisch-kritischen Textforschung. Die Methode dient dazu, in verschriftlichten Texten die zugrundeliegenden mündlich verbreiteten Fassungen zu rekonstruieren (beispielsweise bei biblischen Texten, Lehrmärchen, Gebetssammlungen, Mythen).

Hierzu bedient sich die historisch-kritische Methode insbesondere

a) der Textkritik, also der kritischen Untersuchung, ob der heute vorliegende Text in der Zeit Veränderungen unterlegen ist, oder ob er das die originale Vorlage widergibt.

b) der Formkritik, in der untersucht wird, welcher Aussageform sich der Text bedient.

Kritik der Tradition

Traditionskritik ist zum anderen eine Bezeichnung der Kritik an Tradition als dem überlieferten, kulturellen Bestand.
Tradition wird problematisch, wenn Formen sich verselbstständigen, deren ursprünglicher Sinn verloren ging.
In Europa begann mit Rationalismus und Aufklärung ein kritisches Infragestellen überlieferter Formen des Wissens, Glaubens und der Moral. Mit der Betonung des Vernunftprinzips (das an die Stelle des reformatorischen Schriftprinzips trat) wurde die Gültigkeit jedes Traditionsprinzips in Frage gestellt. Darauf reagierte schon frühzeitig der Französische Traditionalismus, Ausdruck der konservativen Reaktion. Das Kräftemessen von Tradition und Vernunft hält bis in die Gegenwart an. Zusammen mit der Eigendynamik eines rationalisierenden Kapitalismus und den Folgen kultureller und ökonomischer Globalisierung ist derzeit eine weltweite Revision überkommener Werte und Überlieferungen zu beobachten. Als Gegenreaktion sind ebenfalls weltweit fundamentalistische Tendenzen zu verzeichnen. Wie schon der Französische Traditionalismus ist die konservative Reaktion in der Gegenwart häufig religiös legitimiert und gewaltbereit.

Tradition in den Kultur- und Geisteswissenschaften

Ethnologie

Geschichtswissenschaft

In den vergangenen Jahren sind so genannte "erfundene Traditionen" ("invented traditions", vergleiche Eric Hobsbawm), die zur Legitimierung bestimmter Dinge und Handlungsweisen dienen sollen, zunehmend ins Blickfeld der Historiker gekommen.

Rechtswissenschaft

In der antiken Rechtssprache (römisches Recht) war Tradition (traditio) der Übergabeakt einer (beweglichen) Sache zum Beispiel bei der Vererbung und beim Kauf. Daher auch die noch heute manchmal begegnende Verwendung von Tradition als Auslieferung (vergleiche englisch: trade).

In der modernen Rechtswissenschaft bezeichnet Traditionstheorie einen bestimmten Ansatz zur Abgrenzung des öffentlichen Rechts vom Privatrecht. Die Traditionstheorie bezeichnet danach die Auffassung, dass bestimmte Rechtsgebiete traditionell dem öffentlichen Recht zugeordnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Rechtsstreitigkeiten innerhalb des Polizei-, des Ordnungs- und des Verwaltungsrechtes.
Neben der Traditionstheorie gibt es als weitere Abgrenzungstheorien die Interessentheorie, die Subordinationstheorie (auch: Subjektstheorie) und die Sonderrechtstheorie (auch: modifizierte Subjektstheorie]].

Tradition und Religion

Allgemein

bitte ergänzen.

Tradition im Judentum

Tradition ist im Judentum immer im Zusammenhang von Tradierung, Lehre und Erinnerung gesehen worden. In Deuteronomium 6 (5. Mose 6) findet sich die Anweisung, das jüdische Glaubensbekenntnis als Summe des (göttlichen) Gesetzes an den Sohn weiter zu geben, dass dieser es an seinen Sohn weiter gebe. Außerdem soll die Erinnerung an die Geschichte des eigenen Volkes, ihre Werdung und den geschnitteten Bund mit Gott am Berge Sinai tradiert werden.

Kern des jüdischen Traditionsverständnisses ist das Gesetz, die Tora. Bei der Überlieferung der Tora wird unterschieden zwischen der schriftlichen Tora (die so genannten fünf Bücher Mose) und der mündlichen Tora, der überlieferten Auslegung der schriftlichen Tora. Diese ist wiederum zum Teil verschriftlicht im Talmud.

Einen eigenen Begriff für solche Tradition gibt es im Tanach nicht. Es gibt wohl das Wort magan, das überliefern im Sinne von ausliefern meint, nicht aber im hier behandelten Sinn. Ein solches Wort entwickelt sich erst später aus dem Wort masorät (das Verpflichtende, Bindende). Daraus leiten sich die Bezeichnung Masoreten ab, die im speziellen für eine jüdische Gelehrtengruppe des Mittelalters gebraucht wird. Die Masoreten bemühten sich um eine möglichst genaue schriftliche Überlieferung der Tora. Sie erstellten unter hinzufügen der Masora, einem umfangreichen textkritischen Apparat, den sogenannten Masoretischen Text. Masora gilt heute als Kernbegriff des jüdischen Überlieferungsverständnisses.

Tradition im Christentum

Katholizismus

In der
römisch-katholischenen Kirche wird unter Tradition die nachbiblische, aber genauso verbindliche Glaubenslehre seit den Aposteln und Kirchenvätern verstanden. Als Traditionsprinzip dient diese Glaubenslehre in der römisch-katholischen Exegese zur Auslegung der christlichen Heiligen Schrift; nach römisch-katholischer Auffassung kann die wahre Aussage christlich-biblischer Texte nur durch die Auslegungstradition der Kirche verstanden werden. Das Traditionsprinzip ergänzt demnach das Schriftprinzip.

Christliche Orthodoxie

Der Begriff der Orthodoxie verweist bereits auf die beiden wesentlichen Aspekte des orthodoxen Traditionsverständnisses: Orthodoxie heißt zugleich "richtiger Glaube" und " richtiger Lobpreis".
Die "Rechtgläubigkeit" bezieht sich vor allem auf die biblische Überlieferung. Für den orthodoxen Glauben ist wichtig, sich dem Ursprünglichen zuzuwenden und diesem Ursprünglichen treu zu bleiben. Der biblische Text gilt als Garant einer ursprünglichen Überlieferung. An diesem Punkt unterschiedet sich die Orthodoxie wesentlich vom römischen Katholizismus, der neben der Bibel noch die kirchliche Lehrtradition stellt. In den Anfängen de Reformation sahen die ersten Reformatoren in den orthodoxen Kirchen mögliche Verbündete. Erste Kontaktaufnahmen bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts blieben am Ende aber folgenlos.
Der "rechte Lobpreis" bezieht sich auf den liturgischen Gottesdienst. Die sogenannte "Göttliche Liturgie" wird seit gut 1000 Jahren in unveränderter Form gefeiert. Allerdings haben sich unterschiedliche Varianten dieser Liturgie entwickelt. Die bekannteste Form geht auf die Liturgie aus Konstantinopel zurück und ist in allen Orthodoxen Kirchen in Gebrauch. Diese liturgische Tradition hat eine ebenso große Bedeutung wie die biblische Lehre.

Selektionsmuster:

Protestantismus

Seit der Reformationszeit, in der das
römisch-katholischee Traditionsverständnis kritisiert wurde, entwickelte sich der Begriffsgegensatz von christlicher Heiliger Schrift und Tradition. Das Traditionsprinzip wurde zugunsten des Schriftprinzips als notwendiges Element des wahren Schriftverständnisses aufgegeben; nach evangelischer Lehre ist die heilige Schrift selbsterklärend und deshalb allein die Schrift verbindlich für Fragen des Glaubens (vergleiche sola scriptura). In einer gewissen Spannung hierzu stehen die neuen Traditionen, die sich in den einzelnen evangelischen Konfessionen herausgebildet haben.

Die neuzeitliche Traditionskritik der Aufklärung verdankt sich wesentlich des traditionskritischen Impulses der Reformation, ging aber auch wesentlich darüber hinaus, indem sie auch die Bibel selbst als zu kritisierende Tradition verstand.

Tradition im Islam

Im Kern des islamischen Traditionsverständnisses steht der Begriff der Sunna (arabisch für "Tradition, Überlieferung"). Weil im Koran als dem geoffenbarten Gotteswort nicht für alle Lebensbereiche Regeln niedergeschrieben waren, hat sich nach dem Tod Mohammeds ein Lehr- und Rechtssystem entwickelt, das verschiedene säkulare Rechts- und Brauchtumstraditionen aufnahm und in Verbindung mit Mohammed religiös fundierte. Nach zunächst mündlicher Überlieferung in vier verschiedenen Rechtsschulen, die auf verschiedene Imame als Nachfolger Mohammeds zurückgehen, wurde die Sunna gut 200 Jahre nach Mohammeds Tod in mehreren Büchern verschriftlicht.
Die überlieferten Rechtssammlungen gelten nicht in allen islamischen Glaubensrichtungen. Die Sunniten halten alle vier Rechtsschulen für orthodox und akzeptieren die gesamte Sunna. Die Schiiten halten nur die Rechtstradition jener Gelehrten für orthodox, die sich zu Ali ibn Abi Talib als einzig legitimen Nachfolger Mohammeds bekennen.

Zitate

"Tradition ist nicht das Halten der Asche
sondern das Weitergeben der Flamme."
Thomas Morus (1477/78-1535)

"Es erben sich Gesetz und Rechte
Wie eine ewge Krankheit fort;
Sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte
Und rücken sacht von Ort zu Ort.
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;
Weh dir, dass du ein Enkel bist!
Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
Von dem ist, leider! nie die Frage."
Goethe, Faust I

Weiteres

Literatur

  • Aleida Assmann: Zeit und Tradition. Kulturelle Strategien der Dauer (1999) ISBN 3-412-03798-2
  • Karsten Dittmann: Tradition und Verfahren (2004) ISBN 3-8334-0945-2
  • Samuel N. Eisenstadt: Tradition, Wandel und Modernität (1973; dt. 1979) ISBN 3-518-57901-0
  • Josef Pieper: Über den Begriff der Tradition (1958)
  • Leonhard Reinisch (Hrsg.): Vom Sinn der Tradition (1970) ISBN 3-406-02468-8
  • Edward Shils: Tradition (1981) ISBN 0-226-75325-5

Weblinks

Siehe auch: Kultur, Folklorismus, Historizismus


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