Erklärung, Beschreibung und Bedeutung über Walross

Walross Bedeutung, Erklärung und Definition.

Walross

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Walrosse (Odobenidae)
Gattung: Odobenus
Art: Walross (Odobenus rosmarus)
Das Walross (Odobenus rosmarus) ist eine Robbe, die in den kalten Meeren der Nordhalbkugel vorkommt. Zwei Unterarten, das Atlantische (O. r. rosmarus) und das etwas größere Pazifische Walross (O. r. divergens), werden unterschieden.

Das Walross gehört zur Ordnung der Raubtiere, und ist die einzige Art in der Familie der Walrosse (Odobenidae). Der zoologische Name Odobenus ist aus dem griechischen odous (Zahn) und baino (gehen) abgeleitet, und leitet sich von der Beobachtung her, dass Walrosse sich an Land mit ihren Stoßzähnen vorwärts ziehen. Rosmarus ist vom schwedischen Wort für Walross abgeleitet. Divergens (wegdrehen) kommt aus dem lateinischen, und bezieht sich auf die Stoßzähne.

Table of contents
1 Merkmale
2 Lebensraum
3 Lebensweise
4 Menschen und Walrosse
5 Sonstiges
6 Weblinks
7 Literatur

Merkmale

Das auffälligste Merkmal des Walrosses sind die langen Stoßzähne. Sie sind bei beiden Geschlechtern vorhanden, die Männchen aber haben in der Regel längere Stoßzähne. Im Schnitt werden die Stoßzähne 50 cm lang, ausnahmsweise werden aber Rekordlängen von 1 m beobachtet. Außerdem kennzeichnend ist der Borstenbart, der von der Oberlippe herabhängt. Dieser wird beim Leben in freier Wildbahn jedoch weitgehend abgenutzt und ist nur bei im Zoo gehaltenen Tieren so prominent. Insgesamt werden Walrossbullen 350 cm lang, die Kühe hingegen 3 m; das Gewicht eines Männchens liegt über einer Tonne, Weibchen wiegen um 800 kg.

Walrosse wirken aus der Entfernung kahl, sind aber in Wahrheit von einem kurzen, stoppeligen Haarkleid bedeckt. Die Haut ist extrem dick (4 cm) und faltig. Bei der Geburt haben Walrosse eine kräftig rotbraune Farbe, im Alter werden sie immer blasser und sind schließlich gelblichbraun. An der Farbe eines Walrosses kann man daher sein Alter abschätzen.

Bei jungen Walrossen sind auch die Stoßzähne nicht entwickelt. Sie haben noch eine vollständige Bezahnung. Sowie die Hauer (die beiden oberen Eckzähne) zu wachsen beginnen. Die Schneidezähne fallen während des Wachstums aus, und die Backenzähne sind ohnehin verkümmert.

Wie die wahrscheinlich verwandten Ohrenrobben haben Walrosse sehr bewegliche Flossen, die eine bessere Beweglichkeit an Land erlauben als beispielsweise die Flossen der Seehunde. Der Penisknochen des Bullen ist mit einer Länge von über 60 cm der längste im Tierreich, sowohl in absoluter Länge als auch in Relation zur Körpergröße.

Lebensraum

Meistens leben Walrosse auf dem Treibeis der Arktis. Im Winter ziehen sie südwärts, um dem Packeis auszuweichen, verlassen aber die polaren Breiten in der Regel nicht. Es gibt vier voneinander getrennte Populationen:

  1. Das Pazifische Walross hält sich im Winter im Beringmeer auf; im Sommer durchqueren die Populationen die Beringstraße in Richtung Norden und suchen den Packeisrand in der Tschuktschensee auf.
  2. Die westlichen Populationen des Atlantischen Walrosses leben zwischen der Hudson Bay und der Westküste Grönlands.
  3. Die östlichen Populationen des Atlantischen Walrosses leben zwischen der Ostküste Grönlands und Spitzbergen.
  4. An der Nordküste Sibiriens lebt eine weitere Population, die gelegentlich als eine dritte Unterart (Laptewsee-Walross, O. r. laptevi) eingestuft wird.

Lebensweise

Ernährung

Walrosse ernähren sich im Wasser, wo sie bis zu 100 m tief und über 30 Minuten lang tauchen. Sie fangen gelegentlich Fische, leben aber vorwiegend von Muscheln, Schnecken und Krebstieren. Bei der Suche nach diesen Organismen des Meeresbodens setzen sie ihren Borstenbart ein, mit dem sie den Sand durchkämmen. Die Stoßzähne kommen bei der Nahrungssuche nicht zum Einsatz. Muscheln und Schnecken werden entweder zwischen den Vorderflossen oder durch festes Aufeinanderdrücken der Lippen geknackt.

Obwohl Kleintiere die Hauptnahrung ausmachen, überwältigt das Walross manchmal auch sehr große Beute. Vor allem andere Robben fallen gelegentlich einem Walross zum Opfer. Jagd auf Robben machen fast ausschließlich männliche Tiere, die einzelgängerisch Leben. Wie Lopez berichtet, sind die Eckzähne dieser Tiere dann kreuz und quer gekerbt, da die Krallen der Robben, die um ihr Leben kämpfen, hier ihre Spuren hinterlassen. In manchen Fällen kam es auch zu Kannibalismus, wobei ein altes Tier neugeborene Walrosse fraß.

Feinde hat das Walross kaum zu fürchten. Der Eisbär versucht gelegentlich eine Herde in Flucht zu versetzen, um zurückbleibende Einzel- oder Jungtiere zu erbeuten, wird sich aber hüten, ein ausgewachsenes Tier anzugreifen.

Sozialverhalten

Die Hälfte ihres Lebens halten sich Walrosse an Küsten arktischer Inseln oder am Packeisrand auf, wo sie sich in großen Herden versammeln. Außerhalb der Paarungszeit sind diese Herden nach Geschlechtern getrennt. Es gibt eine feste Rangordnung, die sich nach der Größe der Stoßzähne und der Körpergröße richtet. Vor allem zwischen den Bullen kommt es selbst außerhalb der Paarungszeit zu Auseinandersetzungen, deren Grund ein bevorzugter Ruheplatz an Land sein kann. Haben Drohgebärden keinen Erfolg, kommt es zu Kämpfen, bei denen die Stoßzähne eingesetzt werden und die mit blutigen Wunden enden können.

Zur Paarungszeit sammeln sich Walrosse zu noch größeren Herden, die - wo die Bejagung durch den Menschen noch keine gravierenden Folgen hatte - mehrere tausend Tiere umfassen; Küstenlinien von 100 km und mehr werden dann von den Kolonien eingenommen. Jüngere und schwächere Männchen haben in diesem Konkurrenzkampf keine Chance und sammeln sich an Randplätzen der Kolonie. Auf zwanzig Kühe kommt in der Kolonie ein Bulle, der kräftig genug ist, einen Harem zu führen. Auch hier kommt es zwischen konkurrierenden Bullen zu heftigen Kämpfen.

Fortpflanzung

Die Paarung findet wahrscheinlich im Wasser statt. Nach der Befruchtung bleibt das Ei zuerst über einige Monate dormant (entwickelt sich nicht weiter), bevor die elfmonatige eigentliche Tragzeit beginnt. Eine trächtige Kuh bringt nur ein Kalb zur Welt. Die Kälber sind knapp 1 m lang und können sofort schwimmen. Nach zwei Jahren werden die Jungtiere entwöhnt, bleiben aber noch ein bis drei weitere Jahre bei dem Muttertier. Weibchen werden mit sechs, Männchen mit neun bis zehn Jahren geschlechtsreif.

Ein Walross kann bis zu 40 Jahre alt werden.

Menschen und Walrosse

Vor allem für die Inuit hat das Walross seit jeher eine große Bedeutung gehabt, sowohl in religiöser Hinsicht als auch für den Alltagsbedarf. Es lieferte Fleisch und Tran, und die Stoßzähne waren wie die übrigen Knochen in den völlig baumlosen Gegenden wertvolles Baumaterial. Die Jagd durch die Inuit konnte die Bestände aber nicht gefährden.

Mit dem Vordringen weißer Jäger in die arktischen Meere wurde die Situation für die Walrosskolonien fatal. Sie wurden nun intensiv bejagt, vor allem um des Elfenbeins ihrer Stoßzähne wegen. Entlang der Ostküste Nordamerikas kamen sie bis nach Cape Cod und im Golf von St. Lorenz vor. Hier wurden im 16. und 17. Jahrhundert jedes Jahr mehrere tausend Walrosse getötet. Im 19. Jahrhundert gab es südlich von Labrador kein einziges Walross mehr. Auf der Suche nach noch nicht erloschenen Kolonien drangen die Jäger in immer entlegenere Regionen vor. Einen Eindruck von den Dimensionen des Gemetzels bekommt man bei der Schätzung, dass allein zwischen 1925 und 1931 an den Küsten der kanadischen Arktisinsel Baffinland 175.000 Walrosse getötet wurden. Das Atlantische Walross war dadurch zwischenzeitlich fast ausgestorben; aus nicht bekannten Gründen haben sich die Bestände nicht annähernd erholt, und mit etwa 15.000 atlantischen Walrossen gibt es heute nur einen winzigen Bruchteil der ursprünglichen Bestandsgröße.

Das Pazifische Walross wurde vergleichbar dezimiert, wenngleich die Jagd erst viel später begann. Hier aber konnten sich aufgrund von Schutzmaßnahmen seitens der USA und Russlands die Bestände wieder erholen, und ihre Zahl verzehnfachte sich, so dass es heute wieder 200.000 Pazifische Walrosse gibt.

Umgekehrt kam es in einzelnen Fällen auch zu Angriffen von Walrossen auf Menschen. Hier wurden vor allem Boote wie Kajaks von aggressiven Bullen umgestoßen und die Insassen angegriffen und zum Teil getötet. Der Naturforscher Lopez berichtet jedoch auch von einem Angriff auf einer Eisscholle:

Ein Walroßbulle ist ein riesiges Tier, so groß wie ein Kleinwagen. Seine Geschicklichkeit und Geschwindigkeit im Wasser sind, aus der Nähe beobachtet, furchterregend. Normalerweise fressen Walrosse nur am Boden lebende Organismen wie Muscheln, Würmer und Krebse, aber es gibt eine ungewöhnliche Art von Walrossen: Es sind fast immer Männchen, Einzelgänger, die gezielt Robben jagen und töten... Dieser seltsame Fleischfresser greift kleine Boote von einer Eisscholle aus an und versucht Menschen im Wasser zu verfolgen und zu töten. Ein Freund von mir stand einmal mit einem Eskimofreund an einer Eiskante, als der Mann ihn aufforderte zrückzutreten. Sie zogen sich sechs oder acht Meter zurück. Weniger als eine Minute später stieß ein Walroß in einem Wasserschwall durch die Oberfläche, genau da, wo sie gestanden hatten. Ein Eisbären-Trick.
Zum Nahrungsspektrum des Walrosses gehört der Mensch allerdings nicht; solche Angriffe sind eher eine Abwehr zu nahe kommender Eindringlinge in ein Walross-Territorium.

Sonstiges

Die Walrossfamilie ist fossil seit dem Miozän nachgewiesen. Im Miozän und im darauffolgenden Pliozän gab es mehrere Arten der Familie Odobenidae. Während des Pleistozäns war bereits die heutige Art verbreitet, und zwar wegen der günstigen eiszeitlichen Bedingungen sehr viel weiter als heute. Walrosskolonien lebten selbst an den Küsten Mitteleuropas und Kaliforniens.

Das berühmteste Walross in Deutschland war das Walross Antje, das Maskottchen des NDR.

Weblinks

Literatur

  • Barry Lopez; Arktische Träume, München 2000, ISBN 3-442-72642-5


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